Reichsbürger

Reichsbürger: Was Adrian Ursache und ein Polizistenmörder miteinander zu tun hatten

Reuden - Was Ex-Mister-Germany Adrian Ursache und ein mutmaßlicher Polizistenmörder in Reuden miteinander zu tun hatten.

Von Torsten Gerbank

Der mutmaßliche Polizistenmörder Wolfgang P. (49) aus Georgensmünd (Bayern) stand im Kontakt mit Adrian Ursache (42) aus Reuden. P. gehörte zu jener Gruppe von Reichsbürgern und deren Sympathisanten, die am Tag vor der vollzogenen Zwangsräumung des Grundstückes von Adrian Ursache in Reuden aufmarschierten - und damit den zunächst anberaumten Räumungstermin platzen ließen.

Staatsanwaltschaft bestätigt: Wolfgang P. war auf ursaches Grundstück

Der Naumburger Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Neufang bestätigte gegenüber der MZ, dass P. sich auf dem Grundstück von Ursache befunden hat. Das belegen auch Filmaufnahmen, die jüngst in einer Dokumentation des Mitteldeutschen Rundfunks zu sehen waren. Da stand P. ganz in der Nähe von Adrian Ursache, der den Reichsbürgern nahesteht. Bei der letztlich durchgeführten Zwangsräumung des zwangsversteigerten Hauses von Ursache in der Reudener Poststraße im Juni war es zur Eskalation gekommen.

Ursache soll Einsatzkräften des Sondereinsatzkommandos der Polizei mit einer Waffe entgegentreten sein. Er selbst soll das Feuer auf die Beamten eröffnet haben. Beim Schusswechsel wurde Ursache so schwer verletzt, dass er nach Aussagen eines Sprechers der Leipziger Universitätsklinik zeitweise in Lebensgefahr schwebte. Seit Ende August bis zum Donnerstag dieser Woche befand sich Ursache in stationärer Behandlung. Das Gros der Zeit davon verbrachte er im Haftkrankenhaus der Justizvollzugsanstalt in Leipzig. Nun, so Neufang, ist er in die Justizvollzugsanstalt nach Halle verlegt worden.

Zwei Hundertschaften der Polizei bei Zwangsräumung in Reuden im Einsatz

Bei der Zwangsräumung des Grundstückes von Ursache waren zwei Hundertschaften der Polizei im Einsatz. Hintergrund dafür ist, dass Ursache, der auf seinem ehemaligen Grundstück den Fantasiestaat Ur gegründet hatte, als gewaltbereit eingestuft worden war. Bereits vor der Zwangsräumung gab es Morddrohungen gegen den zuständigen Gerichtsvollzieher. Von „abschlachten wie Vieh“, von „töten wie eine Sau“ war da im Internet die Rede.

Bereits im Oktober hatten Einwohner von Reuden gegenüber der MZ gesagt, dass die Vorfälle um Adrian Ursache, den einstigen Mister Germany, die Menschen im Ort vorsichtiger gegenüber Fremden gemacht haben. Das sich nun ein mutmaßlicher Polizistenmörder in ihrem Ort aufgehalten hat, dürfte sie in ihrer Position durchaus bestärken.

Ursache wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Gegen Wolfang P., den Mann aus Bayern, ist Haftbefehl erlassen worden, weil ihm Mord, versuchter Mord und schwere Körperverletzung vorgeworfen werden. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung soll er sofort das Feuer auf Polizisten des Spezialeinsatzkommandos eröffnet haben. Ein Polizeibeamter (32) erlag am Morgen nach den Schüssen im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Strafbefehl gegen Adrian Ursache

Derweil liegt der MZ die Kopie eines Strafbefehles gegen Adrian Ursache vor. Darin werden ihm zehn Straftaten zur Last gelegt - im Zeitraum von Mitte Juni 2015 bis Anfang Januar 2016. Dabei geht es unter anderem um Nötigung, Bedrohung, Beleidigung. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Ursache den Direktor des Zeitzer Amtsgerichts Ernst-Wilhelm Schulze als „Verbrecher“ bezeichnete. Ursache warf demnach Schulze „Völkermord“ und „Kriegsverbrechen“ vor. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft laut den Unterlagen gegen Ursache bereits eine Geldstrafe von rund 12 000 Euro verhängt worden. Das sind 300 Tagessätze zu 40 jeweils 40 Euro. Bei Nichtzahlung drohen Ursache je ausstehendem Tagessatz ein Tag Gefängnis. (mz)