Millionen-Streit beigelegt

Millionen-Streit beigelegt: Kleine Wallstraße soll aus Dornröschenschlaf erwachen

Köthen - Was sprichwörtlich lange währt, wird tatsächlich gut: Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild ist in diesen Tagen eine große Last von den Schultern gefallen. Der millionenschwere Rechtsstreit um das Quartier Kleine Wallstraße ist beigelegt. „Ich bin total ...

Von Sylke Hermann

Was sprichwörtlich lange währt, wird tatsächlich gut: Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild ist in diesen Tagen eine große Last von den Schultern gefallen. Der millionenschwere Rechtsstreit um das Quartier Kleine Wallstraße ist beigelegt. „Ich bin total erleichtert.“

Nun ist die Stadt – genau genommen deren Wohnungsgesellschaft als neue Eigentümerin der Tiefgarage sowie der Ladenlokale und Büroräume – am Zug, den Standort zu gestalten und zu entwickeln. Genau das habe man auch vor, kündigt David Rieck in einem Gespräch mit der MZ an. Doch über Details wolle er frühestens Anfang 2021 reden, erklärt der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Köthen mbH (WGK).

Seit mehr als zehn Jahren wehrt sich die Stadt vor Gericht gegen Mietzahlungen für die Tiefgarage in der Wallstraß

Seit mehr als zehn Jahren wehrt sich die Stadt vor Gericht gegen Mietzahlungen für die Tiefgarage in der Wallstraße. Nachdem der damalige Eigentümer in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, wurde eine städtische Bürgschaft von acht Millionen Euro fällig – „ohne, dass wir dafür eine Gegenleistung bekommen hätten“, erklärt Hauschild. Also habe man die Miete einbehalten, um das Geld, wie er formuliert, wieder reinzuholen.

In erster Instanz verliert die Stadt. 2014 dann scheint eine Einigung in greifbarer Nähe, als sich die Konfliktparteien auf einen Vergleich einigen. Damals hätte Köthen – getragen durch einen Beschluss des Stadtrates – 2,3 Millionen Euro gezahlt und die Sache wäre vom Tisch. „Aber es kam nie zur Realisierung des Vergleiches“, erinnert sich Hauschild, der 2017 beginnt, sich erneut mit der komplizierten Gemengelage auseinanderzusetzen.

Wie viel Geld die WGK letztlich für das städtebauliche Ensemble gezahlt hat, bleibt unter Verschluss

Damals schnürt man ein Paket und bringt die WGK als Eigentümerin des Areals ins Spiel. Aber: „Nur das, was sich wirtschaftlich darstellen lässt, ist eine Option für die WGK gewesen“, erklärt der Oberbürgermeister rückblickend. Wie viel Geld die WGK letztlich für das städtebauliche Ensemble gezahlt hat, bleibt unter Verschluss. Nur so viel: „Der Preis, der im Angebot gemacht wurde, wurde akzeptiert.“

Öffentlich macht Bernd Hauschild im Gespräch lediglich die halbe Million Euro plus Mehrwertsteuer, die die Stadt vor exakt einer Woche überwiesen hat. Damit ist für ihn der 16. November jener Tag, an dem der quälende Rechtsstreit tatsächlich beigelegt ist. Ein Disput, bei dem es am Ende inklusive aller Mietzahlungen um mehr als elf Millionen Euro gegangen wäre, die die Stadt schlimmstenfalls hätte berappen müssen. Doch darüber muss man sich im Rathaus nun keine Gedanken mehr machen.

Als Schwerpunkt sehen David Rieck und Bernd Hauschild die Nahversorgung mit Lebensmitteln in dem Quartier

„Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst“, kündigt WGK-Chef Rieck an und meint „die aktive Standortentwicklung“, die man nun gemeinsam mit der Stadt hier betreiben wolle. Die Wohnungsgesellschaft sei jetzt „rechtlich und wirtschaftlich zuständig“. Was nicht bedeute, dass man in den vergangenen Jahren untätig gewesen sei. „Wir haben Ideen, wir haben Pläne und auch schon Voraussetzungen geschaffen“, deutet er an.

Als Schwerpunkt sehen David Rieck und Bernd Hauschild die Nahversorgung mit Lebensmitteln in dem Quartier. An anderer Stelle besteht aktuell kein Handlungsbedarf: Bereits 2019 hat der Stadtrat beschlossen, dass die Verwaltung als Ankermieter in der Kleinen Wallstraße bleibt und damit ein Zugpferd für weitere Ansiedlungen.

„Wir wollen dieses Quartier aus dem Dornröschenschlaf wecken“

2021 soll auch das Archiv, das sich zurzeit im Steinernen Haus des Köthener Schlosses befindet und dort an seine Kapazitätsgrenze gerät, in die Innenstadtlage umziehen. Als neues Domizil ist das einstige „Kö-Plateau“ im Gespräch – eine Art Einkaufspassage über dem früher in der Kleinen Wallstraße ansässigen Bekleidungsgeschäft „Vögele“. Doch ob die Räume dort geeignet seien, müsse erst noch geklärt werden.

„Wir wollen dieses Quartier aus dem Dornröschenschlaf wecken“, kündigt David Rieck an. Und auch wenn seine Aussagen im Augenblick noch unkonkret bleiben, ist aus seiner Sicht eines deutlich absehbar: Die Chancen, dieses Projekt erfolgreich umzusetzen, seien größer als die Risiken. (mz)