Aus für Geburtenstation?

Aus für Geburtenstation?: Weißenfelser Hebammen heuern in Merseburg an

Weißenfels - Weißenfelser Hebammen haben mittlerweile Verträge in Merseburg. Damit steigt Druck auf Asklepios-Krankenhaus enorm. Geburtsstation droht das Aus.

Von Alexander Kempf und Undine Freyberg 10.10.2017, 08:04

Es ist ein Paukenschlag und könnte das Aus für die Weißenfelser Geburtenstation bedeuten. Wie die Weißenfelser Stadtverwaltung am Montag bestätigt, haben mittlerweile sechs Hebammen aus Weißenfels Verträge mit dem kommunalen Klinikum in Merseburg unterzeichnet. Dort sollen sie ab Anfang 2018 als fest angestellte Mitarbeiterinnen tätig sein.

Die Nachricht erhöht den Druck auf das Klinikum in Weißenfels enorm. Denn nun steht fest, dass der Konzern Asklepios bis Anfang nächsten Jahres neue Hebammen finden muss, wenn er die Geburtsstation in der Saalestadt erhalten will. Dort hat die Nachricht, dass die Weißenfelser Hebammen nun in Merseburg arbeiten wollen, am Montag für Überraschung gesorgt. Denn laut Pressesprecherin Madlen Redanz wollte sich die Klinikleitung erst am Donnerstag mit den Hebammen zusammensetzen.

Geburtsstation in Weißenfels vor dem Aus

Asklepios steht nun in Zeiten des bestehenden Fachkräftemangels in Weißenfels vor einer gewaltigen Herausforderung. „Unsere größte Hoffnung bestand bis heute darin, mit unseren bisherigen Hebammen eine Lösung zu finden, die für beide Seiten gangbar ist“, erklärt der Konzernbereichsleiter Unternehmenskommunikation Rune Hoffmann. Da sich das zerschlagen hat, steht die Geburtsstation vor dem Aus. „Sollten wir in den kommenden Wochen keine neuen Hebammen finden, sind wir gesetzlich verpflichtet, die Geburtshilfe einzustellen“, erklärt der Asklepios-Sprecher.

In Weißenfels könnten also ab dem kommenden Jahr keine Kinder mehr das Licht der Welt erblicken. „Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind die schwangeren Frauen in Weißenfels und in unserem Landkreis“, so Rune Hoffmann. Die Stadt weist indes in einer Stellungnahme daraufhin, dass die Hebammen im Gespräch mit Oberbürgermeister Robby Risch erklärt haben, dass sie ihrem Versorgungsauftrag in Weißenfels weiterhin nachkommen.

Schwangerschaftsvorsorge, Kursangebote und Nachbetreuung

Die Schwangerschaftsvorsorge, Kursangebote und Nachbetreuung im Wochenbett sollen demnach in der Saalestadt bestehen bleiben. „Die Angebote werden weiterhin über die Hebammenpraxen ,Kugelrund’ in Hohenmölsen und ,Eva’ in Weißenfels sichergestellt“, erklärt Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Auch die zusätzlichen Aufgaben als Familienhebammen würden die Frauen wahrnehmen. Hilfebedürftige Familien und Migranten können auf Antrag demnach weiterhin eine einjährige unterstützende Begleitung der Hebammen in Anspruch nehmen.

Während das Weißenfelser Klinikum durch die jüngste Entwicklung mit dem Rücken zur Wand steht, ist die Freude in Merseburg über die neu gewonnenen Fachkräfte groß. „Wir sind froh und glücklich, dass uns seitens der Hebammen das Vertrauen geschenkt wurde, künftig hier tätig werden zu wollen“, sagt Lutz Heimann, der Geschäftsführer des Carl-von-Basedow-Klinikums Merseburg.

Versorgungsauftrag im Süden Sachsen-Anhalts

Gemeinsam mit dem Klinikum des Burgenlandkreises könne man so auch künftig den Versorgungsauftrag im Süden Sachsen-Anhalts erfüllen und den werdenden Eltern zur Seite stehen. „Die aktuelle Entwicklung spricht für unser Haus, für unsere Personalpolitik und für unser Herangehen an die Fragen der Geburtshilfe.“

Insgesamt sind in Merseburg ab kommenden Jahr mehr als zehn Hebammen beschäftigt. Das Klinikum Burgenlandkreis mit Standorten in Naumburg und Zeitz stellte für die Weißenfelser Hebammen, die vor knapp zwei Wochen ihre Verträge mit dem Weißenfelser Klinikum gekündigt haben, keine Alternative dar, heißt es seitens der Weißenfelser Stadtverwaltung. Denn dort hätten sie das gleiche System mit Beleghebammen vorgefunden wie in Weißenfels. Die Hebammen hatten die Kündigung ihrer Verträge mit dem Asklepios-Klinikum zuvor mit einer fehlenden Festanstellung und der steigenden Arbeitsbelastung begründet. (mz)