Ex-Maritim als „Uni-Tempel“?

Studenten sollen ins Maritim-Hotel in Halle ziehen: Geheimverhandlungen liefen ohne die Stadt

Halle (Saale) - Die Zukunft des Maritim-Hotels am Riebeckplatz könnte im studentischen Wohnen liegen - diese Idee geistert seit Wochen durch Halle.

Von Dirk Skrzypczak

Die Zukunft des Maritim-Hotels am Riebeckplatz könnte im studentischen Wohnen liegen - diese Idee geistert seit Wochen durch Halle.

Der MZ liegen vertrauliche Unterlagen vor, die zeigen, wie ernst es dem Investor mit seinen Plänen ist. Auf mehreren Seiten wirbt die Bankimmobilien GmbH aus Halle für den „Uni-Tempel“ mit Apartments, Gästezimmern zur Tagesvermietung, Cafeteria und Trattoria, Studentenclub, Fitness- und Wellnessbereich.

Bankimmobilien GmbH präsentiert Pläne für Maritim in Halle

Laut Präsentation will das Unternehmen an der Tradition des Hauses festhalten und „zukünftigen Bewohnern und Gästen eine Heimat und ein Zuhause mit zahlreichen Alleinstellungsmerkmalen unter einem Dach“ anbieten.

Mit ihrem Grobkonzept stoßen die Immobilienentwickler auf offene Ohren bei der Besitzerin der einstigen Vier-Sterne-Herberge und beim Land Sachsen-Anhalt.

Maritim Halle: Vom Interhotel zur Flüchtlingsunterkunft

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 hatte das Land das Hotel von der Maritim Gesellschaft komplett gemietet, um es als Erstaufnahmeeinrichtung zu betreiben. Der Vertrag läuft bis September 2018, allerdings wird das Objekt schon seit 1. April dieses Jahres nicht mehr als Heim für Geflüchtete genutzt.

Die Kosten hat das Land dennoch an der Backe. 14 Millionen Euro sind bereits geflossen, 5,5 Millionen Euro werden in diesem Jahr fällig, weitere drei Millionen Euro dann in 2018. Verständlich, dass Innenminister Holger Stahlknecht und Finanzmister André Schröder (beide CDU) hinter den Kulissen alle Hebel in Bewegung setzen, um den finanziellen Schaden zu begrenzen.

Investor zahlt 12,6 Millionen Euro für Maritim in Halle

Wie die MZ erfuhr, haben die Bankimmobilien mit der Eigentümerin und dem Land einen unterschriftsreifen Vertrag ausgehandelt. Demnach soll der Investor 12,6 Millionen Euro für das Maritim zahlen, das Land übernimmt rund drei Millionen Euro dieser Summe.

Während die Bankimmobilien auf die schriftliche Anfrage der MZ nicht reagierten, kamen aus dem Innenministerium nur zwei dünne Sätze, die so auch in der Vergangenheit beim Thema Maritim zu hören waren: „Es gibt Gespräche zu einer vorzeitigen Vertragsaufhebung. Zu laufenden Verhandlungen erfolgt keine öffentliche Kommentierung.“

Konkrete Pläne für Umbau des Maritim in Halle

Die Pläne des Investors sehen unter anderem 175 Micro-Studentenapartments mit je 16 Quadratmetern Wohnfläche sowie 75 „Micro-Plus“ Zimmer vor, die es je auf 24 Quadratmeter bringen. Außerdem soll es 50 Gästezimmer geben. Die mit Stahlträgern durchzogenen Wände sind indes das Problem des Maritims.

Einreißen und größere Wohnbereiche schaffen, ist technisch nur mit einem hohen Aufwand möglich - wenn es aus statischen Gründen überhaupt funktioniert.

Die Bilder und Animationen zeigen zudem eine neue Lobby, auch das Schwimmbad soll moderner werden - interessanterweise dient als Beispiel dafür ein Foto des Innenpools von einem Hotel am Bodensee, das aus dem Internet gezogen wurde.

Maritim Halle: Stadt Halle prüft Vorkaufsrecht

Pikant ist die Tatsache, dass die Stadt Halle über die Verhandlungen wohl informiert war, allerdings bei den Gesprächen nicht mit am Tisch saß. Halle hat ein Vorkaufsrecht. „Die Stadt prüft, ob sie davon Gebrauch macht“, erklärt Stadtsprecher Drago Bock.

Die Stadt strebe am Standort weiterhin ein Hotel- und Kongresszentrum an. Das Maritim spielt in den strategischen Planungen im Ratshof eine tragende Rolle. So betont Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) immer wieder, wie wichtig der Riebeckplatz ist. (mz)

Hier finden Sie alle Informationen und Entwicklungen zum ehemaligen Maritim-Hotel in Halle.