Schüsse bei Räumungsversuch

Reichsbürger Adrian Ursache: Schießerei bei Polizeieinsatz im Staat Ur

Reuden - Das Grundstück von Ex-Mister-Germany Adrian Ursache, eines sogenannten Reichsbürgers in Reuden (Burgenlandkreis), sollte geräumt werden. Dabei kam es am Donnerstag zu einer Schießerei mit fünf Verletzten.

Von Torsten Gerbank

Bei der Zwangsräumung des Hauses von Ex-Mister-Germany Adrian Ursache, eines sogenannten Reichsbürgers in Reuden (Burgenlandkreis), ist es am Donnerstag zu einer Schießerei mit fünf Verletzten gekommen.

Adrian Ursache, ein ehemaliger Mister Germany, der sein Grundstück zum Mini-„Staat Ur“ ernannt hat, wurde bei dem Schusswechsel schwer verletzt und musste mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Nach einer Operation liegt er nach Polizeiangaben auf der Intensivstation.

„Sein Zustand ist stabil“,  sagte Ralf Karlstedt, Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd, der MZ. Zu Einzelheiten  wollte der Beamte nichts sagen. 

Adrian Ursache 1998 Mister Germany

Neben Ursache trugen mehrere Polizisten bei dem Einsatz Verletzungen davon. Wie schwer die Beamten verletzt wurden, blieb unklar. Die Zwangsräumung des Hauses war wegen einer Grundschuld angeordnet worden.

Nachdem die Räumung am Vortag gescheitert war, rückte die Polizei mit insgesamt zwei Hundertschaften nach Reuden aus. Das sei laut Karlstedt auch notwendig gewesen, da mit Widerstand gegen die Räumung zu rechnen war.

Am Mittwochmorgen blieb der Gerichtsvollzieher aus, weil dutzende Unterstützer Ursaches anwesend waren. Am Donnerstag kam er dann mit Spezialeinsatzkräften (SEK) der Polizei. Als die Beamten das Grundstück kurz nach acht Uhr  betreten hatten, sind sie laut Karlstedt sofort attackiert worden. 

Es wurde demnach  mit „größeren Steinen“ nach ihnen geworfen. Darüber hinaus habe Ursache die Beamten mit einer Waffe bedroht. Im Verlauf haben dann laut Karlstedt sowohl Ursache als auch die SEK-Beamten geschossen.

Adrian Ursache ist nicht der einzige Sachsen-Anhalter, der ein eigenes Königreich gegründet hat. Der Wittenberger Peter Fitzek steht als Oberster Souverän dem von ihm gegründeten Königreich Deutschland vor.

Fitzek rief zunächst den Verein „NeuDeutschland“ ins Leben, um dann vor knapp vier Jahren, am 16. September 2012, vor seinen Anhängern das „Königreich Deutschland“ zu gründen.

Fitzek erkennt die Bundesrepublik Deutschland inklusive seiner Institutionen und dem Rechtssystem nicht an.

Nach eigenen Angabengibt es derzeit knapp 1000 Staatszu- & Angehörige. Auf einem früheren Krankenhausgelände im Nordwesten von Wittenberg sollte das Staatsgebiet mit Krankenhaus, Kindergärten und Universität entstehen. Im November 2014 wurde Fitzeks komplettes Vermögen, inklusive des Geländes, beschlagnahmt.

Auch Peter Fitzek stand wegen mehrerer Vergehen bereits vor Gericht, häufig nutzte er die Verhandlungen, um auf sich aufmerksam zu machen und für sein Königreich Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Die Vorwürfe reichen vom Fahren ohne Fahrerlaubnis bis zum Verstoß gegen das Versicherungsaufsichtsgesetz. In einigen Fällen wurde Fitzek auch zu Haftstrafen verurteilt, da er aber in Berufung ging, sind die Gerichtsurteile noch nicht rechtskräftig.

Am 8. Juni 2016, bekommt Fitzek, der sich selbst als „Imperator Fiduziar“ bezeichnet, im Wittenberger Ortsteil Reinsdorf Besuch von der Polizei und wird verhaftet. Ihm wird unter anderem schwere Untreue vorgeworfen.

Fitzek soll über ein Internetportal eine Kooperationskasse betrieben haben, der verschiedene Personen Geld zur Verwaltung zur Verfügung stellten. Von dieser Kooperationskasse soll er 1,3 Millionen Euro illegalerweise für eigene Zwecke verwendet haben. Derzeit sitzt Fitzek noch in Haft.    (mz/guc, 25.08.2016)

Was genau passiert ist, wie es zu dem Schusswechsel kam, das vermochte Karlstedt nicht zu sagen. Das sei  nun  Gegenstand weiterer Ermittlungen, so der Polizeisprecher.

Adrian Ursache gründete „Staat Ur" in Reuden

Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an und erklären ihre Grundstücke oder andere Gelände zu eigenständigen Gebieten. Am Donnerstag haben sich insgesamt 14 Menschen auf Ursaches Grundstück befunden. Dabei handelte es sich um Familienangehörige und andere Personen.  Ursaches Ehefrau, eine ehemalige Miss Germany, befand sich laut Polizeisprecher Karlstedt mit auf dem Grundstück. Die beiden Kinder des Ehepaares waren jedoch nicht vor Ort.

Während des Einsatzes der Polizei und noch Stunden darüber hinaus war die Straße in Reuden, in der sich das Haus der Ursaches etwas zurückgesetzt befindet, abgeriegelt.  Mit Maschinenpistolen und Pistolen bewaffnete Beamte standen    am Beginn der Straße. 

Einsatzfahrzeuge der Polizei waren wie auf einer Perlenkette entlang der nahen Bundesstraße 2 aufgereiht. Die Straße verbindet Zeitz mit Leipzig. Sie soll zu keinem Zeitpunkt komplett gesperrt gewesen sein. Dennoch wurde der Verkehr behindert.   Evakuierungen von Häusern in der Nachbarschaft hat es laut Karlstedt nicht gegeben.

Schaulustige hatten sich auf dem Gehweg in der Nähe der alten Poststraße postiert, fotografierten, filmten, hielten sich aber wortkarg. „Schlimm, so etwas kann man nicht  begreifen“, sagte ein Mann, der seinen Namen lieber für sich behielt. Ein anderer hatte von einer Frau, die sich heimlich durchs nahe Maisfeld geschlichen habe, gehört, es seien fünf Schüsse gefallen. Ihm tue das Steuergeld leid, das in Reuden habe verpulvert werden müssen.  Ein Anwohner sagte, er haben gegen 8.30 Uhr  Geräusche wahrgenommen, die er für Schüsse hielt.

Polizei bei Adrian Ursache: Reichsbürger wird Thema der Politik

Die Schießerei wird nun auch Thema im Landtag. „Einmal mehr wird nach dem heutigen Vorfall in Reuden klar, wie gefährlich so genannte Reichsbürger und Selbstverwalter tatsächlich sind. Sie sehen sich selbst außerhalb des geltenden Gesetzes stehen und gefährden so die Allgemeinheit. Sie als Spinner abzutun, greift zu kurz und verkennt ihre Verbindungen in die rechte Szene“, sagte der Grünen-Innenexperte Sebastian Striegel. Der Innenausschuss wolle nun unter anderem klären, woher Ursache seine Waffe hatte und ob er sie führen durfte. (mz)