Elfmeter und Eigentor

RB Leipzig: 2:1-Erfolg gegen Schalke 04 - aber im Fokus steht eine Schwalbe

Leipzig - RB Leipzig hat seine Tabellenführung verteidigt. In einem hart umkämpften Samstagabendspiel setzten sich die Sachsen 2:1 (1:1) gegen den FC Schalke 04 durch - hatten aber ganze Arbeit zu verrichten.

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel 03.12.2016, 21:12
Sead Kolasinac (blau im Hintergrund) trifft per Kopf - ins eigene Tor.
Sead Kolasinac (blau im Hintergrund) trifft per Kopf - ins eigene Tor. imago sportfotodienst

RB Leipzig hat seine Tabellenführung verteidigt. In einem hart umkämpften Samstagabendspiel setzten sich die Sachsen 2:1 (1:1) gegen den FC Schalke 04 durch - hatten aber ganze Arbeit zu verrichten.

Nachdem der Aufsteiger bereits in der zweiten Minute mit einem verwandelten Foulelfmeter durch Timo Werner in Führung gegangen war, glich Schalke in der 32. Minute durch Sead Kolasinac aus.

Die Gäste zeigten bis zum Pausenpfiff die reiferen Anlagen. RB aber steigerte sich in der zweiten Hälfte gewaltig und siegte durch ein Eigentor von Kolasinac nach Freistoß von Emil Forsberg in der Summe verdient. RB bleibt damit drei Punkte vor dem FC Bayern an der Tabellenspitze. Schalke verharrt auf dem achten Rang.

Ausgangslage

Schalke 04 geht zwar als Tabellenachter in die Partie gegen Spitzenreiter RB Leipzig. Dennoch wird das Prädikat Bundesliga-Topspiel der Begegnung voll gerecht.

Wettbewerbsübergreifend sind die „Knappen” seit zwölf Spielen ungeschlagen. So treffen die beiden Teams der Stunde des deutschen Fußball-Oberhauses aufeinander.

Trainer Ralph Hasenhüttl bezeichnete die Partie auch als bisher wahlweise „komplexeste” oder „kompletteste” Aufgabe, die seinem Team in dieser Saison bevorsteht.

Personalien

RB Leipzig ging unverändert in die Partie. Weil das Abwehr-Quintett Lukas Klostermann, Ken Gipson, Bernardo, Marvin Compper und Kyriakos Papadopoulos noch immer verletzt und nicht im Teamtraining ist, lief erneut Benno Schmitz hinten rechts in der Viererkette auf, während Stefan Ilsanker den Job als Innenverteidiger übernimmt. Schalkes Trainer Markus Weinzierl musste weiter auf Coke (Kreuzbandriss) und Embolo (Sprunggelenksbruch) verzichten, außerdem wurde Stürmer Klaas-Jan Huntelaar (Außenbandriss im Knie) nicht rechtzeitig fit genauso wenig wie sein Kollege Franco di Santos.

RBL-Talent Dominik Franke saß als Back-up für die Viererkette wieder auf der Ersatzbank.

1. Halbzeit

Das Spiel begann mit einer Schweigeminute für die Toten des Flugzeugabsturzes in Kolumbien unter der Woche, unter denen sich die Mannschaft des brasilianischen Erstligisten Chapecoense befand. Und mit einem Elfmeter. Vom Anstoß weg sprintete Naby Keita durch das Schalker Zentrum und passte den Ball Timo Werner in die schnellen Füße. Der Stürmer lief auf Ralf Fährmann zu, lupfte den Ball über den Schalker Schlussmann – und ging zu Boden. Eine Schwalbe, doch Schiedsrichter Bastian Dankert zeigte auf den Strafstoßpunkt. Werner verwandelte selbst, es war sein achtes Saisontor.

Heftige Proteste nach Timo Werners Schwalbe

Der Schalker Protest fiel heftig aus – und kostete Konzentration. Eine Minute später hatte Poulsen einen Meter vor der Torlinie nach Pass von Werner die Chance auf das 2:0. Fährmann rettete artistisch.

Das Spiel beruhigte sich danach. Schalke suchte nach Lösungen gegen RB, RB wartete ab und spekulierte auf Konter, die sich aber nicht ergaben. Einziger Aufreger bis zur 30. Minute war so die Auswechslung von Benno Schmitz, der sich zehn Minuten davor in einem Zweikampf verletzt hatte. Schmitz ist Rechtsverteidiger und nach Lukas Klostermann und Bernardo bereits der dritte Ausfall auf dieser Position. Ihn ersetzte Dominik Kaiser (23.).

Kaiser war auch an der dritten Chance der Leipziger beteiligt. Er passte sich mit Diego Demme und Marcel Sabitzer durch die Schalker Mittelfeldreihe und spielte den Ball Forsberg in die Beine, der mit seiner Direktabnahme aber an Fährmann scheiterte (31.).

