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Sportlerwahl 2019 Sportlerwahl 2019: Schlagkräftiges Duo räumt ab

Von Detlef Liedmann 19.01.2021, 11:24
Lisa Köchig (vorn) ist Sportlerin des Jahres im Harzkreis geworden.
Lisa Köchig (vorn) ist Sportlerin des Jahres im Harzkreis geworden. Löwe

Ballenstedt - Die Karateka des Yamakawa Karate-Do Ballenstedt gehörten bei der Sportlerwahl 2019 im Harzkreis zu den großen Abräumern. Ja, 2019. Denn nachdem die erste Ehrungsveranstaltung im März wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, fiel auch der Nachholtermin Ende Oktober 2020 ins Wasser. Erst danach wurden Namen bekanntgegeben.

Liste der Erfolge ist lang

Unter den Gewinnern ist Lisa Köchig, wie Adrian Jahnsmüller aus der Schule von Trainer Alexander Löwe. Die 13-Jährige wurde von einer Jury als Sportlerin des Jahres im Nachwuchsbereich der so genannten nichtolympischen Disziplinen gekürt.

Der zwei Jahre jüngere Gernröder Adrian Jahnsmüller schaffte es bei den Jungen auf Platz zwei. Was beide eint, ist die Liste ihrer Erfolge. Und die Ausführung ihres Sports. Sie haben sich der Übungsform Kata verschrieben, welche aus stilisierten Kämpfen besteht und deren Ablauf genau festgelegt ist.

„Es ist wie eine Choreografie, die man vorträgt und die dann von Kampfrichtern mit Punkten bewertet wird“, so Lisa Köchig, die vor fünf Jahren in ihrem Heimatort Hötensleben mit Karate begonnen hat und dann zu Alexander Löwe, der auch Landestrainer ist, nach Ballenstedt wechselte. Was sie und Adrian Jahnsmüller laut Löwe auszeichnet: „Beide sind sehr zielstrebig.“

„Denn den Rückstand könnten wir nach Ende des Lockdowns nicht wieder aufholen“

Das merke man auch jetzt in Zeiten coronabedingter Einschränkungen. Sowohl Lisa Köchig als auch Adrian Jahnsmüller dürfen mit Löwe Einzeltraining machen. Die 13-Jährige ist Mitglied im Bundeskader des Deutschen Karateverbandes, der Gernröder steht im Landeskader. „Das lassen die Verordnungen zu und wir müssen auch trainieren. Denn den Rückstand könnten wir nach Ende des Lockdowns nicht wieder aufholen“, so Löwe dazu.

Immerhin haben es seine beiden Schützlinge in der Stilart Shito-Ryu bereits zu Deutschen Meistern ihrer Altersklasse gebracht, wobei ihre Entscheidung für den Karatesport aus unterschiedlichen Gründen gefallen ist.

„Ich habe alles Mögliche ausprobiert, und Karate hat mir am meisten gefallen“, sagt Achtklässlerin Lisa Köchig, die später einmal Erzieherin werden möchte. Schon jetzt bringt sie sich laut Löwe ins Kindertraining des Vereins ein. Adrian Jahnsmüller, so erzählt er es selbst, habe als Kind wenig Selbstvertrauen gehabt. „Die anderen haben mich immer geärgert.“

„Wir sind so stolz auf Adrian und unterstützen ihn in jeder Hinsicht“

Mit fünf hat er angefangen zu trainieren. Seitdem ist alles anders. Und auch, wenn beim Kata im Gegensatz zum Kumite kein Körperkontakt besteht, wüssten sich beide im Falle eines Angriffs erfolgreich zu wehren. „Wir sind so stolz auf Adrian und unterstützen ihn in jeder Hinsicht“, sagt dann auch Mutter Isabel Jahnsmüller. Gerade baut der Filius, er besucht eine fünfte Klasse am Quedlinburger GutsMuths-Gymnasium, mit seinem Großvater die Modelleisenbahn wieder auf, sägt, klebt und lötet.

Später einmal, das weiß er schon, möchte er im Autohaus seines Vaters mitarbeiten. Und an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Da hat ihm Lisa Köchig als Mitglied der Nationalmannschaft schon einige Erfahrung voraus.

Karate hilft, die schulischen Leistungen zu verbessern

Neben Karate reitet das Mädchen gern, macht in der Schule am liebsten Mathe und Kunst („weil die Lehrer nett sind“). Adrian Jahnsmüller hat in seinem ersten Jahr am Gymnasium das Fach Deutsch für sich neu entdeckt. „Die Herausforderung ist einfach größer.“ Und, davon ist er überzeugt, Karate hilft, die schulischen Leistungen zu verbessern: „Ich muss ja beim Kata die Bewegungen und ihre Reihenfolge lernen und sie dann im Wettkampf zeigen. Das ist in der Schule nicht viel anders“, so der Elfjährige, der gern auch mal Fußball oder Basketball spielt und sich zu Hause auch um die Katze und den Wellensittich kümmert.

Trainer Löwe hofft, dass der Lockdown auch künftig für die zwei Deutschen Meister Möglichkeiten für Einzeltraining bietet.

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Wurzeln in Okinawa

Karate ist Japanisch und heißt leere Hand. Die Geschichte der Kampfkunst lässt sich bis ins Okinawa des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen, wo einheimische okinawanische Traditionen mit chinesischen Einflüssen verschmolzen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand es seinen Weg nach Japan und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dort als Karate über die ganze Welt verbreitet.

Inhaltlich wird Karate vor allem durch Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfegetechniken als Kern des Trainings charakterisiert.  (mz)

Deutscher Meister im Shito-Ryu: Adrian Jahnsmüller.
Deutscher Meister im Shito-Ryu: Adrian Jahnsmüller.
Löwe