"Eishockey ist mein Leben" Saale Bulls: Kapitän Kai Schmitz verlängert Vertrag um ein Jahr

Halle (Saale) - Der Zeitpunkt ist natürlich überaus geschickt gewählt. Ein Hammertor im Oberligaspiel gegen Diez-Limburg am Freitag, ein weiterer Traumtreffer per krachendem Schlagschuss bei den Hannover Indians am Sonntag. So beteiligt an zwei Siegen. Halles Eishockey feiert Kai Schmitz.
Da passte es natürlich perfekt, dass die Saale Bulls am Mittwochabend eine besondere Vertragsverlängerung bekannt gaben. Kai Schmitz, der ewige Kapitän macht weiter. Der Publikumsliebling verschiebt seinen Rücktritt nun bereits zum zweiten Mal um ein Jahr nach hinten. „Eishockey ist mein Leben“, sagt der 35-Jährige. „Ich liebe es einfach zu spielen.“
Saale Bulls: Kai Schmitz ist Spieler und Sportchef
Normalerweise wäre das Erklärung genug. Ein verdienter und überaus beliebter Spieler hört in den eigenen Körper hinein und sagt: Ja, da geht noch was. Schmitz’ Entscheidung hat aber noch eine zusätzliche Dimension. Auch in der nächsten Saison wird der gebürtige Kölner als Spieler und Sportchef in Personalunion für die Saale Bulls auflaufen.
Eigentlich sollte bereits 2020 Schluss sein. Im Februar des vergangenen Jahres hatte Schmitz seinen Rücktritt offiziell bekannt gegeben, um den neu geschaffenen Sportchef-Posten bei den Saale Bulls zu übernehmen.
Dann aber kam Corona und damit auch für den einzigen Profi-Eishockeyklub Sachsen-Anhalts wirtschaftliche Zwänge. Für den Sportchef-Posten war kein Geld mehr da. Also einigte sich Bulls-Präsident Daniel Mischner mit Schmitz auf die Position als spielender Sportchef. Als Notlösung.
Kai Schmitz: „Es wird der Tag kommen, an dem ich meinen eigenen Nachfolger suchen muss“
„Es war nicht unsere favorisierte Variante, dass Kai als Sportlicher Leiter auch noch Spieler ist“, hatte Mischner im Wissen um Spannungsfelder, die entstehen können, wenn der Sportchef als Spieler mit in der Kabine sitzt, im Juli 2020 gesagt. „Aber es ist in der Corona-Zeit das kleinere Übel.“
Optimal, das sagt auch Schmitz, ist die Situation natürlich immer noch nicht. Auch wenn er beteuert, dass seine Doppelfunktion in der Kabine nicht zu Spannungen führt. „Die Jungs wissen durch meine offene Art, woran sie sind, da gibt es keine Probleme.“
Aber auf Sicht ist der Rücktritt vom Sport unvermeidlich, will Schmitz den Posten als Sportlicher Leiter weiter ausüben. „Es wird der Tag kommen, an dem ich meinen eigenen Nachfolger suchen muss“, sagt er. „Der Verein muss sich weiter professionalisieren. Dazu gehört es auch, dass der Sportliche Leiter nicht gleichzeitig Spieler ist. Aber von normalen Bedingungen werden wir auch in der kommenden Saison weit entfernt sein. Das wird maximal eine Übergangssituation hin zur Normalität.“ Daher macht er mit dem Segen von Mischner weiter.
Kai Schmitz ist längst kein Raubein mehr
Derzeit plant Schmitz gemeinsam mit Coach Ryan Foster bereits den Bulls-Kader der kommenden Saison, in dem er nun weiterhin einen Verteidiger-Posten ausfüllen wird. Sportlich, das zeigt die aktuelle Saison, ist das für die Bulls definitiv ein Gewinn.
Schmitz, der im Dezember 2020 die Marke von 500 Spielen für den Klub geknackt hat, spielt seine womöglich beste Serie im halleschen Trikot. 20 Scorerpunkte hat er als Verteidiger in 29 Spielen gesammelt. Bei der Plus-Minus-Statistik, die anzeigt, wie das Torverhältnis aussieht, wenn ein bestimmter Spieler auf dem Eis ist, steht Schmitz bei +17 Toren. Ligaweit haben nur 23 Spieler einen positiveren Einfluss auf das Spiel ihrer Mannschaft.
Am auffälligsten ist aber eine andere Statistik. Mit 31 Strafminuten in 29 Spielen steht Schmitz in der Raubein-Liste nur auf dem 47. Rang. Eine große Strafe, etwa für eine Prügelei, hat Schmitz bisher noch nicht angesammelt.
„Hooligan“ Kai Schmitz: „Habe mich schon immer sehr auf die Bad-Boy-Rolle konzentriert“
Es scheint, als habe der Routinier in der Spätphase seiner Karriere eine Metamorphose durchlaufen. Aus dem „Hooligan“, so sein Spitzname, ist durch die neue Verantwortung als spielender Sportchef ein besonnener Anführer geworden.
„Ich habe mich schon immer sehr auf die Bad-Boy-Rolle konzentriert“, gesteht Schmitz. „Damit habe ich aber sinnlos Energie verschwendet. Es ist schön, dass ich den Leuten zeigen kann, dass ich wirklich richtig gut Eishockey spielen kann.“ Und das noch mindestens eine weitere Saison lang. (mz)
Am Freitag spielen die Bulls in Limburg, am Sonntag, 17 Uhr, kommt Rostock. Alles Spiele gibt es im Live-Stream unter www.saalebulls.com