Im Gegenzug glich Schalke aus. Sead Kolasinac veredelte eine Pingpong-Chance der Schalker über Max Meyer (Flanke), Leon Goretzka (Kopfball) und RBs Schlussmann Peter Gulacsi (Handabewehr) aus spitzem Winkel (32.). Die Sachsen, die zuvor schläfrig wirkten ob der frühen Führung waren nun wieder wach. Sie hätten auch wieder in Führung gehen können vor der Pause. Einen Freistoß von Forsberg köpfte Werner allerdings ans Außennetz. Fährmann wäre ohne Chance gewesen (41.). Wenige Sekunden vor Halbzeitpfiff hatte Allesandro Schöpf wiederum die Chance auf das 2:1 für Schalke, einen Doppelpass mit Leon Goreztka schob aber am Tor vorbei.

2. Halbzeit

Die Schalker waren in den ersten 45 Minuten die weitaus reifere Mannschaft. Die Frage der zweiten Hälfte war deshalb, was RB dem entgegen setzen konnte. Denn die Zeichen standen auf Niederlage. Die Hausherren antworteten mit dem 2:1 - dem zweiten Blitztor. Wieder in der ersten Minute, dieses Mal nach dem Wiederanpfiff. Ein Freistoß von Forsberg rutschte Kolasinac über den Scheitel ins eigene Tor.

Anders aber als nach dem 1:0 zog sich RB nicht zurück, sondern drückte auf das 3:1. Werner hatte es auf dem Fuß nach einer Stafette über Keita, Forsberg, Keita. Geis aber fälschte den Schuss zur Ecke ab (65.). Zwei Minuten später war es wieder Werner, der schussbereit vor Fährmann stand, dieses Mal rutschte Bentaleb in den Schuss (67.). Die anschließende Ecke köpfte Halstenberg über die Finger von Fährmann an die Latte (68.).

Peter Gulacsi rettet für RB

Schalke fand kein Mittel. War aber noch nicht raus aus dem Spiel. In der 78. Minute musste sich Gulacsi bei einem Schuss von Meyer wieder strecken, Meyer setzte nach, passte auf die Hacke von Maxim Choupo-Moting, Gulacsi aber war zur Stelle.

Die erste Schalker Chance in den zweiten 45 Minuten war auch die einzige. Es drückte RB weiter auf das 3:1, das in der 82. Minute Keita auf dem Fuß hatte, der Ball sprang ihm aber vom Fuß. Kurz vor Ende des Spiels war es wieder der Neuling, der sich in Torposition spielte. Forsberg scheiterte aber mit der Hacke an Fährmann (88.).

Fans

Im sechsten Heimspiel der Saison ist das Stadion zum fünften Mal ausverkauft. Die Karten gegen den FC Schalke 04 waren rasch vergriffen. Und auch der Gästeblock ist mit etwa 5.000 Schalkern komplett ausverkauft.

Die Schalker Ultras entschlossen sich anders als etwa der harte Kern von Erzfeind BVB, geschlossen nach Sachsen zu reisen. Um dennoch ihren Protest zu äußern, kleiden sich die Gäste geschlossen in blaue Regenjacken, bedruckt mit einem selbst entworfenen „Kumpel- und Malocherklub”-Logo.

In ihrem Blauen Brief begründeten die Schalker Anhänger die Aktion und ihre Einstellung zu RBL.

Ausblick

Für Ralph Hasenhüttl wird das kommende Auswärtsspiel wohl das emotionalste der Saison: RB Leipzig gastiert bei Hasenhüttls Ex-Klub FC Ingolstadt (Sa., 15.30 Uhr).

Der FC Schalke hat am Sonntagabend die schwere Aufgabe gegen Bayer Leverkusen zu meistern (17.30 Uhr). Zuvor gastieren die „Königsblauen” am Donnerstag (21.05 Uhr) in der Europa League in der Salzburger Red-Bull-Filiale.  

RB Leipzig – FC Schalke 04 2:1 (1:1)

RB Leipzig: Gulacsi – Schmitz (23. Kaiser), Ilsanker, Orban, Halstenberg – Demme, Keita – Sabitzer, Forsberg (90.+1 Khedira) – Werner (83. Burke), Y. Poulsen.
FC Schalke 04: Fährmann – Höwedes, Naldo, Nastasic – Geis (86. Reese) – Schöpf (86. Caicara), Kolasinac – Goretzka, Bentaleb (81. Konoplyanka) – M. Meyer – Choupo-Moting.
Tore: 1:0 Werner (2., Foulelfmeter, Werner), 1:1 Kolasinac (32., Goretzka), 2:1 Kolasinac (47., Eigentor, Forsberg)
Torchancen: 9:5; Eckenverhältnis: 8:5
Schiedsrichter: Dankert (Rostock), Gelbe Karten: Halstenberg (73.) / Fährmann (1.), Nastasic (39.), Schöpf (49.), Höwedes (51.), Bentaleb (80.)
Zuschauer: 42.558 Zuschauer in der Red-Bull-Arena Leipzig.