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Diego Demme im Interview RB Leipzig: Diego Demme im Interview

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel 08.09.2017, 10:00

Leipzig - Diego Demme ist einer der Schlüsselspieler bei RB Leipzig. Verpasste aber den Saisonauftakt wegen der Folgen einer Trainingslagergrätsche seines Positions- und Kabinennachbarn Naby Keita. Fehlte gegen Schalke, prompt verloren seine Kollegen 0:1. Kehrte gegen Freiburg auf die Position vor der Abwehr zurück, prompt gewann RB 4:1.

Im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung erklärt der 25-Jährige sein erstaunliches Comeback, berichtet von seinem Verhältnis zu Keita, und schätzt die Qualitäten des Hamburger SV, Gegner im Volksparkstadion Freitagabend (20.30 Uhr), ein.

Herr Demme, als Sie sich im Trainingslager am Knie verletzten, hieß es: nicht weiter schlimm. Dann haben Sie doch über einen Monat gebraucht, um sich davon zu erholen. Wie kam’s?
Diego Demme: Der Schlag aufs Kniegelenk war schon ziemlich stark, die Struktur war angegriffen. Wir wollten kein Risiko eingehen, indem ich vielleicht zu früh wieder ein Spiel bestreite. Aber es war kein Rückschlag für mich. Ich konnte in Ruhe an meiner körperlichen Fitness arbeiten. Deshalb war ich gegen Freiburg sofort wieder voll da.

Sie haben gespielt, als wären Sie nie außer Gefecht gewesen.
Na ja, das Fußballspielen verlernt man in ein paar Wochen nicht. Und ich habe auch die Fitness nicht verloren. Das dauert bei mir eh ein bisschen länger, bis die richtig weg ist. Nach dem Spiel habe ich dann gemerkt, dass die Wade ein wenig mehr zu war als sonst, aber ich habe jetzt keine Probleme mehr.

Den Schlag aufs Knie hat Ihnen ausgerechnet ihr Positionskollege vor der Abwehr, Naby Keita, verpasst. Waren Sie sauer?
Die Aktion war blöd von uns beiden. Es war Vorbereitung, jeder war schon ein bisschen müde. Dann foule ich ihn, er foult zurück. Klar, war ich ein paar Tage angefressen, weil ich plötzlich nicht mehr trainieren konnte. Aber dann war das vergessen, wir sitzen ja auch in der Kabine nebeneinander. Die Stimmung ist so wie immer gut zwischen uns und wir flachsen wie früher miteinander.

Naby Keita wird kommenden Sommer den Platz neben Ihnen räumen. Verspüren Sie Wehmut?
Nein. Naby ist noch ein Jahr da. Wir haben jetzt großartige Spiele vor uns. Keiner von uns denkt daran, wie das sein wird, wenn er nicht mehr da ist.

Wie ist das für Sie, wenn jemand den Kader verlässt, dem Sie nahestehen?
So ist das Geschäft. Wir sind Profifußballer. Dass Leute kommen und gehen, das gehört dazu. Als uns Joshua Kimmich verlassen hat, war das für mich zwar komisch, weil wir gut befreundet sind. Aber dann hält man trotzdem Kontakt, das ist schon okay.

Kimmich war diese Woche wieder auf Länderspielreise mit dem DFB, Ihr Kollege Timo Werner auch, Keita mit Guinea. Schmerzt es Sie, dass Sie in der Nationalelf nach Ihrer Rückenverletzung vor dem Confed Cup wieder außen vor sind?
Ich bin froh, dass ich das eine Spiel machen durfte. Und ich habe jetzt eine Saison lang Zeit, wieder zu zeigen, was ich kann.

Wie stehen Ihre Chancen auf eine Rückkehr?
Kann ich nicht sagen. Ich hoffe, dass ich noch einmal eingeladen werde.

Haben der Bundestrainer oder einer seiner Assistenten mit Ihnen über mögliche Perspektiven gesprochen?
Noch nicht.

Timo Werner hat in den jüngsten zwei Spielen für die DFB-Elf drei Tore geschossen – trotz des Drucks, Neuling zu sein. Und trotz der Schmähungen, die er in fremden Stadien wegen seiner Schwalbe aus dem Vorjahr oft über sich ergehen lassen muss. In Stuttgart wurde er gefeiert, zuvor in Prag noch verunglimpft. Sie kennen ihn gut, wie hält er sich das vom Leib?
Wenn Anhänger den eigenen Spieler auspfeifen, sind das für mich keine richtigen Fans. Timo ist sehr zielstrebig, sehr fokussiert. Er blendet das aus und lässt sich nicht beirren. Und mit Toren belegt er, dass es ihn nicht interessiert. Er bringt einfach super Leistungen. Man kann nur den Hut vor ihm ziehen.

