RBL-Problemzone

RB Leipzig: Standard-Schwäche kostet Punkte und Millionen

Leipzig - RB Leipzigs Spieler waren nach dem 2:2 (2:1) gegen Mainz 05 nicht nur sichtlich genervt über den Punkteverlust. Sie gingen auch mit sich und ihren Kollegen so hart und deutlich ins Gericht wie noch nie in dieser ...

Von Ullrich Kroemer 10.12.2017, 12:35
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl ist von den vielen Standard-Gegentoren sichtlich genervt.
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl ist von den vielen Standard-Gegentoren sichtlich genervt. imago sportfotodienst

RB Leipzigs Spieler waren nach dem 2:2 (2:1) gegen Mainz 05 nicht nur sichtlich genervt über den Punkteverlust. Sie gingen auch mit sich und ihren Kollegen so hart und deutlich ins Gericht wie noch nie in dieser Saison.

Es waren die beiden Gegentore nach Standards, die die RB-Kicker aufbrachten. Robin Quaison hatte nach einem Freistoß zum 1:1 getroffen (40.); Emil Berggreen köpfte eine Ecke zum erneuten Ausgleich ins Tor der Leipziger (87.).

Abwehrchef Willi Orban sagte bitter: „Ich bin sprachlos darüber, warum wir wieder so etwas zulassen. Wenn du in den entscheidenden Momenten nicht scharf genug bist, fehlen mir die Worte.” Genau wie Orban unterstellte auch Yussuf Poulsen den Kollegen, bei ruhenden Bällen nicht den nötigen Einsatz zu zeigen. „Im vergangenen Jahr waren wir so gut und haben so wenig zugelassen. Das machen wir dieses Jahr nicht gut. In meinen Augen sind wir nicht bereit, alles zu geben.”

RB Leipzig: Bei der Zuordnung stimmt momentan wenig

Und Keeper Peter Gulacsi haderte genervt: „Wir müssen bei solchen Situationen viel wacher sein, wir dürfen ein solches Spiel nicht wegen Standardtoren verschenken. Wir sagen immer, dass wir lernen müssen et cetera, et cetera, aber es wäre schön, wenn wir das auch mal durchziehen.”

CL gegen Porto (H): 1:3 nach Einwurf, 2:3 nach Eckball
CL gegen Porto (A): 0:1 nach Ecke, 1:2 nach Freistoß
BL gegen Leverkusen (A): 2:2 nach Eckball
CL gegen Monaco (A): 1:3 nach Freistoß
BL gegen Mainz (H): 1:1 nach Freistoß, 2:2 nach Eckball

Vor allem der zweite Treffer der Mainzer war überflüssig, da die Zuordnung zu Torschütze Berggreen (1,94 Meter) aus unerfindlichen Gründen überhaupt nicht stimmte. Bernardo tauchte unter dem Ball hindurch und stützte sich dabei bei Willi Orban auf, als wäre der sein Gegenspieler. Marcel Halstenberg und Marvin Compper sprangen nur gemeinsam neben dem Schweden hoch.

„Wir haben eine klare Mann-Zuteilung. Da hat jemand geschlafen”, sagte Orban nur. Wer das war, mochte der Kapitän nicht verraten, da er seine Mitspieler nicht namentlich kritisieren dürfe. Gulacsi gab zu Bedenken, dass die Zuordnung vielleicht wegen der Wechsel nicht mehr gepasst habe. Und Trainer Ralph Hasenhüttl analysierte, dass der Treffer bereits „in der Entstehung eine Katastrophe” gewesen sei. „Wir hatten an der gegnerischen Eckfahne einen Ballverlust und fünf Sekunden später Eckball gegen uns. Das darf nicht passieren.”

RB Leipzig: Schon acht Standard-Gegentore in Bundesliga und Champions League

Besonders ärgerlich waren die Gegentreffer, weil Hasenhüttl vor dem Spiel noch eigens darauf hingewiesen hatte. Unter der Woche hatte das Trainerteam den Spielern ausgerechnet und gezeigt, wie viele Gegentore bereits aus Standards resultierten und wie viele Punkte das gekostet habe. „Über 50 Prozent aller unserer Gegentore in der Champions League sind nach Standards gefallen”, sagte Poulsen. „In der Bundesliga ist es gerade nicht groß anders.”

In Bundesliga und Champions League zusammen ließen die Leipziger bereits acht Gegentreffer nach ruhenden Bällen zu (ohne Elfmeter). Besonders auffällig war die Schwäche in der Champions League: Fünf der elf Gegentore plus ein Strafstoß resultierten aus Standards.

Standard-Schwäche kostet RB Leipzig Millionen

Zwei dieser Gegentreffer beim Rückspiel in Porto kosteten RB die Teilnahme am Achtelfinale – und inklusive Punktprämie 6,5 Millionen Euro. In der Bundesliga machte ein Standard beim 2:2 in Leverkusen ebenso den Sieg zunichte wie nun gegen Mainz – macht vier Punkte.

Trainer Hasenhüttl versprach, in der Winterpause intensiv an dem Problem zu arbeiten. „Das ist mittlerweile ein Thema, das man nicht mehr hören kann, aber bei dem wir mal richtig den Finger in die Wunde legen müssen. Gerade haben wir keine Möglichkeit das zu trainieren. Aber wir machen es den Gegnern zu einfach, das geht nicht.” (mz)

(mz)