Streit um Arbeiten bis 70 Nicht nur das Rentenalter muss in den Fokus - die Reform muss größer sein (Kommentar)
In Sachsen-Anhalt läuft eine Debatte über die Rente mit 70. MZ-Redakteur Jan Schumann hält das für richtig. Um das System der Altersvorsorge langfristig zu stabilisieren, sind aus seiner Sicht jedoch mehr Änderungen nötig.

Halle/MZ - Zumindest in einer Frage sind sich die Experten einig: Um die Rente in den kommenden Jahrzehnten solide finanzieren zu können, sind große Reformen nötig. Man darf sich da nichts vormachen. Wenn das bisherige Niveau der Altersvorsorge gehalten werden soll, gibt es keine bequemen Lösungen.
Zu groß sind die Unwuchten im System zwischen der steigenden Zahl der Rentner und denjenigen, die deren Rente erarbeiten sollen – den Arbeitnehmern in der Republik.
IHK Halle-Dessau fordert Debatte über Rente mit 70
Weil die Bundesregierung das weiß, hat sie eine Kommission eingesetzt, um Vorschläge zu erarbeiten. Falsch ist das nicht, solch eine Expertengruppe kann genaue Berechnungen anstellen, wie sich die Rente und deren Kosten für uns alle entwickeln werden.
Das hängt unter anderem von der weiteren Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung ab. Doch die wichtigsten Stellschrauben zum Absichern der Rente sind bereits bekannt.
Die Deutschen können tendenziell länger arbeiten als noch vor Jahrzehnten
Eine allmählich steigende Lebensarbeitszeit – also die spätere Rente – gehört dazu, auch wenn der Vorschlag überaus unbeliebt ist. IHK-Chef Sascha Gläßer hat jedoch Recht: Die Deutschen werden immer älter, sie leben tendenziell gesünder und viele sind länger arbeitsfähig als noch vor Jahrzehnten. Das muss sich mittelfristig in den Arbeitsbiografien widerspiegeln.
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Natürlich kann es nicht um eine pauschale Sofort-Anhebung des Rentenalters gehen, man muss zudem auch Unterschiede zwischen Berufsgruppen machen. Aber die Erhöhung zum Tabu zu erklären, ist keine Lösung.
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Weitere nötige Reformvorschläge liegen ebenfalls bereits auf dem Tisch. Etwa, dass auch Beamte und Selbstständige künftig in die Rentenkasse einzahlen. Keine Frage: So große Reformen sind für Parteipolitiker überaus schwierig umzusetzen, weil ihnen ständig Teile der eigenen Klientel aufs Dach steigen. Von daher ist es am Ende vielleicht doch eine möglichst unabhängige Expertenkommission, die solche Änderungen am ehesten anstoßen kann.