3:2-Sieg in Leverkusen

RB Leipzig Tabellenführer: 3:2 in Leverkusen - Forsberg erneut Matchwinner

Leverkusen - Die „Roten Bullen“ schreiben weiter Bundesliga-Geschichte. In Leverkusen hat RB Leipzig gleich zwei Mal einen Rückstand gedreht und am Ende 3:2 gewonnen.

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer 18.11.2016, 21:30

RB Leipzig ist zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Nach dem 3:2 bei Bayer Leverkusen führen die Leipziger das Klassement mit drei Punkten vor Bayern München an.

Trotz zweimaligen Rückstands und eines Elfmeters gegen sich drehte die Hasenhüttl-Elf die Partie und holte sich den achten Saisonsieg. Mit 27 Punkten und noch keiner einzigen verlorenen Partie ist Rasenballsport der beste Aufsteiger der Bundesligageschichte.

Kampl hatte Leverkusen in der ersten Minute in Führung gebracht, Baumgärtlinger mit einem Eigentor das 1:1 (4.). Brandt traf kurz vor der Pause zum 2:1 für Bayer (45.+2). Nach dem Wechsel erzielte Forsberg den Ausgleich (67.) für die „Roten Bullen“ und bereitete das Siegtor von Orban (81.) vor.

Ausgangslage

Ein historisches Spiel wird die Partie bei Bayer Leverkusen für RB Leipzig so oder so: Gelänge dem Bundesliga-Neuling ein Remis oder gar ein Auswärtssieg, würde das für zumindest eine Nacht genügen, um die Tabellenführung in der Bundesliga zu erobern – zum ersten Mal in der erst elf Spieltage währenden Erstliga-Zugehörigkeit von RBL. Zudem würde RB mit elf Spielen ohne Niederlage in Serie auch den alleinigen Aufsteiger-Rekord erobern. Geht das Match verloren, wäre es die erste Niederlage des Klubs im deutschen Oberhaus.

Doch die Jagd nach Rekorden und Tabellenspitze interessiert bei RBL keinen so wirklich. Trainer Ralph Hasenhüttl und seinen Spielern geht es vielmehr darum, gegen den so ähnlichen Spielstil der Bayer-Elf zu bestehen. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich viele Dinge im Spiel beider Teams ähneln. Wir wissen natürlich, was uns selber auch manchmal ein bisschen weh tut. Welche Pässe uns Probleme bereiten können”, hatte Hasenhüttl gewarnt.

Personalien

Bei RB Leipzig waren vor der Partie der erkältete Oliver Burke und Timo Werner wegen einer Magen-Darm-Erkrankung fraglich. Burke war dann immerhin im Kader, saß aber zunächst auf der Ersatzbank. Werner hingegen lief von Beginn an auf. Sonst sind bis auf die Langzeitverletzten Lukas Klostermann, Bernardo und Ken Gipson alle Spieler einsatzfähig. Stefan Ilsanker übernimmt wieder die Problemposition rechts in der Viererkette. Erstmals im Kader dabei: der erst 18 Jahre alte Dominik Franke.

Leverkusen muss auf Lars Bender verzichten, der an einer Fersenprellung laboriert. Sonst sind alle Bayer-Spieler einsatzfähig. „Es sieht eigentlich ganz gut aus”, sagte Gäste-Trainer Roger Schmidt zur Personalsituation. Das Sturmduo Kevin Volland und Chicharito saß zunächst überraschend nur auf der Bank. Beide Klubs hatten sich nicht optimal auf die Partie vorbereiten können, da zahlreiche Akteure bei Länderspielen im Einsatz waren und teilweise erst am Mittwoch wieder zurück bei ihren Klubs waren.

Fans

Etwa 1200 Anhänger begleiteten die Leipziger am Freitagabend zum ersten Gastspiel in Leverkusen. Am Ende des Abends sangen die Anhänger: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey”. Vor der Partie war der Leipziger Mannschaftsbus mit Farbbeuteln beworfen worden.

Spielverlauf und Analyse

1. Hälfte
So furios, turbulent und torreich begann in dieser Spielzeit wohl noch keine Bundesligapartie. Das Spiel lief genau eine Minute, als der Ball das erste Mal im Netz lag. Nach einem Ballverlust der Leipziger im Mittelfeld machte Leverkusens pfeilschneller Nationalspieler Julian Brandt über die linke Seite Tempo. Sein perfekt getimter Pass – Aushilfs-Rechtsverteidiger Stefan Ilsanker hatte keine Chance – erreichte Kevin Kampl, der zur frühen Führung traf (1. Minute). Marcel Halstenberg hatte ebenso wie Keeper Peter Gulacsi keine Abwehrchance mehr.

