1:3-Auswärtspleite

RB Leipzig: Rangnick-Elf verspielt 1:0-Führung in Nürnberg

Nürnberg - Der 1. FC Nürnberg hat den Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga wieder spannend gemacht. In einem emotionalen und attraktiven Spiel bezwang der Ligadritte Spitzenreiter RB Leipzig verdient mit 3:1 ...

Von Ullrich Kroemer 20.03.2016, 14:35
Yussuf Poulsen diskutiert intensiv mit Nürnbergs Ondrej Petrak.
Yussuf Poulsen diskutiert intensiv mit Nürnbergs Ondrej Petrak. imago sportfotodienst

Der 1. FC Nürnberg hat den Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga wieder spannend gemacht. In einem emotionalen und attraktiven Spiel bezwang der Ligadritte Spitzenreiter RB Leipzig verdient mit 3:1 (0:0).

Die Grippe geschwächten Leipziger mussten bereits die dritte Auswärtsniederlage im vierten Spiel im Jahr 2016 hinnehmen. Der Vorsprung der Leipziger auf den Relegationsrang beträgt nun nur noch drei Punkte.

Nach der überraschenden Führung durch Davie Selke (52.), ließ Nürnberg nicht locker und traf durch einen Doppelschlag von Petrak (70.) und Füllkrug (76.) zur Führung. Burgstaller erhöhte noch auf 3:1 (90.+4).

Ausgangslage

Nach den verloren gegangenen Spitzenspielen auf St. Pauli sowie zuletzt beim SC Freiburg wollte RB Leipzig beim 1. FC Nürnberg unbedingt punkten. „Aller guten Dinge sind drei”, hatte Torhüter Fabio Coltorti vor der Partie gesagt. „Wir wollen zeigen, dass wir es besser können.”

Nürnberg ging mit jeder Menge Selbstvertrauen in das Topduell, hatte zuletzt beim Hinspiel in Leipzig im Herbst verloren und schwang sich seitdem zum konstantesten Team der Liga auf. Allerdings betonte der vor der Partie angefressene und angeschlagene RBL-Trainer Ralf Rangnick extra noch einmal, dass Nürnberg zwar für die Serie gefeiert werde, sein Team aber in dem gleichen Zeitraum mehr Punkte geholt habe.

Personalien

RB hatte vor der Partie den Ausfall von acht Stammspielern befürchten müssen. Doch die Befürchtungen bestätigten sich nicht. Die allesamt vor der Partie angeschlagenen Peter Gulacsi, Willi Orban, Rani Khedira, Marcel Sabitzer, Yussuf Poulsen, Stefan Ilsanker, Marcel Halstenberg und Davie Selke konnten von Beginn an auflaufen – fünf Veränderungen im Vergleich zum Spiel gegen 1860. Da Selke erstmals seit Mitte Dezember wieder in der Startformation stand, agierte Rasenballsport in der 4-2-2-2-Grundordnung. Nürnbergs Trainer René Weiler stellte im 4-4-2-System zweimal um, brachte Ondrej Petrak und Even Hovland neu.

Fans

Stimmungsvolle Kulisse beim „Glubb”: Über 40.860 Fans waren ins Grundig-Stadion gekommen. Doch auch der Gäste-Support trug zur bundesligareifen Kulisse bei. Nur etwa drei Stunden Fahrtzeit, ein attraktiver Gegner sowie die gute fränkische Küche sind für die Leipziger Fans traditionell gute Argumente, zahlreich in Nürnberg zu erscheinen. Auch an diesem Sonntag war der Unterrang des Gästeblocks mit etwa 2500 Leipzigern prall gefüllt.

Spielverlauf und Analyse

Der 1. FC Nürnberg startete äußert druckvoll in die Partie –  auf dem Spielfeld und auf der Bank. Coach Weiler stand bei etwa 5 Grad im Pullover an der Seitenlinie und echauffierte sich so heißblütig über die Entscheidungen von Referee Felix Zwayer, dass der Unparteiische den FCN-Coach bereits nach fünf Minuten zur Räson rufen musste. Es war förmlich zu greifen, wie viel für beide Teams an diesem Nachmittag auf dem Spiel stand. Weilers Team war zunächst präsenter und hatte die spektakuläreren Aktionen, bereits in der dritten Minute eine gefährliche Kopfballgelegenheit durch Even Hovland. Nach etwa zehn Minuten gelang es dem Tabellenführer aus Leipzig, die Partie zu beruhigen und in dieser Spielphase taktisch weitgehend zu kontrollieren.

