Hebammen weg - Babystation schließt

Hebammen weg - Babystation schließt: Ab Dezember keine Entbindungen mehr in der Klinik

Weißenfels - In Weißenfels sind bereits ab Dezember keine Entbindungen mehr möglich, weil die Hebammen gekündigt haben. Das betrifft noch weitere Arbeitsplätze.

Von Alexander Kempf 14.11.2017, 07:00

In einem Monat schließt die Asklepios-Klinik in Weißenfels ihre Geburtenstation. Zunächst nur vorläufig, wie es in einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt. Der Grund ist schon länger bekannt. Dem Krankenhaus fehlen Fachkräfte.

Seit im September sieben freiberufliche Beleghebammen ihre Verträge mit der Klinik gekündigt haben, steht diese gehörig unter Druck. „Da drei von ihnen ab Ende des Jahres nicht mehr für die Klinik zur Verfügung stehen, ist es nicht mehr möglich, den Dienstbetrieb aufrecht zu erhalten“, erklärt das Unternehmen nun offiziell.

Geplante Entbindungen sind in Weißenfels nur noch bis zum 15. Dezember

Geplante Entbindungen sind in Weißenfels nur noch bis zum 15. Dezember möglich. Danach sollen Schwangere in benachbarten Krankenhäusern entbinden.

„Die Geschäftsleitung hat das für die Klinik zuständige Ministerium über die bevorstehende, vorübergehende Schließung informiert und hat mit den anderen regionalen Anbietern, insbesondere den Kliniken in Naumburg und Zeitz, Kontakt aufgenommen“, teilt das Unternehmen mit. Diese hätten signalisiert, dass sie bereit seien, die zusätzlichen Geburten aufzunehmen.

Auswirkungen auf einige Pflegerinnen und Pfleger sowie Ärzte

Wie lange die Weißenfelser Klinik die Geburtenstation trotz der vorübergehenden Schließung vorhalten will, konnte Konzernsprecher Rune Hoffmann am Montagnachmittag noch nicht sagen. Doch sollte die Geburtshilfe und Neonatologie endgültig geschlossen werden, hätte das laut des Unternehmens Auswirkungen auf einige Pflegerinnen und Pfleger sowie Ärzte.

„Die Klinikleitung wird sich darum bemühen, für möglichst alle Mitarbeiter Stellen in anderen Bereichen der Klinik oder im Konzern zu finden“, heißt es dazu in der Pressemitteilung. Betroffen wären 13 Mitarbeiter.

Klinikleitung wollte Krankenschwestern zu Hebammen machen

Zuletzt hatte die Klinikleitung in Weißenfels versucht, zwei Krankenschwestern, die gelernte Hebammen sind, wieder für diesen Beruf zu gewinnen. „Das hat nicht geklappt. Sie können sich das nicht für sich vorstellen“, sagt Konzernsprecher Rune Hoffmann. Aber auch Zusagen dieser Frauen hätten nicht ausgereicht, um die Geburtenstation vor der vorübergehenden Schließung zu bewahren.

Die Klinik führt ihre Personalnot auf einen allgemeinen Trend zurück und verweist auf zu wenige Hebammen in Sachsen-Anhalt. „Bereits seit Jahren bemühen wir uns darum, zusätzliche Hebammen für den Standort zu gewinnen. Diese Anstrengungen haben wir nach Eingang der Kündigungen der Hebammen noch einmal erheblich ausgeweitet, aber leider ohne Erfolg.“, bedauert der Geschäftsführer der Weißenfelser Asklepios-Klinik, Christian Lorch.

Hebammen kündigen wegen Personalnot in der Vergangenheit

Die Weißenfelser Hebammen hatten ihre Kündigungen unter anderem mit der Personalnot in der Vergangenheit begründet. Die Klinikleitung hätten sie schon Monate zuvor auf die besondere Belastung hingewiesen. Mittlerweile haben die Frauen Verträge mit dem Krankenhaus in Merseburg abgeschlossen. Auch darum verbreitet der Geschäftsführer der Weißenfelser Klinik wenig Optimismus.

„Wir werden unsere Bemühungen um neue Hebammen auch in den nächsten Wochen weiter vorantreiben, um die temporäre Schließung der Geburtshilfe und Neonatologie möglichst zu verhindern“, sagt Christian Lorch zwar. Doch zugleich räumt er ein, dass die Zeichen für einen Erfolg „schlecht“ stehen. (mz)