Vier Jahre nach Stillinge-Mord

Vier Jahre nach Stillinge-Mord in Dessau: Liefert „Kripo live“ neue Hinweise zum Tod von René A.?

Dessau - Vor vier Jahren wurde René A. hingerichtet. „Kripo live“ berichtet erneut über den bislang ungeklärten Fall.

Von Heidi Thiemann 28.12.2019, 14:00

Vier Jahre ist es her, dass der 29-jährige René A. einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. Der Mordfall an den Dessauer Stillingen ist noch immer ungelöst. „Polizei und Staatsanwaltschaft geben nicht auf und sind weiter auf Zeugensuche“, sagt Polizeisprecher Ralf Moritz.

Hoffnung wird nun auf Sonntag, den 29. Dezember, gesetzt, wenn um 19.50 Uhr der MDR erneut über den Fall in der Sendung „Kripo live“ berichten wird. Gibt es danach ein weiteres Puzzleteil, einen wichtigen Hinweis zur Klärung des Verbrechens?

Entscheidende Hinweise waren bislang ausgeblieben. Trotz intensiver Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Trotz Fernsehsendungen wie „Kripo live“ im August 2016 und „Aktenzeichen XY... ungelöst“ im ZDF im Februar 2017. Es half auch nicht, dass die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost zur Klärung des Falls 10.000 Euro ausgelobt hatte. Der Fall bleibt weiter mysteriös.

Staatsanwaltschaft bescheinigt der Tat einen „Hinrichtungscharakter“

Am 22. Dezember 2015 war das Opfer René A. am frühen Morgen in Goltewitz, einem Ortsteil von Oranienbaum, losgefahren. Vier Tage später, am zweiten Weihnachtsfeiertag, wurde seine Leiche zwischen den Gleisen der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn und dem Freibad Stillinge entdeckt. Bereits am Tag seines Verschwindens war ein ausgebrannter schwarzer Ford Focus im Hinteren Tiergarten gefunden worden. Später stellte sich heraus, dass es das Fahrzeug des Opfers ist. Mit „hoher Wahrscheinlichkeit“, sagt Polizeisprecher Moritz, ist René A. „bereits am 22. Dezember 2015 getötet“ worden.

Gerüchte, dass der Fall mit dem Drogenmilieu zu tun habe, dass der 29-Jährige erschossen und angezündet worden sei, wollte die Polizei anfangs nicht bestätigen. Monate später jedoch hatte die Staatsanwaltschaft selbst der Tat einen „Hinrichtungscharakter“ bescheinigt. Sowohl das Fahrzeug im Tiergarten als auch die Matratze am Fundort der Leiche waren mit Brandbeschleuniger in Brand gesetzt worden.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 29-Jährige ins holländische Enschede fahren wollte, um Drogen zu kaufen. Er hatte eine größere Menge Bargeld bei sich - die ist verschwunden. In der ZDF-Sendung war angedeutet worden, dass A. anderen Drogenhändlern in die Quere gekommen sein könnte. Wurde er gezielt ausspioniert und an dem Tag abgepasst? Hatte er Angst gehabt? Wurde er bedroht? All das sind ungeklärte Fragen. Wie auch zehn Fragen, die die Polizei bereits im August 2016 im Zusammenhang mit einem Zeugenaufruf zum Tötungsdelikt stellte.

Und die hatten auch zu tun mit den Fotos eines Spaziergängers. Dieser hatte am 22. Dezember an den Stillingen eine Matratze, eine Metallspüle und Verpackungsmüll entdeckt. Weil er sich über die vermüllte Landschaft ärgerte, fotografierte er alles. Die Polizei sprach von einem „Glücksfall“, doch die Fotos halfen bislang nicht weiter. Tage später war die Spüle verschwunden. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Mord? Oder hat ein Buntmetallsammler die Spüle mitgenommen? Unklar ist auch, was es mit einer E-Shisha und mit Gemüsescheiben auf sich hat, die ebenfalls dort lagen.

„Staatsanwaltschaft und Polizei wollen das Verbrechen aufklären“

Gibt es nach der Sendung „Kripo live“ am Sonntag Antworten? Meldet sich möglicherweise derjenige, der 2015 den Müll entsorgte und eine Ordnungswidrigkeit begangen hatte, die mittlerweile verjährt ist? Hatte derjenige vielleicht eine Beobachtung gemacht, die Licht ins Dunkel bringen könnte?

Viele Fragen gibt es auch rund um den schwarzen Ford Focus mit dem Kennzeichen WB-RG 2011, der am 22. Dezember 2015 auf dem Dach liegend und völlig ausgebrannt gefunden wurde. Wo war das Auto zuvor gesehen worden? Wer hat am Tatabend im Bereich des Tiergartens, der Ludwigshafener Straße (Tannheger-Brücke) beziehungsweise der Einfahrt in den Tiergarten an der B185 eine oder mehrere Personen gesehen, die durch stark verschmutztes Schuhwerk aufgefallen sein könnten? Welche Personen- und Fahrzeugbewegungen sind am 22. Dezember an den Stillingen und im Hinteren Tiergarten festgestellt worden? Wer kann Angaben zum Brandbeschleuniger machen?

Vier Jahre sind eine lange Zeit, aber Mord verjährt nicht, sagt Moritz und betont: „Staatsanwaltschaft und Polizei wollen das Verbrechen aufklären.“ (mz)