Weihnachten in Deutschland

Weihnachten in Deutschland: Ahmad Alsayedah aus Syrien ist gern auf dem Weihnachtsmarkt

Wittenberg - Wie verbringen Menschen, die hier leben, aber aus anderen Ländern stammen, die Festtage? Heute: Ahmad Alsayedah aus Syrien.

Von Paul Damm 18.12.2018, 13:41

Ahmad Alsayedah aus Syrien ist seit 2014 in Wittenberg zu Hause. In seiner alten Heimatstadt Damaskus hatte er lange Zeit vom Frieden geträumt. Doch daran war nicht mehr zu denken, als 2011 ein Bürgerkrieg zwischen dem Assad-Regime und der Freien Syrischen Armee ausbrach.

Kurz darauf floh Ahmad Alsayedah mit seiner Familie zunächst in den benachbarten Libanon. „Ich hatte Glück“, erklärt der junge Mann und wirkt erleichtert. „Im Libanon wurde aufgrund meines kleinen Bruders die Unicef auf uns aufmerksam. Wir wurden registriert und hatten die Möglichkeit, mit einem Flugzeug nach Deutschland zu fliegen. Wir haben unsere Heimat und den Krieg hoffentlich für immer hinter uns gelassen.“

Seit vier Jahren lebt der 28-Jährige in Deutschland - und in Sicherheit. Gerade jetzt in der Adventszeit kommen alte Erinnerungen aus der Heimat des jungen Syrers hoch. Er berichtet: „Auch in Damaskus wurden jedes Jahr riesige Tannenbäume aufgestellt, die mit Lichterketten geschmückt wurden. Die ganze Stadt hat geleuchtet.“ Tatsächlich gibt es traditionell in Damaskus auch eine christliche Minderheit - und daher Weihnachtsmärkte.

Obwohl es in seinem Glauben, er gehört dem Islam an, kein christliches Weihnachtsfest gibt, hat er dennoch mit seiner Familie jährlich gefeiert - jedoch ohne religiösen Hintergrund. „In meiner Religion wird nicht der Geburt Jesu gedacht. Wir feiern aber trotzdem das Fest, da es den Zusammenhalt stärkt“, erklärt der 28-Jährige. In der Vorweihnachtszeit gibt es zudem einen weiteren Brauch: 25 Tage vor dem Fest kostümieren sich Kinder und Erwachsene - ähnlich wie bei Halloween in Deutschland - und ziehen durch die Straßen, um die „bösen Geister“ zu verjagen.

AAn den Haustüren erhielten die Kinder neben Süßigkeiten noch Walnüsse, Rosinen und etwas Geld. „In Syrien zeigte man mit dieser Geste die Großzügigkeit und den Zusammenhalt - egal, ob man Christ oder Muslim ist.“ Diese Rituale zur Weihnachtszeit vermisst der junge Syrer in Wittenberg.

Als er vor vier Jahren mit seiner Familie nach Deutschland kam, waren die Menschen ihm gegenüber etwas abweisend. Doch als er erfolgreich an Sprachkursen an der Euro-Schule in Wittenberg teilnahm, änderte sich sein erster Eindruck. Er schloss erste Freundschaften und hat jetzt sogar einen Minijob. „Derzeit arbeite ich bei der Arbeiterwohlfahrt in Wittenberg als Dolmetscher. Das macht mir viel Spaß und es ist eine wichtige Arbeit.“

Ahmad Alsayedah sieht optimistisch in seine Zukunft. In einem Mehrfamilienhaus hat er eine Wohnung bezogen. Seine Eltern und die beiden Brüder leben direkt gegenüber. „Ich bin glücklich, dass ich meine Familie bei mir habe. Das bedeutet mir sehr viel.“

In der vergangenen Woche hat er seine Wohnung bereits weihnachtlich geschmückt. Ein kleiner Tannenbaum steht auf seinem Balkon, Adventsdekorationen thronen auf dem Fensterbrett. „Für mich ist Weihnachten sehr wichtig. Ich weiß noch, wie ich als kleines Kind unbedingt die Geschenke gleich auspacken wollte. Jetzt habe ich gelernt, zu warten“, sagt der 28-Jährige und lacht.

Heiligabend wird die ganze Familie Alsayedah gemeinsam feiern. Jedoch wird es keine deutschen Gerichte - also zum Beispiel keine Würstchen mit Kartoffelsalat - geben. „Bei uns gibt es traditionell Reis mit Milch und ganz viel Zucker. Diese Zutaten werden dann zu einem Brei vermengt.“

In jedem Jahr zur Weihnachtszeit bäckt seine Mutter Kekse und verschenkt sie an die Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus. „Unsere Nachbarn sind alle sehr nett. Es ist bereits ein fester Bestandteil geworden, dass man sich gegenseitig etwas schenkt. Wir bekommen dann im Gegenzug auch etwas zurück.“