Dosenschießen

RB Leipzig: 4:0 beim HSV - Wie RBL-Coach Ralph Hasenhüttl den Sieg einwechselte-Ticker

Hamburg - Für RB Leipzig geht die bis dato überaus gelungene Premierentour durch die 1. Liga weiter. Nach dem 2:2 in Hoffenheim und dem 1:0 gegen den BVB siegten die Sachsen beim Hamburger SV 4:0 (0:0).

Von Martin Henkel und Ulrich Krömer 17.09.2016, 18:30
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl feiert den 4:0-Auswärtssieg beim Hamburger SV.
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl feiert den 4:0-Auswärtssieg beim Hamburger SV. imago sportfotodienst

RB verleiht Flügel... Für RB Leipzig hat am dritten Spieltag der Bundesliga auswärts beim HSV die Hanseaten mit 4:0 in die Schranken gewiesen. Nach dem 2:2 in Hoffenheim und dem 1:0 gegen den BVB blieben die Sachsen erneut ohne Niederlage.

Matchwinner war Trainer Ralph Hasenhüttl, der nach der Pause Timo Werner ins Getümmel warf und damit den Sieg einwechselte. Der frühere Stuttgarter war an drei der vier Tore beteiligt - ebenso wie sein Kollege Emil Forsberg.

Ausgangslage

Den größeren Druck zu gewinnen, hatte in dieser Partie eindeutig der HSV. Das lag zum einen an der Uhr im Stadion, die Hamburgs Ligazugehörigkeit anzeigt. Im Schatten des Chronometers spielt der HSV immer wie unter Zwang. Zudem ist der Ligaauftakt den Norddeutschen reichlich misslungen, sie spielten nur 1:1 gegen den FC Ingolstadt und verloren 1:3 gegen Bayer Leverkusen. Ein mindestens halber Fehlstart ist das gewesen eingedenk des Umstandes, dass Hamburgs Gönner Klaus-Michael Kühne dem Klub an die 30 Millionen Euro geliehen hat, um den Kader aufzurüsten.

Leipzig hingegen reiste zwar mit den Erwartungen seiner Fans an die Elbe, das 1:0 gegen Borussia Dortmund vergangene Woche mit einem feinen Dreier gegen den HSV zu wiederholen, intern aber galt und gilt weiter die Devise, in dieser ersten Spielzeit im Oberhaus des deutschen Fußballs zu lernen. Man will zwar jedes Spiel gewinnen, aber geht es verloren, tritt am Cottaweg nicht gleich das Elsterwasser über die Ufer.

Personal

Ralph Hasenhüttl hatte angekündigt, gegen den HSV anders zu agieren als zuletzt gegen Borussia Dortmund und Hoffenheim. Er hielt Wort und stellte sein Team auf drei Positionen um. Anstelle des schneller Stürmers Timo Werner rückte Yussuf Poulsen in die Spitze. Dafür wurde Platz für Emil Forsberg. Kapitän Dominik Kaiser rückte für Naby Keita auf die Ersatzbank. Und für den verletzten Lukas Klostermann stellte Hasenhüttl Zugang Bernardo auf die rechte Verteidigerposition.

Beim HSV gab es ebenfalls ein paar Neuerungen zu den Spielen zuvor. Brasiliens Olympiasieger Douglas Santos und Kapitän  Johan Djourou spielten für Matthias Ostrzolek und Cléber in der Viererkette und Gideon Jung verdrängte Michael Gregoritsch aus der ersten Elf.

Fans

Der harte Kern des Hamburger SV weiß, wer der Feind ist: Geldgeber, die in ihren Augen den alten Vereinsfußball kaputt machen. Und wo sie stehen: Also auch in den eigenen Reihen, seit der schwerreiche Hamburger Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne den Fußballklub an der Elbe mit Millionen aus seiner Geldbörse unterstützt. Entsprechend fiel der Protest aus – und er richtete sich nicht nur gegen die von Red Bull und Dietrich Mateschitz alimentierten Leipziger, sondern auch gegen den eigenen Klub. Kurz vor Spielbeginn entrollten sie eine Choreo, mit der die Ultras beide „Sponsoren“ auf dem Satz aufspießten „Nicht alles was glänz ist Gold“. Damit hatte es sich aber auch mit dem Protest gegen die Gönner beider Vereine. RB Leipzigs ca. 1800 mitgereiste Fans durften deshalb einen in dieser Hinsicht ruhigen Nachmittag in der nicht ganz ausverkauften Hamburger Arena verbringen.

Spielverlauf und Analyse

Dass der Hamburger SV sich genötigt fühlen würde, die Initiative zu übernehmen, war abzusehen. Anders aber, als es Hasenhüttl prognostiziert hatte, agierten die Hausherren keinesfalls mit langen Bällen ins letzte Drittel des Gegners, sondern versuchten sich durch die Pressingreihen der Sachsen zu kombinieren. Was ihnen freilich nicht oft wirksam gelang, denn dem HSV fehlt dafür einfach das Personal.

