Ausfälle bei RB Leipzig

RB Leipzig: So erklärt Sportmediziner Froböse die Grippewelle

Leipzig - Selten wurde ein Fußballteam in den vergangenen Jahren so heftig von einem Grippevirus ausgebremst wie aktuell RB Leipzig. Etwa drei Viertel der Mannschaft waren oder sind von der Influenza niedergestreckt ...

Von Ullrich Kroemer 23.03.2016, 09:08

Selten wurde ein Fußballteam in den vergangenen Jahren so heftig von einem Grippevirus ausgebremst wie aktuell RB Leipzig. Etwa drei Viertel der Mannschaft waren oder sind von der Influenza niedergestreckt worden.

Um weitere Infektionen zu verhindern, griff Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick in Absprache mit den Ärzten zu der ungewöhnlichen Maßnahme, seinen Spielern eine knappe Woche bis Ostermontag freizugeben.

Testspiel und Training wurden abgesagt. Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln, einer der bekanntesten Sportmediziner hierzulande, sagt: „Ralf Rangnick hat absolut richtig gehandelt. Die Pause ist nicht nur wichtig, um weitere Infektionen zu verhindern, sondern auch eine möglicherweise langfristige Schädigung der inneren Organe durch zu frühe Belastung auszuschließen.”

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass diese so außerordentlich schwere Grippe den gesamten Trainingsbetrieb bei RBL lahmlegt und die Spieler im Spitzenspiel gegen Nürnberg lähmte? RB Leipzig gilt schließlich als einer jener Klubs im deutschen Profifußball, die es mit der medizinischen Beobachtung der Spieler besonders genau nehmen; die Blutwerte der Stars etwa werden täglich analysiert.

Leistungssportler sind besonders anfällig

Doch Froböse erklärt: „Leistungssportler sind besonders gefährdet, da sie nach Training oder Spiel besonders anfällig für eine Infektion sind.” Dann setzte das sogenannte „Open-Window-Phänomen” ein, Viren können in den Organismus wie durch ein offenes Fenster eindringen. Möglich wird das durch die hohe Anzahl von Stresshormonen im Körper eines Leistungssportlers, die das Immunsystem bis etwa vier, fünf Stunden nach einem Spiel schwächen.

„Die einzige Möglichkeit, die Grippewelle im Team zu verhindern, wäre die frühzeitige Isolation des ersten Spielers mit entsprechenden Symptomen gewesen”, sagt Froböse. Gerade in dem Stadium, in dem die Symptome noch nicht so präsent seien, sei die Übertragung der Grippeviren am gefährlichsten.

Der RB-Fehler: Ansteckungsgefahr im Flugzeug besonders groß

Doch natürlich meldete sich vor dem Topduell gegen den Konkurrenten aus Freiburg, nach dem die ersten Spieler erkrankten, kein Profikicker mit Halzschmerzen ab. Im Nachhinein betrachtet, war es zudem ein Fehler, nach dem Schneespiel in Freiburg nicht im Breisgau zu übernachten und am nächsten Tag zurück nach Leipzig zu fahren.

Stattdessen flog das Team noch in der gleichen Nacht zurück. „Flugzeuge und Flughäfen sind aufgrund der räumlichen Enge und der Luftzirkulation prädestiniert für die Übertragung von Viren. Diese Orte sollte man möglichst meiden”, sagt Froböse.

Wenn das Grippevirus dann einmal im Team grassiere, sei es so gut wie unmöglich, es aufzuhalten. Problem bei Leistungssportlern: Viele Grippemedikamente stehen auf der Dopingliste. Die Grippe-Behandlung von Sportlern ist also schwieriger als die „normaler” Patienten.

Doch Froböse sagt, dass Medikamente bei den meisten eh nur die Symptome etwas linderten. In Medizinerkreisen kursiert daher folgender Grippe-Witz: „Mit Medikamenten dauert es zwei Wochen, bis eine Grippe auskuriert ist, ohne 14 Tage.” Genau diese Zeit gibt Rangnick seinen Spielern nun – insofern ist die Länderspielpause ein Segen für Rasenballsport.

Übrigens: Das einzig tröstliche für die kommenden Wochen im Aufstiegskampf ist nun, dass die Spieler gegen dieses Grippevirus immun sind. Einmal erkrankt, wird der Organismus bekanntlich kein zweites Mal infiziert. (mz)