Läden in der Altstadt

Läden in der Altstadt: Der Leerstand „tut schon weh“

Wittenberg - René Stepputtis sieht Handlungsbedarf in der Altstadt. Unternehmer vermissen eine Berichterstattung über die „positiven Aspekte“.

Von Michael Hübner 21.05.2018, 08:07

Der Wittenberger Stadtrat René Stepputtis (SPD) spricht am Freitag Klartext. Der Leerstand in der Altstadt „tut schon weh“. Etwa 40 Geschäfte in der Innenstadt sind verwaist. So etwas möchte die Wittenberger Marketingagentur NetworkOffice ab sofort nicht mehr in der Zeitung lesen. Diana Behrendt und Hans Schubert sehen einen Grund für die derzeitige Situation in der „seit einiger Zeit geführten negativen Berichterstattung über unsere Innenstadt“ in der MZ.

„Leider können wir nicht nachvollziehen, warum die vielen positiven Aspekte zum Einzelhandel, der Kultur und Kunst nicht vordergründig dargestellt werden. Mit den negativen Schlagzeilen zum Leerstand und den angeblichen Parkplatzproblemen schaffen wir keine Belebung und Leerstandbeseitigung“, so Behrendt und Schubert. „Jede negative Darstellung in der MZ zu diesem Thema hat zur Folge, dass viele Einwohner abgeschreckt werden, Geschäfte und Einrichtungen aufzusuchen oder gar neu zu eröffnen“, heißt es in einer Rund-Mail. Im Übrigen, so sind sich die Pressekritiker sicher, gebe auch in anderen Städten gähnende Leere im Zentrum.

Tatsächlich lohnt immer der Blick über den eigenen Tellerrand - nach Wolgast zum Beispiel. Dort wird nicht die Presse aufgefordert, doch endlich etwa Positives zu berichten, sondern es wird gehandelt. Knapp 50.000 Euro stehen für die Stelle des Innenstadtmanagers laut Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) demnächst zur Verfügung. Das Stadtoberhaupt dringt auf Freiräume für den neuen Job.

„Wir brauchen jemanden von außen, der sich 40 Stunden pro Woche ausschließlich um die Innenstadt kümmert.“ Und er hat in seiner Stadt Rückenstärkung. „Ein Innenstadtmanager ist ein großes Plus“, so Martin Schröter. „Eine nicht gemanagte Innenstadt kann heutzutage kein Erfolgsmodell sein. Auf jeden Fall muss die Fachkraft von außen kommen und den vollen Rückhalt der Stadtvertretung haben“, so der Kommunalpolitiker und Unternehmer. „Denn: Er wird neue Dinge vorschlagen und Bestehendes in Frage stellen, und das tut vielleicht auch mal weh.“

Eine solche kritische Analyse gibt es in Wittenberg bisher nicht. Behrendt und Schubert behaupten: „Es werden nicht weniger, sondern mehr Geschäfte, die sich in der Innenstadt etablieren. Viele neue Läden mit besonderen Angeboten und Marken haben bereits zur Leerstandbeseitigung beigetragen. Unsere Innenstadt ist bei vielen Besuchern und auch Wittenbergern nach wie vor sehr beliebt. Gerade Kunden aus dem näheren und ferneren Umland kommen gern in unsere Stadt. Sie sind durchweg von der Produktvielfalt, besonders von den kleinen Geschäften begeistert“, so die Marketing-Experten.

Nicht nur Stepputtis sieht das anders. „Der Gewerbeverein und die Stadt sollten sich jetzt gemeinsam den Hut aufsetzen“, meint er. Es gebe genügend Ideen. Dazu gehört, die verwaisten Schaufenster auszugestalten. Hier könnten Unternehmen ihre Produkte präsentieren oder es werde Kunst gezeigt. Es gehe um Aha-Effekte und Hingucker.

Gefragt seien aber auch Events, die über das Einkaufserlebnis hinausgehen. Stepputtis nennt als Beispiel die Radsporttage, die mit großem Kraftaufwand auch im Interesse der Stadt organisiert worden seien. Sport. „Was aber bei den Gästen in Erinnerung bleiben wird, sind die roten Zettel“, befürchtet Stepputtis. „So etwas schreckt Besucher, aber auch Händler ab“, meint der Kommunalpolitiker.

Deshalb könne es doch nicht, dass im Stadtordnungsdienst über das Ausstellen von 30 oder 40 Zettel gejubelt werde. Dabei seien viele Probleme seien hausgemacht. Der Parkplatz bei der Polizei sei ein Beispiel dafür. Hier gibt es gebührenfreie und kostenpflichtige Abstellmöglichkeiten. So tappen gerade Auswärtige in eine Knöllchenfalle. (mz)