Vor Heimspiel gegen Vechta Vor Heimspiel gegen Vechta: Der MBC hat ein Spielmacher-Problem

Weißenfels - Es ist ein Problem, das in der vergangenen Saison unvorstellbar war beim Mitteldeutschen Basketball Club (MBC). Da lag der Spielaufbau fest in der Hand von Marcus Hatten, dem „besten Aufbauspieler in der Geschichte des Clubs“, so adelte Manager Martin Geissler den 37-Jährigen zum Abschied.
Denn Hatten trat zurück. Der Bundesligist aus Weißenfels musste sich neues Personal auf der Spielmacher-Position suchen – und bemängelt nun: „Unser Spiel war zuletzt einfach zu statisch, es gab keine Ballbewegung, keinen Rhythmus“, so Geissler. „Das muss sich ändern. Das ist eine ernstzunehmende Situation.“
MBC: Trevor Releford steht alleine da
Bereits am vierten Spieltag steht der MBC mächtig unter Druck. Am Sonnabend gastiert ab 18 Uhr der Aufsteiger aus Vechta in der Stadthalle. Beide Teams haben ihre drei Saisonpartien bislang verloren. Die direkten Duelle werden am Saisonende zu großen Teilen entscheidend sein. Martin Geissler sagt: „Wenn nicht jeder begreift, worum es gegen Vechta für uns geht, wird es für den Rest der Saison ganz schwierig.“
Im Fokus der Kritik stehen die Aufbauspieler des MBC. Wobei: Im Grunde gibt es nur einen einzigen echten Spielmacher im Kader. Der heißt Trevor Releford, ist 26 Jahre alt und trat im Sommer das schwere Erbe von Marcus Hatten an. Der Ex-Wolf verteilte in der vergangenen Spielzeit stolze 4,7 Vorlagen pro Partie, bei seinem Landsmann Releford schlagen bislang vier Vorlagen im Schnitt zu Buche. Statistisch gesehen überzeugt der Zugang somit, schließlich gesellen sich noch zwölf Zähler pro Begegnung hinzu.
Martin Geißler nimmt die MBC-Profis in die Pflicht
Doch: „Trevor ist unser Aufbauspieler. Seine Aufgabe ist es, das Spiel in der Hand zu haben und zu lenken“, sagt Geissler. „Wir hatten zuletzt keinen Spielfluss. Das ist eine Kritik, die auch an ihn zu richten ist.“ Bei der 64:81-Pleite am vergangenen Sonnabend in Jena erzielte Releford 14 Punkte. Nur Lee Moore traf für den MBC mit 18 Zählern noch besser.
Doch waren das die einzigen Akteure, die zweistellig punkteten. „Nur mit ein, zwei Scorern ist keine Mannschaft in der Bundesliga erfolgreich“, sagt Geissler. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir beim MBC immer dann Erfolg haben, wenn wir eine geschlossene Mannschaftsleistung zeigen.“
Der MBC-Manager wünscht sich mehr Leistung in dieser Hinsicht beispielsweise von David Brembly, Adika Peter-McNeilly oder Hans Brase. Aber: „Sie müssen auch erstmal in die Situationen kommen, in denen sie der Mannschaft helfen können.“ Soll heißen: Die Aufbauspieler müssten das Spiel so organisieren, dass im Verlauf einer Partie Abschlüsse für alle abfallen. „Hans Brase hat gegen Jena zum Beispiel keinen einzigen Wurf bekommen.“ Obwohl er 20 Minuten lang auf dem Parkett stand. „Der Ball ist bei uns zu oft in der Hand von einzelnen Spielern“, bemängelt Geissler. Heißt also auch: Das Zusammenspiel fehlt.
Verpflichtet der MBC nach?
Nun handelt es sich nicht um Einzelkritik an Trevor Releford. Denn: Er steht auch allein da. Geissler übt Selbstkritik: „Er ist der Einzige, der den Ball sicher nach vorne bringen kann, der einzige richtige Aufbauspieler, die anderen sind dazu nicht in der Lage. Es gibt dadurch auch zu wenig Konkurrenzkampf auf der Position. Vielleicht haben wir das bei der Kaderzusammenstellung unterschätzt.“ Und nun? Wird nachverpflichtet? „Wir müssen uns nach diesem Saisonstart natürlich Gedanken machen, wo es fehlt“, sagt der Manager. „Wenn wir weiter so Basketball spielen, sind Veränderungen möglich.“
Doch noch ist die Zeit dazu nicht gekommen. Gegen Jena wurde der lange verletzte Centerspieler Aleksandar Marelja noch geschont, damit er gegen Vechta wieder einsatzbereit ist. Der MBC wird wohl erstmals in dieser Saison mit dem gesamten Aufgebot antreten können.
Und Geissler hat auch ein gewisses Verständnis dafür, dass sich die neu zusammengestellte Mannschaft erst noch finden muss. „Das Team hat noch etwas Zeit und Vertrauen verdient“, sagt er, stellt aber auch klar: „Die Spieler müssen begreifen, was es heißt, ein Wolf zu sein und wie Wölfe zu spielen. Sie müssen jetzt gegen Vechta eine Reaktion zeigen.“ Und einen Sieg einfahren. Unbedingt. (mz)