Selke und Klostermann

RB Leipzig: Olympia-Helden Davie Selke und Lukas Klostermann beim RBL-Training

Leipzig - Nach einem famosen Turnier bei der Olympiade in Brasilien sind die beiden zurück in Leipzig.

Von Martin Henkel
Nach dem 1:1 gegen Brasilien feiern Selke und Klostermann mit den Kollegen Meyer und Toljan. dpa-Zentralbild

Der Empfang fiel bescheiden aus, aber immerhin. Am Vorabend waren die Leipziger Fußballer Lukas Klostermann und Davie Selke am Flughafen gelandet, und niemand stand da, nahm die beiden in die Arme, applaudierte, rief: Silber, Olympia, große Klasse! Bis auf den Sicherheitschef von RB, der sie in ihre Wohnungen chauffierte.

Jetzt aber liefen Klostermann und Selke auf dem Trainingsplatz ihre Runden. Und immer, wenn sie an der Tribüne vorbeikamen, wehte der Abendwind Ermunterung und Anerkennung zu ihnen herüber. Es klatschten die Menschen und freuten sich. Klostermann, Selke – endlich wieder da!

Wichtiges Training für den RBL-Zusammenhalt

Die drei Turnschuh-Runden, mit denen die Olympia-Fußballer am Dienstag am Mannschaftstraining von RB Leipzig teilnahmen, waren von überschaubarem sportlichem Wert. Aber darum sollte es hier gar nicht gehen. Wohlbefinden war das Ziel. Das eigene, wieder bei der Mannschaft zu sein, bei den Trainern. Und das Wohlbefinden des Vereins. Waren keine leichten Tage zuletzt, nach der Pleite im Pokal gegen Dynamo Dresden und den anschließenden Diskussionen, wie das hatte passieren können.

Klostermann vor allem hebt die Stimmung offensichtlich beachtlich. Der Außenverteidiger hat in Brasilien ein famoses Turnier gespielt. Hat das Potenzial für die A-Nationalmannschaft, hieß es. Und für RB sowieso. Ist gesetzt auf links, vielleicht ja auch auf rechts – auf alle Fälle aber wird und soll er dabei sein. So schnell wie möglich. Damit das aufhört, hinten beim Aufsteiger so zu schwimmen.

Bundesligasaison beginnt für den RBL in Hoffenheim

In wenigen Tagen beginnt die erste Bundesligasaison der Vereinsgeschichte. In Hoffenheim am Sonntag. Zwei Wochen Turnier in den Tropen können dafür bedeuten, die Kräfte sind dahin. Aber auch, der Wettkampf-Rhythmus ist da. Klostermann sagt: „Wir schlafen uns jetzt heute noch mal aus, dann sind wir morgen wieder fit fürs Training.“ Also Hoffenheim, Startelfeinsatz? „Prinzipiell geht das schon. Im Turniermodus der letzten Wochen hätten wir heute eigentlich schon wieder ein Spiel. Ich denke mal, dass man da deshalb optimistisch rangehen kann.“

Selke und Klostermann gegen Brasilien im Finale

Klostermann und Selkes Vorteil ist gerade, dass sie zwar Teil von RB sind, aber auch noch ein Teil der DFB-Olympionia-Mannschaft von Brasilien. Eine andere Welt, ein anderer Alltag, und eine Begeisterung für die Truppe von Horst Hrubesch daheim, die Klostermann als die wichtigste Erfahrung in Brasilien bezeichnet.  „Das war schon irre, wie plötzlich Menschen, die sich eigentlich nur für andere Sportarten interessieren, auch bei uns zugeschaut und sich gefreut haben.“

Und Dresden, das Pokal-Aus nach 0:2-Führung? Mitbekommen, aber nicht an sich rangelassen. Klostermann und Selke standen am selben Abend im mythischen Maracana und spielten gegen Brasilien das olympische Finale. „Ich habe das im Liveticker verfolgt“, sagt Klostermann. Schade, klar, „aber wir haben am selben Tag gespielt, da hatte ich dann auch andere Sachen im Kopf.“

Ein bisschen Olympia bei den RBL-Bullen        

Vielleicht wirkt das Wunder. RB Leipzig kann das gut gebrauchen, ein bisschen Brasilien, ein bisschen Underdog-Mentalität und ein bisschen Olympia im Maracana. Wie lange das bei Klostermann und Selke noch wirken wird – bei diesem Alltag vielleicht nicht lange. Sie haben ja keine Zeit, fünf Tagen noch, dann Hoffenheim. Für den Moment aber: Klostermann eilte nach seinen Auslaufrunden in die Kabine und brachte seine Silbermedaille nach draußen. Und es standen die Menschen darum, südlich war die Stimmung, und erfreuten sich. An Silber. Am milden Abend. Und an Selke und Klostermann. (mz)