Zur Mitte der ersten Hälfte wurde das Spiel der Gastgeber zunehmend körperlicher, bisweilen ruppig, um den aufkommenden Spielfluss der Rangnick-Elf zu stoppen. Die erste gute Gelegenheit für die Leipziger hatte Marvin Compper nach einem Freistoß per Kopf (15.). Selke brachte einen guten Ball aus der Drehung in Richtung Tor, verfehlte den Kasten von Patrick Rakovsky allerdings (27.).

Nach einer halben Stunde dann steigerte sich der 1. FCN erneut und hatte gleich zwei Top-Möglichkeiten, um in Führung zu gehen. Der äußerst auffällige Sebastian Kerk zirkelte einen Freistoß aus etwa 30 Metern genau in Richtung rechtes Toreck. Doch RBL-Keeper Peter Gulacsi war zur Stelle und kratzte den Ball aus dem Winkel (33.). Kurz darauf war Burgstaller einmal in Richtung Grundlinie durchgekommen und bediente Kerk, der den Ball wenige Meter vor dem Tor jedoch nicht optimal traf (34.). RB vermochte es in dieser Phase nicht, für genügend Entlastung zu sorgen. Zu oft mussten die Bälle aus der Viererkette in hitzigen Situationen nach vorn geschlagen werden – mit dem technisch beschlagenen RBL-Kombinationsspiel hatte das wenig zu tun.

Poulsen sorgt für die unerwartete RBL-Führung

Der 1. FCN setzte sein druckvolles Spiel auch in der zweiten Hälfte fort. Durch zwei leichte Ballverluste in Nähe des eigenen Sechzehnmeter-Raumes kamen die Hausherren gleich zweimal gefährlich zum Zug. Niclas Füllkrug vergab die größte Chance des bisherigen Spiels, als er von Guido Burgstaller bedient frei vor dem Tor stand, aber noch von Lukas Klostermann abgedrängt wurde (48.). RB nahm das zum Anlass, um selbst zuzulegen. Nach Emil Forsbergs gefährlichem Distanzschuss (50.), brachte ein Konter die zu diesem Zeitpunkt unerwartete Gästeführung. Poulsen hatte sich nach Traumpass von Forsberg im Strafraum durchgesetzt und auf den freistehenden Davie Selke quergelegt. Der 21-Jährige blieb bei der einhundertprozentigen Torchance cool und erzielte seinen neunten Saisontreffer (52.).

Doch der „Glubb” ließ sich nicht beirren, spielte weiter engagiert nach vorn und belohnte sich. Zunächst glich Ondrej Petrak nach einer Ecke aus dem Gewühl heraus zum 1:1 aus (70.). Nur wenig später setzte sich erneut Burgstaller gegen die RB-Defensive durch und legte den Ball auf Füllkrug auf, der volley zur 2:1-Führung traf (76.). RB verstand es in der Folge nicht, genügend Druck aufzubauen. Nur in der Nachspielzeit war noch einmal gehörig Hektik im Spiel, allerdings ohne klare Torchancen für den Tabellenführer. Stattdessen erhöhte Nürnberg nach zwei vergebenen Chancen in der Nachspielzeit noch auf 3:1 durch Guido Burgstaller (90.+4).

Ausblick

An diesem Donnerstag testet Rasenballsport gegen den tschechischen Klub Bohemians Prag (16 Uhr). Nach der Osterpause tritt RB Leipzig dann in der Liga daheim gegen den VfL Bochum an (Sa, 13 Uhr). Nürnberg muss tags darauf beim FSV Frankfurt ran.

1. FC Nürnberg - RB Leipzig 3:1 (0:0)

FCN: Rakovsky – Brecko (C), Margreitter, Hovland, Sepsi – Behrens, Petrák (80. Polak) – Kerk (87. Mössmer), Leibold (63. Blum) – Burgstaller, Füllkrug
RB Leipzig: Gulácsi – Klostermann, Orban (C), Compper, Halstenberg – Khedira, Ilsanker (78. Bruno) – Sabitzer (62. Jung), Forsberg – Poulsen (74., Quaschner), Selke
Tore: 0:1 Selke (52., Poulsen), 1:1 Petrak (70., Margreitter), 2:1 Füllkrug (76., Burgstaller), 3:1 Burgstaller (90.+4, Blum)
Ecken: 10:2, Torchancen: 11:3
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin), Gelbe Karten: Behrens (3), Hovland (2), Polak (6) / Halstenberg (4), Orban (8), Selke (4)
Zuschauer: 40.800 im Grundig-Stadion Nürnberg