Wechsel zu Hertha

RB Leipzig: Warum es für Davie Selke bei RB nicht gepasst hat

Leipzig - Entscheidend für den Schritt zu Hertha BSC Berlin war für Davie Selke das Gefühl, gebraucht zu werden. Das war bei RB Leipzig nicht immer der Fall.

Von Ullrich Kroemer 02.06.2017, 13:17
Davie Selke (r.) spielte bei Trainer Ralph Hasenhüttl nur selten eine wichtige Rolle.
Davie Selke (r.) spielte bei Trainer Ralph Hasenhüttl nur selten eine wichtige Rolle. imago sportfotodienst

Die Fußballwelt ist klein. So betrat Davie Selke am Donnerstagabend im idyllischen Grassau am Chiemsee jenen Rasen, auf dem sich RB Leipzig in der Sommervorbereitung 2016 das Rüstzeug für die erste Bundesligasaison geholt hatte. Umgeben von den Chiemgauer Bergen bereitet sich der Stürmer seit gestern mit der U-21-Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft in Polen vor.

Während er gerade anreiste, verkündete Michael Preetz Selkes Transfer von RB Leipzig zu Hertha BSC als Erster per Twitter: „Fix ist es, wenn der Lange twittert“, schrieb Herthas Manager nicht ohne Stolz. Preetz misst ebenso wie Selke 1,92 Meter. Kolportiert wird eine Ablösesumme von etwa zehn bis elf Millionen Euro inklusive Extrazahlungen bei angeblich fünf Jahren Vertragslaufzeit.

Davie Selke wird für Hertha zum Rekordtransfer

Für die Hertha ist das der Rekordtransfer der Klubhistorie. Selke selbst sagt: „Es ging mit dem Wechsel ziemlich schnell und war am Anfang noch ein bisschen geheim.“ Denn ursprünglich war seine Rückkehr nach Bremen angedacht, doch an der Weser mussten sie den Verhandlungsmarathon aus finanziellen Gründen abbrechen.

Entscheidend für den Schritt in die Hauptstadt sei für Selke das Gefühl gewesen, gebraucht zu werden. „Mir war wichtig, dass ich in den Gesprächen das Vertrauen gespürt habe“, sagt der 22-Jährige. Das war zuletzt bei RB Leipzig nicht mehr so gewesen. Zwar herrschte zwischen Trainer Ralph Hasenhüttl und dem Angreifer nie Funkstille. Doch Selbstvertrauen konnte der Trainer dem sensiblen Stürmernaturell nicht verleihen.

Bei RB Leipzig passte Davie Selke nicht ins System

Hasenhüttl verwies darauf, dass Selke seine Chancen nur wahrnehmen müsse. Doch nur zweimal durfte der Schlaks über 90 Minuten ran, konnte nur selten seine Klasse zeigen - so wie beim Spiel bei Hertha, als er mit seinem Doppelpack die Champions-League-Qualifikation klarmachte. Doch ansonsten passte er einfach nicht ins System mit Balleroberungen.

Richtig gut war Selke, als er 2015 als damaliger Rekordtransfer für acht Millionen Euro mit breiter Brust nach Leipzig kam. Dass einer wie er, dem die Zukunft gehörte, Erstligist Bremen verließ und sich dem umstrittenen Zweitligisten anschloss, war ein Signal. Selke hat es salonfähig gemacht, sich dem Red-Bull-Klub anzuschließen – trotz Anfeindungen aus den Fanlagern.

Ein wenig schließt sich nun der Kreis in Grassau. Als RBL im Sommer 2016 hier für die Bundesliga trainierte, war Selke bei den Olympischen Spielen in Rio aktiv. Nun lernt er Grassau doch noch kennen - mit seinen Hertha-Teamkollegen Niklas Stark und Mitchell Weiser.

(mz)