Gemeinsam steht Ihnen am Mittwoch das erste Champions-League-Spiel bevor. Wie finden Sie Ihre Gegner Monaco, Porto und Besiktas Istanbul?
Wir sind in einer Gruppe, in der wir die Chance haben, etwas zu erreichen. Aber dafür brauchen wir natürlich eine Top-Leistung und den absoluten Fokus.

Einige Ihrer Kollegen haben durchscheinen lassen, dass sie die Machbarkeit der Gegner schätzen, gegen ein Spiel im Camp Nou des FC Barcelona aber nichts einzuwenden gehabt hätten. Wie ist das bei Ihnen?
Unsere Gegner sind ja wahrlich keine kleinen Klubs. Monaco war französischer Meister und vergangene Saison im Champions-League-Halbfinale. Porto ist ein Traditionsverein, Besiktas auch. Alles richtig starke und international erfahrene Teams. Aber es ist was möglich, mir gefällt es die Chance zu haben, weiterkommen zu können. Das Camp Nou muss es jetzt für mich noch gar nicht sein.

Heißt, das darf es dann kommende Saison? Dafür müsste sich RB aber wieder qualifizieren.
Für Saisonziele ist es noch zu früh. Wir sind vergangene Saison sehr gut damit gefahren, uns vorzunehmen, sorgenfrei zu bleiben. Das werden wir auch in dieser so halten. Wir wollen immer im nächsten Spiel das Bestmögliche raushauen.

Auf welchem Wettbewerb liegt Ihr Fokus?
Wir beschäftigen uns noch nicht mit Monaco, wenn wir am Freitag gegen Hamburg spielen. Die Bundesliga ist trotzdem noch der etwas wichtigere Wettbewerb in dieser Saison, den wir selbstverständlich wieder sehr erfolgreich bestreiten wollen.

Ralf Rangnick sagte mehrfach, er würde Rang zehn in der Liga bei gleichzeitigem Einzug ins CL-Viertelfinale unterschreiben.
Es spricht natürlich auch nichts dagegen, in beiden Wettbewerben gute Leistungen und Ergebnisse zu bringen.

In dieser Spielzeit müssen Sie oft aller drei, vier Tage aufs Feld: in der Liga, im Pokal, in der Champions League. Müssen Sie nicht doch längerfristig Ihren Arbeitsaufwand planen?
Das werde ich sehen. Aber ich werde keinen Meter weniger laufen, nur weil ein paar Tage später das nächste Spiel ansteht.

Am Freitag spielen Sie gegen den HSV, fünf Tage später kommt Monaco zu Besuch. Was wird in Ihrer Vorstellung beide Spiele voneinander unterscheiden?
Die Gänsehaut, die man bekommt, wenn die Hymne der Champions League erklingt. Wir werden sehen wie und was der Unterschied sein wird. Stark sind auf dem Level, auf dem wir uns bewegen, alle Gegner, ob hier oder international. Der einzige Unterschied ist, dass wir unsere Ligagegner fast alle schon kennen.

Welche Bedeutung messen Sie dem Auswärtsspiel beim HSV nach der Auftaktniederlage auf Schalke bei?
Wir wollen auch auswärts wieder eine gute Serie starten, genauso weitermachen, wie wir zuhause gegen Freiburg aufgehört haben.

Der HSV hat vergangene Saison mit zwei Gesichtern gegen RB gespielt. Mit dem einen hat er 0:4 verloren, mit dem anderen 3:0 gewonnen.
Aus dieser Perspektive betrachtet sind beide Spiele bei unserer Vorbereitung auf die Partie nur bedingt hilfreich. Aber das zeigt auch, dass der HSV schon immer Qualität hatte, sie haben es nur zuletzt so richtig und konstant auf den Platz bekommen. Und natürlich hat auch der HSV neue Spieler, genau wie wir.

Kevin Kampl ist erst seit ein paar Tagen dabei. Was halten Sie von ihm?
Kevin ist ein super Spieler. Er bringt sehr viel Qualität mit. Er wird uns weiterhelfen.

Er könnte Ihnen Konkurrenz auf der Sechs machen?
Er ist in erster Linie Zehner, aber klar, er kann auch auf der Sechs oder Acht spielen.

Früher haben alteingesessene Spieler es neuen Spielern gern eine Weile lang schwergemacht, gerade Konkurrenten. Wie ist das in Ihrer Generation?
Jeder Wettbewerb um eine Position ist fair. Der Trainer entscheidet, und warum sollte Kevin keine Chance auf eine Position oder Startelfeinsätze haben. Wir integrieren und grenzen nicht aus.

(mz)