Doch die Gäste brauchten nur drei Minuten, bis sie sich die virtuelle Tabellenführung zurückeroberten. Timo Werner verlängerte eine Forsberg-Ecke auf Bayer-Sechser Julian Baumgartlinger, der den Ball mit dem Oberschenkel ins eigene Tor beförderte (4.). Das erste Tor nach einem Standard für RB in dieser Saison – abgesehen vom Elfmeter in Hamburg.

Die Partie war auch nach dem stürmischen Start schnell und attraktiv, doch ganz große Chancen kamen in der ersten Hälfte bis ganz zum Schluss nicht mehr zustande. Doch zwei trieben Trainer Hasenhüttl die Sorgenfalten auf die Stirn: Zunächst verletzte sich Marcel Sabitzer nach einem Luftduell mit Wendell am Kopf und trug nach der Platzwunde einen Turban (19.). Im Gegensatz zu Sabitzer konnte Innenverteidiger Marvin Compper nicht weitermachen. Der Routinier war mit der Fußspitze im Rasen hängengeblieben und hatte sich im Zweikampf am Knie verletzt (30.). Für Compper kam Benno Schmitz, der die rechte Position in der Viererkette einnahm; Ilsanker rückte ins Abwehrzentrum.

Ilsanker war es auch, der mit einem Fehlpass das 2:1 kurz vor der Pause einleitete. Der starke Julian Brandt nahm den langen Ball von Hakan Calhanoglu glänzend mit und düpierte die aufgerückte RB-Abwehr und Torhüter Gulacsi mit seinem Treffer zum 2:1 (45.+1).

2. Hälfte

Und Brandt machte zu Beginn der zweiten 45 Minuten dort weiter, wo er aufgehört hatte. Der 20-Jährige drang in den Strafraum ein und kam nach einem Zweikampf mit Ilsanker zu Fall. Schiedsrichter Brych entschied auf Elfmeter – eine harte Entscheidung (53.). Doch Calhanoglu nutzte die Großchance vom Punkt nicht, Gulacsi hielt den schwach geschossenen Strafstoß (54.).

In der Phase danach eroberten sich die Gäste mehr Spielanteile und Präsenz und ergriffen merklich mehr Initiative. Nach einem kurzen Pass von Naby Keita marschierte Emil Forsberg von der Mittellinie bis zur Strafraumgrenze und konnte unbedrängt abziehen. Doch nur weil Bayer-Keeper Bernd Leno patzte, flatterte der Ball zum erneuten Ausgleich ins Tor (67.).

Die Sachsen ließen auch danach nicht locker; Sabitzer hatte die große Chance zur Führung (77.), ehe Abwehrmann Orban nach Forsberg-Flanke tatsächlich das 3:2 per Kopf erzielte (81.). Da Leverkusen bis auf einen Schuss des eingewechselten Kevin Volland nichts mehr entgegenzusetzen hatte, ist Leipzig auch nach dem elften Spiel verdientermaßen ungeschlagen.

Ausblick

Im nächsten Spiel muss RBL ausnahmsweise erneut auswärts ran. Wieder am Freitagabend treten die Leipziger beim SC Freiburg an (20.30 Uhr), mit dem das Team nach dem 1:2 beim Schnee-Ball der Vorsaison noch eine Rechnung offen hat. Leverkusen bestreitet am nächsten Samstag das Topspiel am Samstagabend gegen den FC Bayern München (18.30 Uhr). 

Bayer Leverkusen - RB Leipzig 2:3 (2:1)

Bayer 04: Leno – Henrichs, Tah, Toprak, Wendell – Aranguiz, Baumgartlinger (82. Havertz) - Brandt, Kampl – Calhanoglu (64. Volland) – Mehmedi (74. Chicharito).
RB Leipzig: Gulacsi – Ilsanker, Orban, Compper (30. Schmitz), Halstenberg – Demme, Keita – Sabitzer, Forsberg (90. Kaiser) – Werner, Y. Poulsen (64. Burke)
Tore: 1:0 Kampl (1., Brandt), 1:1 Baumgartlinger (4., Eigentor, Forsberg), 2:1 Brandt (45.+2, Calhanoglu), 2:2 Forsberg (67., Keita), 2:3 Orban (81., Forsberg)
Chancen: 4:6  Ecken: 6:9
Schiedsrichter: Felix Brych (München), Gelbe Karten: Toprak (73.) - Orban (51.), Ilsanker (53.), Keita (56.)
Besondere Vorkommnisse: Calhanoglu verschießt Foulelfmeter (54.)
Zuschauer: 27.752 in der BayArena