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Julian Nagelsmann

Julian Nagelsmann: RB Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl den TSG Hoffenheim-Trainer so respektiert

Leipzig - Vor dem Duell mit Leipzig überzeugt Hoffenheims Trainer Nagelsmann mit flotten Sprüchen. RB-Coach Hasenhüttl respektiert ihn nicht nur deswegen.

Von Ullrich Kroemer 27.01.2017, 08:00
Freudiges Aufeinandertreffen: Ralph Hasenhüttl und Julian Nagelsmann vor dem Hinspiel.
Freudiges Aufeinandertreffen: Ralph Hasenhüttl und Julian Nagelsmann vor dem Hinspiel. imago sportfotodienst

Hört man Julian Nagelsmann bei Pressekonferenzen vor Bundesligaspielen zu, braucht es nicht viel Fantasie, um seine Wirkung in der Mannschaftskabine zu erahnen. Der Trainer der TSG Hoffenheim sieht zwar aus, als könnte er für Kinder-Schokolade Reklame machen. Doch seine Präsenz strahlt ebenso wie sein Fachwissen eine Menge Erfahrung im Trainerjob aus.

Julian Nagelsmann spottet über Bayern-Gerüchte

Vor dem Bundesliga-Rückrundenauftakt der Hoffenheimer bei RB Leipzig am Samstag bediente sich der Coach parkettsicher der hohen Kunst der Ironie. Angesprochen darauf, dass er eines Tages auch für den FC Bayern interessant werden könne, antwortete Nagelsmann cool: „Ich bin in regem Austausch mit Ralph Hasenhüttl und Thomas Tuchel. Wir einigen uns gerade, wer Trainer und wer Co-Trainer wird.“

Der selbstbewusste Spruch zeigt: Nagelsmann ist nicht ausschließlich Experte, sondern überzeugt auch als medienaffiner Entertainer. Ein Naturtalent, das alle Spielarten des Trainergeschäfts bereits zu kennen scheint – im Alter von gerade 29 Jahren.

Ex-Hoffenheimer Marvin Compper lobt Julian Nagelsmann

RB Leipzigs Innenverteidiger Marvin Compper kennt den frühreifen Coach noch aus seiner Zeit in Hoffenheim, als der für kurze Zeit Co-Trainer des Profiteams war. Bereits damals, erinnert Compper, hatte Nagelsmann „ein cooles Auftreten und unheimliches Fachwissen. Er schafft es auch, das einer Mannschaft zu vermitteln und es auf dem Platz umsetzen zu lassen. Das ist schon beeindruckend“, sagt der einmalige Nationalspieler. „Er ist zwei Jahre jünger als ich, ich habe aber das Gefühl, er sei zehn Jahre älter.“

Nagelsmanns außergewöhnliche Begabung nötigt auch Ralph Hasenhüttl Respekt ab. Der RB-Coach sagt über seinen 20 Jahre jüngeren Kollegen: „Man merkt einfach, dass er schon viele Erfahrungen gemacht hat. Die Gefahren, die in diesem Job auf einen lauern, hat er bisher sehr gut umschifft.“ Hasenhüttl schätzt bei ihm „die Bodenständigkeit, die Fokussierung auf die wirklich wichtigen Bereiche seines Jobs“.

Welche Gemeinsamkeiten Julian Nagelsmann und Ralph Hasenhüttl haben

Auf den ersten Blick scheinen beide Fußballlehrer hinsichtlich ihrer Biografie nicht viele Gemeinsamkeiten zu haben. Als Nagelsmann 1987 geboren wurde, war Hasenhüttl bereits zwei Jahre Profi beim Grazer AK. Im Alter von 28 Jahren, als Nagelsmann Bundesliga-Cheftrainer wurde, begann der Stürmer Hasenhüttl gerade die europäische Fußballwelt zu entdecken. „Ich habe bis 37 Fußball gespielt. Das ist schon ein gewaltiger Altersunterschied“, staunt der Österreicher.

Doch die Topergebnisse, die beide abliefern, beweisen, dass der Generationen-Unterschied für Erfolg nicht erheblich ist. Hasenhüttl ist trotz seines Vorsprungs an Jahren nur vier Spielzeiten länger als Trainer aktiv. So arbeiteten sich beide in vergleichsweise kurzer Zeit über untere Ligen beziehungsweise Nachwuchs-Teams in die Bundesliga. Diese Erfahrungen – taktisch und pädagogisch – unterscheiden Hasenhüttl und Nagelsmann von früheren Star-Kickern, die ohne Lehrjahre als Trainer vergeblich auf Jobangebote aus der Bundesliga hoffen.

RB Leipzig gegen TSG Hoffenheim ein „El Plastico“?

Gepaart mit ihrem Trainertalent, der Fähigkeit zu harter Arbeit und Empathie sowie guter Außendarstellung macht das diese beiden Trainertypen zu den Bundesliga-Coaches der Stunde. Naturtalente und Taktikfüchse mit außergewöhnlichem Ehrgeiz, Demut und Offenheit für Neuerungen. Dass sich die Öffentlichkeit vor dem Duell der sogenannten Retortenklubs – genannt: „El Plastico“ – mehr über Fußball unterhält als über die Finanzierung durch Mäzene, ist auch der Verdienst ihrer Fußballlehrer. Ein offener Vergleich der beiden aktuell fußballerisch spannendsten Bundesliga-Teams.

Übrigens: Was den Bayern-Gag angeht, versuchte sich Hasenhüttl gar nicht erst an einer Antwort. „Der ist so gut, den lassen wir einfach mal so stehen. Beim Versuch, einen guten Spruch zu toppen, macht man es meist nur schlechter“, sagte er lächelnd.

Punktsieg für Nagelsmann.