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Beste MBC-Saisonleistung Beste MBC-Saisonleistung: Warum die "Wölfe" das Derby gegen Jena dominierten

Von Daniel George 08.04.2019, 08:15
Ein zufriedener MBC-Coach Silvano Poropat auf seiner Ehrenrunde in der Stadthalle Weißenfels.
Ein zufriedener MBC-Coach Silvano Poropat auf seiner Ehrenrunde in der Stadthalle Weißenfels. www.imago-images.de

Weissenfels - Es war noch im ersten Viertel, als Silvano Poropat allen signalisierte: Wir gehen hier heute an unsere Grenzen – und darüber hinaus! Nach einem missglückten Wurf forderte der Cheftrainer des Mitteldeutschen Basketball Clubs (MBC) seine Spieler wild gestikulierend zur schnellen Rückwärtsbewegung auf. Dabei trat der 47 Jahre alte Kroate derart weit und unerlaubt auf das Parkett, dass den Schiedsrichtern keine andere Wahl blieb, als ein technisches Foul gegen ihn zu verhängen.

Das war zu verschmerzen, diente Poropats Aktion doch als Signal, war sie Ausdruck unbändigen Kampfgeists aller Wölfe, der am Samstagabend belohnt wurde: Mit 109:92 gewann der Bundesligist aus Weißenfels vor 3000 Zuschauern in der ausverkauften Stadthalle gegen Jena.

„Wenn uns jemand vor dem Spiel gesagt hätte, dass wir fast die gesamte zweite Halbzeit mit 20 Zählern führen, am Ende mit 17 Punkten gewinnen und uns glücklich schreiend in den Armen liegen würden, hätte niemand damit gerechnet“, sagte Poropat nach dem so wichtigen Erfolg im Kampf um den Klassenerhalt.

Poropat setzt beim MBC auf eine kleine Formation

Als „Spiel gegen die Angst“ hatte die MZ das Abstiegsduell im Vorfeld betitelt. Die MBC-Profis gewannen dieses Mental-Spiel gegen den eigenen Kopf von der ersten Minute an. Keine Spur von Versagensangst. Stattdessen: Mut, Leichtigkeit, Siegeslust. Es war der erfrischendste Auftritt des Bundesligisten aus Weißenfels in dieser Saison. „Sie waren einfach bereit, im Gegensatz zu uns“, musste Jenas Center Julius Wolf anerkennen.

Bereits nach dem ersten Viertel lag Weißenfels mit acht Zählern in Front (23:15). Bis zur Halbzeit bauten die Wölfe ihren Vorsprung bis auf zwölf Punkte aus (48:36). Die taktische Einstellung machte sich bezahlt: Coach Poropat setzte auf eine kleine Formation, um den Gegner aggressiv unter Druck zu setzen und im Angriff schnell wie kreativ zu sein. Die Spielmacher Jovan Novak und Trevor Releford standen gemeinsam in der Start-Fünf – und zeigten beide eine ausgezeichnete Vorstellung.

Novak erzielte 23 Punkte und verteilte fünf Vorlagen. Releford sammelte 13 Zähler und bereitete acht Korberfolge vor. Beinahe wichtiger als ihre offensiven Statistiken: Sie verteidigten hervorragend. Jenas erfahrene, aber vom Alter gezeichnete Aufbauspieler Dru Joyce (34 Jahre alt) und Julius Jenkins (38) blieben blass gegen die jüngere und leichtfüßigere Konkurrenz aus Weißenfels.

Tremmell Darden als wichtiger Faktor im MBC-Spiel

„Wir haben ein jüngeres Team und wollten deshalb mit mehr Energie spielen. Das ist uns das gesamte Spiel über gelungen“, sagte Tremmell Darden. Ausgerechnet der 37 Jahre alte Routinier ging in dieser Hinsicht auch noch voran: Mit drei geblockten Würfen gab der US-Flügelspieler seinem Team immer wieder einen Schub. „Wenn du in der Defensive aktiv bist, zahlt sich das in der Offensive aus“, sagte Darden, der mit 15 Punkten, sieben Rebounds und fünf Vorlagen ein Komplettpaket lieferte.

„Die Trainer haben unser Trainingspensum in dieser Woche etwas reduziert“, verriet er noch. „Wir waren ausgeruht und haben ihr Vertrauen mit unserer Leistung zurückgezahlt.“ Center Aleksandar Marelja legte eine Saisonbestleistung auf: 25 Punkte und fünf Rebounds. David Brembly steuerte als Bankspieler starke 14 Zähler bei. Auch Ersatzcenter Benedikt Turudic gelangen stolze zehn Punkte in nur elf Minuten auf dem Parkett.

Jeder Spieler liefert beim MBC ab

Es war ein Abend, an dem beim MBC jeder Spieler funktionierte. Vor dem letzten Spielabschnitt lagen die Wölfe mit 78:57 in Front. Die Gäste aus Thüringen konnten den Heimsieg der Weißenfelser zu keinem Zeitpunkt mehr ernsthaft gefährden.

Dass es am Ende doch noch einmal um jeden Punkt ging, lag am direkten Vergleich. Das Hinspiel hatte Jena mit 81:64 gewonnen. Auch die Korbdifferenz im Rückspiel betrug schlussendlich 17 Zähler. Also würde am Saisonende bei Punktgleichheit das Gesamtkorbverhältnis über die bessere Platzierung entscheiden – und das spricht aktuell deutlich für den MBC. Weißenfels belegt weiterhin den ersten Nichtabstiegsplatz, hat jetzt einen Sieg mehr auf dem Konto als Schlusslicht Jena.

Der MBC tritt am kommenden Sonnabend in Göttingen an, bei einem Team, das ebenfalls noch gegen den Abstieg kämpft. „Wenn wir weiter fokussiert bleiben, mit solch einer Energie und Einstellung spielen“, sagte Poropat, „dann bin ich für die nächsten Partien sehr positiv gestimmt.“ (mz)

Tremmell Darden und Aleksandar Marelja im Kampf um den Ball.
Tremmell Darden und Aleksandar Marelja im Kampf um den Ball.
Peter Lisker