Nach Messerstecherei am Rathaus-Center

Messerstecherei am Rathaus-Center Dessau: Polizei sagt: „Das war für beide Seiten vermeidbar“

Dessau - Nach der Messerstecherei vor eineinhalb Wochen vor dem Dessauer Rathaus-Center dauern die Ermittlungen an. „Es werden abweichende Handlungsabläufe geschildert. Diese werden überprüft“, sagte Polizeisprecher Maik Strömer auf MZ-Anfrage. Klar sei bislang nur, dass eine körperliche Auseinandersetzung für beide Seiten vermeidbar gewesen sei. „Beide wollten diese, ...

Nach der Messerstecherei vor eineinhalb Wochen vor dem Dessauer Rathaus-Center dauern die Ermittlungen an. „Es werden abweichende Handlungsabläufe geschildert. Diese werden überprüft“, sagte Polizeisprecher Maik Strömer auf MZ-Anfrage. Klar sei bislang nur, dass eine körperliche Auseinandersetzung für beide Seiten vermeidbar gewesen sei. „Beide wollten diese, draußen.“

Die Auseinandersetzung hatte am Sonnabend, 18. März, im Rathaus-Center begonnen. Zwei Familien fühlten sich dort durch Blicke zweier Syrer belästigt. Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung, die später vor dem Rathaus-Center eskalierte. Zwei 35 Jahre alte Männer wurden durch Messerstiche in den Oberschenkel verletzt und mussten im Krankenhaus ambulant verhandelt werden.

Syrer geben an, sich bloß verteidigt zu haben

Bei der Auseinandersetzung wurden auch die 17 und 23 Jahre alten Syrer verletzt. Der Jüngere hatte nach dem Streit einen gebrochenen Arm. Der Ältere erlitt durch Schläge eine Gehirnerschütterung. Die Polizei hatte das in ihrer Pressemitteilung nicht erwähnt. Auf MZ-Nachfrage wurde das mit der Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht begründet. Warum diese nicht für die beiden 35-jährigen Deutschen galt, das blieb offen.

Gegenüber der MZ haben die Syrer erklärt, sich verteidigt zu haben. Die Messerstiche seien nach dem Angriff erfolgt. Die Polizei ließ das unkommentiert. „Ich bitte um Verständnis, dass wir uns zum genauen Geschehensablauf nicht äußern können“, sagte Strömer.

Betäubungsmittel wurden in verdächtiger Wohnung festgestellt

Es werde noch weitere Vernehmungen zur Aufhellung des Sachverhaltes geben. Geprüft wird auch der Fund von Betäubungsmitteln in der Wohnung, in der das Messer entdeckt wurde. Die Syrer bestritten, dort Mieter zu sein, beide waren dort aber vorläufig festgenommen worden. Das Ermittlungsverfahren wegen der Drogen soll nach MZ-Informationen gegen den Mieter und die beiden Syrer laufen.

Die Polizei bestätigte der MZ zudem, dass es bei dem 17-jährigen Syrer in der Vergangenheit Anzeichen auf mögliche Radikalisierungstendenzen gegeben hatte. „Verdachtsmomente einer religiös motivierten Radikalisierung haben sich nicht bestätigt“, sagte Strömer nach Abstimmung mit dem Landeskriminalamt, das an der Überprüfung dieser Hinweise beteiligt war. Der 17-Jährige hatte während der Auseinandersetzung am Rathaus-Center „Allahu Akbar“ gerufen. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand“, so Strömer, „diente der Ausruf zur Einschüchterung der körperlich überlegenen Beteiligten in der Auseinandersetzung.“

Neu-rechte Initiative zeichnete blutige Leichen-Umrisse am Boden

Teile der Auseinandersetzung waren auf einem 26-Sekunden-Video zu sehen, das nach der Tat auf der Facebook-Seite der neu-rechten Initiative „Der Schild“ veröffentlicht wurde.

„Der Schild“ war am Sonnabend erneut am Center: Es wurden zwei blutige Leichen-Umrisse auf den Boden gezeichnet und ein Teil des Platzes der Deutschen Einheit symbolisch abgesperrt. Die Polizei war vor Ort. Ermittlungen wurden nicht eingeleitet. (mz/sb)