Emotionale Zeitreise Musical zeigt DDR-Friseurin in Wittenberg: "Salon Rosie" erzählt vom Umbruch nach der Wende
Mit "Salon Rosie" rückt das Musical "Wir sind am Leben" eine DDR-Friseurin und ihren berühmten Salon in Wittenberg in den Mittelpunkt. Es bietet eine emotionale Perspektive auf die Wendezeit.

Wittenberg/MZ - In einem neuen Musical heißt es, dass es in Wittenberg einen Friseursalon gab, der in der DDR beinahe legendären Ruf genoss. Ein Salon, in dem nicht nur Dauerwellen gelegt wurden, sondern auch die Stars des Ostens auf dem Stuhl saßen: Frank Schöbel, Carmen Nebel, Katarina Witt und Wolfgang Lippert. Selbst das berühmte Lila von Margot Honecker entstand hier.
Musical „Wir sind am Leben“: Wittenberg als Schauplatz einer Wendegeschichte
So wird es im Musical mit dem Titel „Wir sind am Leben“ beschrieben. Die Idee stammt von Peter Plate, bekannt aus dem Duo Rosenstolz, und seinem langjährigen Partner Ulf Leo Sommer. Am 21. März feiert das Stück im Berliner Theater des Westens Premiere.

Rund 150 Menschen arbeiten an der Produktion mit, 16 Darstellerinnen und Darsteller stehen auf der Bühne. Anders als viele große Musicals basiert die Geschichte nicht auf einem Film oder einer bekannten Vorlage. Sie wurde eigens für die Bühne geschrieben.
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Im Mittelpunkt steht Rosie. Sie führt in Wittenberg einen Friseursalon, der in der DDR als „erste Adresse“ gilt. Ihr Laden ist Wohnzimmer und Treffpunkt zugleich. Hier wird gelacht, diskutiert und getratscht. Der Salon ist ein Stück Alltag und ein Ort, an dem sich viele wichtig fühlen.
Handlung frei erfunden – und doch nah an der Wirklichkeit
Geschrieben und inszeniert worden ist das Musical von Franziska Kuropka und ihrem langjährigen Weggefährten Lukas Nimscheck. Kuropka stellt klar: Der berühmte Salon ist frei erfunden.
„Bestimmt sind einige Stars mal in Wittenberg gewesen, aber wir haben das einfach behauptet. Das waren unsere Ikonen“, sagt die 48-Jährige. Auch wenn der Ort fiktiv ist, trägt die Geschichte viel Wirklichkeit in sich. So stehe der Salon für eine Zeit, in der vieles vertraut war – und für den großen Umbruch nach der Wende.
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Denn mit dem Jahr 1989 ändert sich alles. Die Mauer fällt. West-Produkte kommen in die Regale. Neue Salons eröffnen. Konkurrenz entsteht. Rosies Geschäft wird leerer. Die früheren DDR-Prominenten verlieren an Bedeutung. Der Salon gerät in eine Krise. Genau dieser Wandel bildet das Herzstück des Musicals.
Eigene Wende-Erfahrungen prägen die Autorin
Kuropka erinnert sich noch gut an die Zeit. Sie wuchs im thüringischen Meiningen auf und war elf Jahre alt, als die Mauer fiel. Im Jahr 1990 zog sie mit ihrer Mutter nach Berlin-Kreuzberg. „Die Parallelen zum Stück sind relativ groß“, sagt sie. „Ich habe das erlebt. Es war für mich wahnsinnig leicht, das zu schreiben.“
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Dass die Geschichte in Wittenberg beginnt, ist laut ihr kein Zufall. Plate und Sommer haben eine enge Freundin in der Stadt und sind regelmäßig hier. „Weil ihnen die Stadt so gut gefallen hat, ist es Wittenberg geworden“, sagt Kuropka. Auch die Lage spielte eine Rolle: Nur rund 90 Autominuten trennen Wittenberg von Berlin. Im Musical wird diese Nähe entscheidend, denn im Stück kommt es zu einer Flucht in die Hauptstadt. Und noch einen ganz praktischen Grund nennt die Autorin: „Wittenberg singt sich auch sehr gut.“
Friseursalon steht für viele kleinere DDR-Betriebe im Osten
Sie ist überzeugt, dass die Menschen in der Stadt neugierig auf das Stück sein werden. Das Musical sei „ein amüsanter Kniefall vor der Stadt“. Und sie ergänzt: „Wittenberg kann sich bereit machen, das ein oder andere Mal erwähnt zu werden.“
Der fiktive Friseursalon steht für viele kleine Betriebe im Osten. Für Menschen, die nach der Wende neu anfangen mussten. Für Lebensleistungen, die plötzlich unsicher wurden. Franziska Kuropka kennt das Friseurhandwerk auch aus der Familie. Ihre Mutter machte in Halle (Saale) eine Ausbildung zur Friseurin. „Ich sitze also an der Quelle“, sagt sie. Viele Details aus dem Salon-Alltag stammen aus diesen Erzählungen.
Musikvideo „Salon Rosie“: Dreh in Brandenburg statt Wittenberg
Gedreht wurde das Musikvideo zum Song „Salon Rosie“ allerdings nicht in Wittenberg. Ein passender Drehort habe sich hier nicht finden lassen, erklärt die 48-Jährige. Stattdessen entstand das Video in einer kleinen Gartenlaube in Brandenburg.
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Für Franziska Kuropka war das ein sehr persönlicher Moment. Auf nur 15 Quadratmetern kehrten die Erinnerungen an ihre schöne Kindheit in der DDR zurück. „Da habe ich geweint“, erzählt sie.

Ob Teile von dem Musical auch nach Wittenberg kommen, ist noch offen. „Das ist aber eine schöne Zukunftsvision“, sagt Kuropka. Im Moment liege der Fokus jedoch auf der Premiere in Berlin. „Wir müssen erst das Baby zur Welt bringen und dann schauen, wie es läuft.“