Investor für Ex-Maritim zum „Uni-Tempel“

Studenten sollen ins Maritim-Hotel in Halle ziehen: Geheimverhandlungen liefen ohne die Stadt

Halle (Saale) - Die MZ spricht mit dem Investor über seine Pläne für das einstige Vier-Sterne-Hotel. Was das Studentenwerk zu dem Millionenprojekt sagt.

Von Dirk Skrzypczak 16.08.2017, 04:00

Vom Maritim am Riebeckplatz bis zum ehemaligen Bundesbankgebäude am Waisenhausring sind es nur wenige Gehminuten. Seit 2007 gehört  der Bankimmobilien Vertriebsgesellschaft GmbH das Gebäude in Nachbarschaft der  Hochstraße. Von hier aus plant das Unternehmen seine Geschäfte. Und das neuste Projekt ist auch gleich das aufsehenerregendste.

Die Bankimmobilien wollen das einstige Vier-Sterne-Hotel für 12,6 Millionen Euro kaufen und dort Sachsen-Anhalts modernstes Studentenwohnheim einrichten. Die internen Unterlagen  zu dem Vorhaben, aus denen die MZ in der Dienstagsausgabe zitierte, will Geschäftsführer Gunnar Schlicht nicht kommentieren. „Wir haben mit allen Beteiligten besprochen, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern“, sagt er der MZ.

Hotel Maritim wird seit März 2017 nicht mehr genutzt

In der Öffentlichkeit wie in der politischen Landschaft sorgt der Fall dennoch für Aufregung. Nach MZ-Informationen haben sich die Bankimmobilien mit dem Betreiber, der Maritim-Gesellschaft, der privaten Besitzerin des Hotels sowie der Landesregierung  auf einen Kaufvertrag verständigt - Sachsen-Anhalt hat das Objekt bis September 2018 als Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete gemietet, seit März 2017 wird es aber nicht mehr genutzt.

„Das Thema kochte ja schon im Juli hoch. Dass die Verhandlungen schon soweit sind, überrascht uns schon“, sagt Thomas Faust, Sprecher des Studentenwerks in Halle, das selbst über 1 800 Wohnheimplätze für Studenten verfügt. Und Faust ist sich sicher: „In Halle gibt es keinen zusätzlichen Bedarf an Wohnraum für Studenten.“

Student in Halle zahlt bislang durchschnittlich 210 Euro im Monat

Für das Internetportal „in-halle-zuhause.de“ hat sich das Studentenwerk mit sechs anderen Wohnungsanbietern der Stadt zusammengeschlossen, darunter sind auch die großen Wohnungsunternehmen. Sie bieten Apartments in nahezu allen Stadtteilen an. „Da ist für jeden Geldbeutel etwas dabei“, erklärt Faust.

Im Durchschnitt zahle ein Student in Halle 210 Euro im Monat. Damit seien alle Nebenkosten abgedeckt, der Kabelanschluss für das Fernsehen und fast überall der freie Internetzugang über das Uni-Netzwerk inklusive. „Wir sind gespannt, was  Bewohner im Maritim zahlen müssen.“

Zweifel am Erfolg der Bankimmobilien-Mission im Maritim Halle

Andere Immobilienprofis haben deshalb auch Zweifel am Erfolg der Bankimmobilien-Mission im Maritim. 250 Apartments mit 16 und 24 Quadratmetern Größe sowie 50 Gästezimmer will der Investor schaffen, dazu einen Studentenclub, Fitness-Bereich, Wasch- und Trockenräume, eine Cafeteria und und und. Unklar ist derweil, ob die Brandschutzbestimmungen diese Nutzung hergeben und wo Studenten etwa eine Möglichkeit zum Kochen bekommen. Das Maritim ist vom Raumkonzept eben ein Hotel und kein Studentenwohnheim.

Geschäftsführer Schlicht bleibt gelassen. „Wir sind bekannt dafür, dass wir bei unseren Projekten auch unorthodoxe Wege gehen. Zumal wir  schon ähnliche Ideen an anderen Orten umgesetzt haben.“ Und  kein Partner, mit dem die Bankimmobilien bislang zusammengearbeitet haben, käme auf die Idee, „uns für wahnsinnig zu halten“. (mz)

Hier finden Sie alle Informationen und Entwicklungen zum ehemaligen Maritim-Hotel in Halle.