In der Folge erspielten sich die Hamburger zwar die besseren Ballbesitzzahlen, an Chancen aber gingen die ersten 45 torlosen Minuten mehr oder weniger pari aus. Die eindeutig beste Gelegenheit zum ersten Treffer des Spiels ließ der HSV liegen. Stürmer Wood legte einen Konterball in den Lauf von Hunt, der ihn aus einem Meter Keeper Gulacsi in die Beine schob (44.).

Doch auch Leipzig vergab seine eine große Gelegenheit. Bernardo hatte nach einer guten Viertelstunde das 1:0 auf dem Kopf, nachdem Sabitzer einen Demme Eckball auf die Stirn des Brasilianers verlängert hatte. René Adler hatte größte Mühe, den Ball aus der Gefahrenzone zu fingern. Alle weiteren Gelegenheiten endeten zumeist in den Beinen der gegnerischen Abwehrspieler wie bei den Kontern der Leipziger in der dritten und 16. Minute, als Forsberg zwei Bälle in den Strafraum nicht an den Mann brachte. Und auf Seiten der Hamburger, die zumeist über die linke Seite mit Santos und Holtby auf die Gegner losstürmten. Deren Pässe fanden aber ebenso wenig ihre Mitspieler wie ein Schuss von Müller in der 39. Minute aus spitzem Winkel das Tor. Gulacsi faustete den Ball ins Tor-Aus.

RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl mit goldenem Händchen

Die zweite Hälfte begann Leipzig mit einer Personaländerung. Trainer Hasenhüttl wechselte Werner für Keita ein, um mehr Wucht in die Angriffe seiner Mannschaft zu bekommen. Was sich 20 Minuten später auszahlte. Forsberg schickte einen schnellen Umschaltball in den Lauf des neuen Mannes, der plötzlich frei vor Adler auftauchte und nach einem Ausfallschritt zu Fall kam, weil der HSV-Keeper in von den Beinen holte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Forsberg sicher (66.).

Bis dahin hatten die Hamburger das Spiel der zweiten 45 Minuten eigentlich weitgehend im Griff, aber ihre letzten Bälle in den Strafraum fanden nie den anvisierten Abnehmer und ihre Fernschüsse flogen allesamt weit übers Tor. Leipzig hatte so leichtes Spiel und beendete die Partie aus ihrer Sicht nur wenige Minuten nach dem Führungstreffer. Forsberg trat einen Freistoß auf den Kopf von Orban, der den Ball richtung Tor drückte, von wo aus Timo Werner seinen zweiten Treffer erzielte (72.).

Damit war es vorüber in Hamburg, die Stimmung erstarb, die Angriffsbemühungen der Gastgeber auch, was Leipzig den Raum für das dritte und vierte Tor eröffnete. Wieder spielte Forsberg einen abgefangenen Ball auf Werner, dieses Mal vollstreckte der Ex-Stuttgarter selbst (78.). In der Nachspielzeit schickte der Schwede dann auch noch den eingewechselten Davie Selke auf die Reise, der zum 4:0 traf.

Ausblick

Für RB Leipzig haben schon gegen den Hamburger SV die ersten englischen Wochen in der Bundesliga begonnen. Mittwoch erwarten die Sachsen daheim Borussia Mönchengladbach (20.00 Uhr), danach steht die Reise am Sonntag (17.30 Uhr) zum 1. FC Köln an. Die Hamburger wiederum müssen unter der Woche nach Freiburg (Dienstag, 20.00 Uhr) und treffen kommenden Samstag (15.30 Uhr) auf den Deutschen Meister FC Bayern München. (mz)

Hamburger SV – RB Leipzig 0:4 (0:0)

HSV: Adler – G. Sakai, Djourou, Spahic, Douglas Santos – Jung, Holtby – N. Müller, Hunt (70. Halilovic), Kostic (83. Waldschmidt) – Wood (83. Gregoritsch).
RBL: Gulácsi – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Demme, Ilsanker – Keita (46. Werner), Forsberg – Sabitzer (62. Kaiser), Poulsen (80. Selke).

Tore: 0:1 Forsberg (66., Foulelfmeter Adler an Werner), 0:2 Werner (72., Orban), 0:3 Werner (77., Forsberg), 0:4 Selke (90.+2, Forsberg)
Torchancen: 3:7; Eckenverhältnis: 7:3
Schiedsrichter: Dr. Robert Kampka (Mainz); Gelbe Karten: Sakai (8.), Spahic (13.), Djourou (51.), Wood (70.) / Compper (75.)
Zuschauer: 52.989 im Volksparkstadion Hamburg