Schwache WM-Bilanz Schwache WM-Bilanz: Die goldenen Biathlon-Jahre sind vorbei

Pokljuka - Nach der verkorksten WM von Pokljuka suchten die deutschen Biathleten erstmal ein wenig Abstand. Sie werde, sagte Franziska Preuß erschöpft, „sicher einige Stunden auf der Couch verbringen und Biathlon mal Biathlon sein lassen“. Auch Olympiasieger Arnd Peiffer freute sich nach den Strapazen auf „zwei erholsame Tage“.
Die anstrengenden Wochen auf der slowenischen Hochebene samt Vorbereitung haben ihre Spuren hinterlassen - körperlich wie mental. „Das waren jetzt harte drei Wochen, auch für den Kopf. Da schwingt immer viel Druck mit, das schlaucht dann einfach“, sagte Preuß dem SID.
Alle sieben WM-Rennen bestritt die 26-Jährige in Pokljuka. Die Bayerin kam als einzige Athletin im Feld immer in die Top 8 und war damit der Lichtblick der deutschen Skijäger. Aber es sei eben „immer der eine Fehler zu viel“ gewesen, sagte Preuß, nachdem sie mit den Plätzen 5, 6, 7 und 8 ihr großes Ziel, eine Einzel-Medaille, verpasst hatte.
Nur Franziska Preuß kann bei Biathlon-WM überzeugen
Dennoch darf Preuß mit Zuversicht in die Zukunft blicken, im nächsten Winter geht es in Peking um olympische Medaillen. „Dann habe ich gleich wieder ein Ziel für nächste Saison“, sagte Preuß und lächelte.
Neben Preuß, die der deutschen Staffel mit ihrer Aufholjagd Silber gesichert hatte, durfte auch Einzel-Vizeweltmeister Peiffer die Heimreise mit einem guten Gefühl antreten. „Meine Bilanz ist eigentlich positiv“, sagte der 32-Jährige, „aber na klar sind wir enttäuscht, dass die Staffeln nicht geklappt haben“.
Nur zwei Medaillen, so schlecht war die Ausbeute des Deutschen Skiverbandes (DSV) nur vor acht Jahren in Nove Mesto. Benedikt Doll bemühte für sein Abschneiden die Sprichwörter „Außer Spesen nix gewesen“ und „Erfahrungen, aber keine Medaillen gesammelt“. Erik Lesser flüchtete nach seinem Staffel-Drama gar wortlos aus Slowenien, ehe es nach einer kleinen Ruhepause in Nove Mesto (4. bis 7. März) weitergeht.
Deutschland zum dritten Mal ohne Goldmedaille bei Biathlon-WM
Die goldenen Jahre sind vorbei, wie schon 2020 und erst zum dritten Mal überhaupt wartete Deutschland auch in Pokljuka vergeblich auf Gold. „Ein bisschen mehr hätten wir uns schon erwartet“, sagte der Sportliche Leiter Bernd Eisenbichler, der „nicht komplett zufrieden“ war.
Vier bis fünf Plaketten waren das ausgeschriebene Ziel des DSV. Bundestrainer Mark Kirchner versuchte indes, das Abschneiden einzuordnen. „Man muss auch mal die Vorleistung in der Saison sehen“, sagte er. In 15 Rennen gab es bei den Männern insgesamt vier Podestplätze. Wenn man bei der WM in jedem Rennen eine Medaille nach Hause nehmen will, sagte Kirchner, das funktioniere „statistisch und rein rechnerisch schon nicht“.
Im Medaillenspiegel sind Nationen wie Norwegen (14), Frankreich (7) oder Schweden (6) allerdings enteilt, es sind düstere Aussichten mit Blick auf Olympia und die Heim-WM in Oberhof in zwei Jahren. „Wir müssen schauen, dass wir noch konstanter durch die Saison kommen, auch in Vorbereitung auf so ein Großevent“, sagte Eisenbichler: „Da haben wir einiges an Arbeit vor uns.“
Biathlon: Bei den Männern steht ein schwieriger Umbruch an
Spätestens 2023, eventuell schon 2022, stehe ein Umbruch an, sagte Eisenbichler. Das große Problem des DSV: Zumindest bei den Männern kommt niemand nach, der die Ü30-Generation um Peiffer (33), Lesser (32) oder Doll (30) ablöst.
Vor etwa eineinhalb Jahren hatte der Verband die Zeichen der Zeit erkannt und seine Nachwuchsarbeit umstrukturiert. Eisenbichler bat um Geduld, die Ergebnisse würden nicht „von einem auf den anderen Tag sichtbar werden“. Viel Zeit bleibt nicht mehr. (sid)