Aktenzeichen XY

Aktenzeichen XY: Neue Hinweise zum Stillinge-Mord in Dessau?

Dessau - Im Mordfall von den Dessauer Stillingen prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft nach der ZDF-Sendungen „Aktenzeichen XY“ alle eingegangenen Hinweise. In der Sendung selbst war von einem Anrufer gesprochen worden, der an einer Tankstelle in Dessau in den letzten Tagen eine, laut Aktenzeichen-Experten, „interessante Beobachtung“ gemacht haben will. Fakt ist: An der Einfahrt zu den Stillingen liegen gleich zwei ...

09.02.2017, 08:37

Im Mordfall von den Dessauer Stillingen prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft nach der ZDF-Sendungen „Aktenzeichen XY“ alle eingegangenen Hinweise. In der Sendung selbst war von einem Anrufer gesprochen worden, der an einer Tankstelle in Dessau in den letzten Tagen eine, laut Aktenzeichen-Experten, „interessante Beobachtung“ gemacht haben will. Fakt ist: An der Einfahrt zu den Stillingen liegen gleich zwei Tankstellen.

Mord wird mit Profischauspielern nachgestellt

Das ZDF hatte den Mord an dem Goltewitzer Renè A. am Mittwoch aufwändig dargestellt: Mit Profischauspielern wurden die Tage vor dem 22. Dezember 2015 in einem langen Einspielfilm dargestellt. Dabei fielen drei Dinge auf: Erstmalig wurde offiziell bestätigt, dass René A. im großen Stil mit Drogen handelte.

Der 29-Jährige soll dafür in regelmäßigen Abständen in das holländische Enschede gefahren sein. Eine solche Tour war auch am 22. Dezember 2015 geplant. Dort aber kam A. nie an. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde seine Leiche an den Stillingen gefunden. Hingerichtet und angezündet.

Die Staatsanwaltschaft Dessau hatte der Tat im August vergangenen Jahres - bei einem neuen Zeugenaufruf - erstmalig „Hinrichtungscharakter“ bescheinigt. Davon war am Mittwoch nicht die Rede.

Wusste die Lebensgefährtin von den Drogentouren?

Dafür wurde die ehemaligen Lebensgefährtin von René A. erstmalig als Mitwisserin der Drogentouren dargestellt. Und: In dem ZDF-Film wurde erwähnt, dass die Leiche von René A. schon am Morgen des 22. Dezember an den Stillingen gelegen hat. Bislang konnte man davon ausgehen, dass A. nach dem Verlassen seines Hauses im Oranienbaumer Stadtteil Goltewitz gegen 4.30 Uhr zu einer Drogentour aufgebrochen war - und möglicherweise bei der Rückkehr etwas schief gelaufen ist. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten das stets offen gelassen.

Wenn A. aber gar nicht weit kam, bleibt die Frage, warum der junge Familienvater nach Dessau gefahren ist - oder ob er abgepasst und dorthin gefahren wurde. Eine größere Geldsumme - offensichtlich für die Drogen - ist seither jedenfalls verschwunden. Wolffersdorff nannte es das „bestimmende Motiv“ der Tat.

In der Sendung selbst war der ermittelnde Dessauer Staatsanwalt Gunnar von Wolffersdorff zu Gast. In der Sendung wurde angedeutet, dass A. möglicherweise anderen Drogenhändlern in die Quere gekommen sein könnte. Gezielt wurde gefragt, ob es Streit gegeben habe, ob A. Angst gehabt hatte oder bedroht wurde und ob die Lebensgewohnheiten des 29-Jährigen ausspioniert wurden. Das lässt die Möglichkeit offen, dass A. am 22. Dezember gezielt abgepasst wurde.

Belohnung von 10.000 Euro gilt weiter

Wolffersdorff erneuerte den Hinweis auf die Belohnung von 10 000 Euro - und erklärte, dass der Finder einer Metallspüle nichts zu befürchten habe. Es gibt Fotos vom 22. Dezember, wo auf der Matratze, unter der der ermordete A. offensichtlich gelegen hatte, eine Metallspüle liegt. Am 26. Dezember, als die Leiche von Spaziergängern gefunden wurde, fehlte diese.

Seltsam bleiben die Tatumstände auch nach der Schilderung des Falls bei „Aktenzeichen XY“. Fragen zur möglichen Tatwaffe - Marke, Kaliber - wurden zum Beispiel gar nicht gestellt.

(mz)