3:2-Sieg in Hannover

RB Leipzig macht es beim 3:2-Sieg in Hannover am Ende spannend

Hannover - Hannover feiert den Frühling. Die Landeshauptstadt tat dies Samstag mit einem Fest hinter dem Stadion, Schießbude, Riesenrad, Grill – alles da. Geplant war es auch, um das Nachmittagsspiel von Hannover 96 gegen RB Leipzig zu unterstützen. Konkurrenz sollte es keines ...

Von Martin Henkel 31.03.2018, 17:23
Willi Orban jubelt über sein Tor zum 2:0, Emil Forsberg (hinten) hatte Leipzig zuvor in Führung gebracht.
Willi Orban jubelt über sein Tor zum 2:0, Emil Forsberg (hinten) hatte Leipzig zuvor in Führung gebracht. dpa

Hannover feiert den Frühling. Die Landeshauptstadt tat dies Samstag mit einem Fest hinter dem Stadion, Schießbude, Riesenrad, Grill – alles da. Geplant war es auch, um das Nachmittagsspiel von Hannover 96 gegen RB Leipzig zu unterstützen. Konkurrenz sollte es keines sein.

Ist es aber lange Zeit gewesen, bis beide Mannschaften sich der 42.300 Zuschauer erbarmten und ein Duell vorführten, das die Herzen höherschlagen ließ. Binnen elf Minuten fielen vier Tore und sogar der Videoschiedsrichter eilte hinzu, um den dramatischen Höhepunkt beizusteuern. Er bewertete den letzten Treffer als irregulär (Abseits), so dass am Ende RB Leipzig mit aufgerauten Nerven 3:2 (1:0) gewann.

Videoschiedsrichter rettet RBL den knappen Sieg

Die Treffer erzielte nacheinander Emil Forsberg (16.), Willi Orban (55.), Salif Sané (71.), Yussuf Poulsen (56.) und Niclas Füllkrug (79.), dessen zweiter Treffer drei Minuten später abgepfiffen wurde.

Was war das für ein Ende, das so gar nicht zu den langen Minuten davor passte. Bis zum 2:1 war dieses Spiel nur mit Ostergeduld zu ertragen gewesen. Hannover war über weite Strecken derart schwach, nervös und wirkte planlos, dass den Sachsen lange eine durchwachsene Vorstellung reichte, um sich letztendlich mit Glück drei Punkte ins Gepäck zu legen. Aufgabe erledigt, den Abstand zu den Champions-League-Plätzen nicht abreißen lassen, ab nach Hause.

So kann man spielen, nicht jeder Gegner erforderte eine Ausnahmeleistung wie sie RB vor zwei Wochen beim 2:1 gegen den FC Bayern aus sich herausholte. Aber man braucht schon einen Gegner wie den Aufsteiger, um mit Durchschnitt und viel Glück so eine Partie zu gewinnen.

Die Sachsen begannen engagiert, pressten Hannover mustergültig, zwangen die nach vier Pleiten zuletzt verunsicherten Niedersachsen zu zahlreichen Fehlpässen, von denen einer zur Führung der Gäste führte. Nachdem Bruma nach Heber von Forsberg einen Kopfball noch knapp neben den Pfosten gesetzt hatte (5.) und Hannovers Felix Klaus den einzigen Torschuss der Gastgeber vor der Pause dem abgetauchten RB-Schlussmann Peter Gulacsi an die Fingerspitzen geschossen hatte (13.), vollendete Forsberg mit seinem zweiten Saisontor einen Lehrbuchkonter der Leipziger. Naby Keita hatte einen Fehlpass im Mittelfeld aufgenommen, er gab ihn weiter an Jean-Kévin Augustin, der Werner in die offene Gasse schickte. Der Nationalstürmer legte Forsberg mustergültig auf (16.).

Hannover steht lange Zeit nur hinten drin

Leipzig hatte in seinem gewohnten 4-2-2-2 mit Ibrahima Konaté für Dayot Upamecano in der Innenverteidigung als einzige nennenswerte Neuerung in der Startelf der Sachsen, so leichtes Spiel, dass ein zweites Tor nur eine Frage der Zeit zu sein schien. Aber kaum etwas passte zusammen an diesem Nachmittag, an dem auch das Wetter mit dem Frühlingsfest nicht viel zu tun hatte. Es war kühl und feucht.

Hannover in Rückstand, gab seine Mauertaktik nicht auf, stand also weiter tief, was RB dazu verleitete, das auf Amateurplätzen berüchtigte Schiebchen zu zelebrieren. Hacke, Außenrist, verdaddelte Doppelpässe – so plätscherte die Partie dahin. Symptomatisch war ein Konter der Sachsen, den Werner nur hätte auf Augustin spielen müssen, der allein bei sich stand und aus elf Metern freie Schussbahn hatte. Stattdessen schoss Werner in Bedrängnis selbst, sein Schuss ging weit am Toreck vorbei (39.).

Willi Orban trifft beim Jubiläum

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl hatte zu diesem Zeitpunkt die Nase schon einigermaßen voll vom Spiel seines Kaders, immer öfter winkte er missratene Aktionen frustriert ab. Er muss laut geworden sein in der Kabine, denn sein Team drängte nach dem Seitenwechsel auf das zweite Tor. Nachdem Werner einen Schuss aus fünf Metern noch ans Außennetz geschossen hatte, traf Abwehrchef Willi Orban früh in der 2. Halbzeit zum 2:0. Forsberg trat eine Ecke kurz auf Keita, der verlängerte ins Zentrum, wo der Kapitän in seinem 50. Bundesligaspiel nur die Stirn hinhalten brauchte (55.).

Hannover war jetzt erledigt – dachte man. Doch die Niedersachsen bäumten sich wie ein moribunder Patient auf. Mit dem Mut des Todgeweihten näherten sie sich dem Remis. Nach dem Anschlusstreffer durch Sané warf sie nicht mal das 3:1 durch Poulsen aus der Bahn. Füllkrug verkürzte drei Minuten später und glich kurz darauf aus. Nur eben nicht regulär. Jetzt war das Matchglück aufgebraucht, ein Osterwunder blieb aus. RB gewährte ihnen eine weitere Chance, Marvin Bakalorz aber setzte sie an den Pfosten (89.).

Statistik: Hannover 96 - RB Leipzig 2:3 (0:1)

Hannover: Tschauner - Sorg, Salif Sane, Anton (18. Elez) - Korb (46. Bebou), Schwegler, Ostrzolek - Klaus, Bakalorz - Jonathas (63. Füllkrug), Harnik. - Trainer: Breitenreiter
Leipzig: Gulacsi - Laimer, Konate, Orban, Bernardo - Demme, Keita - Forsberg (81. Upamecano), Bruma (60. Sabitzer) - Timo Werner, Augustin (69. Poulsen). - Trainer: Hasenhüttl
Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)
Tore: 0:1 Forsberg (16.), 0:2 Orban (54.), 1:2 Salif Sane (71.), 1:3 Poulsen (76.), 2:3 Füllkrug (78.)
Zuschauer: 42.300
Gelbe Karten: Sorg (3), Salif Sane (6), Schwegler (9) - Demme (4), Keita (7), Upamecano (2), Sabitzer (4)
Torchancen: 9:11
Torschüsse: 13:15
Ecken: 6:3
Ballbesitz: 45:55 %
Zweikämpfe: 137:109

(mz)