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Studentenheim in Halle-Neustadt? Halle-Neustadt: Wird die Scheibe E ein Studententower?

Von Dirk Skrzypczak 30.01.2018, 06:00
Das Verkaufsbanner ist noch ein Relikt von 2015. Die Scheibe E hat einen Besitzer.
Das Verkaufsbanner ist noch ein Relikt von 2015. Die Scheibe E hat einen Besitzer. Dirk Skrzypczak

Halle (Saale) - Das große Banner an der Ostseite der Scheibe E führt seit zwei Jahren in die Irre. „Uns gehört das Objekt schon lange nicht mehr“, meint der Alteigentümer und will auch sonst nichts zu der Immobilie sagen. Besitzerin ist seit 2015 die Neustädter Passage 2 Grundbesitzgesellschaft mbH mit Sitz in Berlin.

Seit dem 4. Januar dieses Jahres ist Rainer Groß laut dem Online-Portal „North Data“ Geschäftsführer der Firma. Er übernimmt die Leitung nun auch offiziell von seiner Frau Hermine. Die Pläne für die Scheibe E haben sich freilich nicht geändert. Groß will in dem Hochhaus zum „Studententower“ entwickeln. „Hinsichtlich unserer Planung gehen wir davon aus, dass wir bis Mitte Februar bei der Stadt den dafür notwendigen Bauantrag einreichen“, sagt Groß der MZ.

Studentenheim in Halle-Neustadt?: Große Skepsis bei den Plänen für Scheibe E   

Derzeit sei man beschäftigt, die bautechnischen Hinweise, die man Ende 2017 vom Bauamt erhalten habe, „in unsere Planungen einzuarbeiten“. Erst nach der Erteilung des Baugenehmigung sei er in der Lage, erste Hinweise hinsichtlich der Nutzung sowie zu den Baukosten zu geben. Vor einem Jahr war von rund zehn Millionen Euro die Rede, die man für eine Sanierung einplanen müsse.

Allerdings werden die Aktivitäten von Groß und seiner Firma in der Neustadt auch mit einem gesunden Misstrauen verfolgt. So war die Scheibe E im März 2017 plötzlich im Internet zum Verkauf angeboten worden. 3,25 Millionen Euro wurden laut der Annonce auf „Immowelt.de“ gefordert. Groß will von den Verkaufsaktivitäten nichts gewusst haben. „Wir haben niemanden den Auftrag erteilt, das Gebäude zu veräußern“, erklärte er damals gegenüber der MZ. Tatsächlich suche man einen Generalauftragnehmer, der die Sanierung der Scheibe E komplett übernimmt.

Braucht Halle überhaupt noch ein Wohnheim für Hunderte Studenten?

Ohnehin stellt sich noch eine andere Frage: Braucht Halle überhaupt noch ein Wohnheim für Hunderte Studenten? Zumal auch die Bankimmobilen Vertriebsgesellschaft mit einer Studenten-City liebäugelt und dafür das ehemalige Maritim-Hotel kaufen möchte.

Nach einem Beschluss des Stadtrats hat Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) noch bis Ende Juli Zeit, einen Investor für einen Hotel- und Kongressstandort zu finden, der sich auf dem Maritim-Gelände engagieren würde. Deshalb liegt die Studenten-City vorerst auf Eis. 

„Aus unserer Sicht gibt es in Halle keinen Mangel an Wohnraum für Studenten. Zu jeder Jahreszeit ist immer etwas zu finden“, meint Thomas Faust, Sprecher des Studentenwerks in Halle. Das Studentenwerk selbst hat 1.800 Wohnungen in seinem Bestand. Außerdem arbeiten verschiedene Wohnungsanbieter im Online-Netzwerk „in-halle-zuhause.de“ zusammen. Dort waren am Montag bei einer Stichprobe der MZ 89 freie Angebote gelistet. In Halle studieren 20.000 junge Menschen, sie sind natürlich eine attraktive Zielgruppe auch für den Wohnungsmarkt.

Rainer Groß beteuert indes, dass er es ernst meine mit der Scheibe E. „Unsere Gesellschaft ist entgegen vorhergehender Meldungen weder in Gründung noch ist sie verschuldet“. Und auch ein Verkauf der Scheibe E sei nicht geplant. (mz)