Schadstoffe in Herder-Grundschule

Schadstoffe in Herder-Grundschule: Eltern fühlen sich im Stich gelassen

weissenfels/MZ - Eltern fühlen sich nach der jüngsten Versammlung am Dienstagabend im voll besetzten Speisesaal der Weißenfelser Herder-Grundschule weiterhin unzureichend informiert von Vertretern der Stadtverwaltung und des Gesundheitsamtes Burgenlandkreis. Während einer sehr emotionsgeladenen Debatte wird das deutlich. Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) und Amtsarzt Frank Fernau haben große Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Ständig werden beide durch Zwischenrufe aufgebrachter Mütter und Väter ...

Von Bärbel schmuck 23.05.2013, 09:30

Eltern fühlen sich nach der jüngsten Versammlung am Dienstagabend im voll besetzten Speisesaal der Weißenfelser Herder-Grundschule weiterhin unzureichend informiert von Vertretern der Stadtverwaltung und des Gesundheitsamtes Burgenlandkreis. Während einer sehr emotionsgeladenen Debatte wird das deutlich. Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) und Amtsarzt Frank Fernau haben große Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Ständig werden beide durch Zwischenrufe aufgebrachter Mütter und Väter unterbrochen.

„Die Sorgen um die Gesundheit unserer Kinder bleiben, man lässt uns hier ganz schön im Stich“, beklagt Katrin Lenkert und Susi Maihöfner stimmt ihr heftig zu. Beide Mütter sind sehr aufgeregt und verstehen nicht, warum Kinderärzte Bluttests bei ihren Sprösslingen bisher abgelehnt und an den Amtsarzt als Leiter des Gesundheitsamtes verwiesen haben. Amtsarzt Fernau hatte nach den Ergebnissen der Bluttests bei Lehrerinnen, die geringe Mengen Toluol und Xylol im Blut nachgewiesen hatten, von ähnlichen Untersuchungen bei den Kindern abgeraten.

„Dass uns Ärzte an den Amtsarzt verweisen, klingt nach Maulkorb, was soll das bedeuten, wir haben doch freie Arztwahl“, fragt Susi Maihöfner. Ihr achtjähriger Sohn besucht die von Schadstoffen belastete Herderschule und - nach deren Schließung ab heute die Grundschule in Tagewerben. Die 32-jährige Mutter hoffe nun, dass die Kopfschmerzen ihres Sohnes aufhören.

Dass er niedergelassenen Kinderärzten einen Maulkorb verordnet haben soll, weist Frank Fernau entschieden zurück. Kollegen aus dem Krankenhaus und in freier Niederlassung hätten ihn angerufen und um Aufklärung über die Situation an der Herderschule gebeten. „Die Ärzte treffen ihre Entscheidungen selbst, ob sie Bluttests bei Kindern für notwendig halten“, sagt der promovierte Mediziner. Fernau wiederholt, was er bereits versucht hat, vor den etwa 50 erschienenen Eltern am Dienstagabend deutlich zu machen. Er könne Blutuntersuchungen, wie sie bei Lehrerinnen durch das Landesschulamt veranlasst worden waren, bei Kindern nicht vertreten. Bei den im Blut der Lehrerinnen ermittelten Schadstoffen handele es sich um flüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe, die in wenigen Tagen über den Urin aus dem Körper ausgeschieden würden. Somit seien diese Stoffe im Blut nicht mehr nachweisbar, erläutert Fernau. Deshalb sei es sinnlos, Blut- beziehungsweise Urinuntersuchungen nach den gerade zu Ende gegangenen Pfingstferien vorzunehmen. Statt der Tests bietet der Amtsarzt Einzelgespräche für Eltern, die das wollen, an. Die erneute Informationsveranstaltung vor einem großen Elternkreis habe viel Unruhe gebracht, deshalb wolle Fernau separat mit Müttern und Vätern sprechen, ihnen die Angst nehmen und - deren Kinder, die über Kopfschmerzen, Übelkeit und Hautirritationen klagen, untersuchen.

Am 10. Juni soll mit der Sanierung in der Schule begonnen werden, kündigt Oberbürgermeister Risch an. Das Gros der Maßnahme passiere in den Sommerferien. Zum neuen Schuljahresstart könnten Schüler und Pädagogen wieder in „ihrer“ Schule sein, versichert Risch. Ab Donnerstag werden die Herderschüler in Tagewerben unterrichtet. Für Mario Sabottka klingt das beruhigend, wie der Vater eines Drittklässlers erklärt. „Wir nehmen die Stadt und das Gesundheitsamt beim Wort“, so Sabottka.