Interview mit Dynamo-Präsident

Dynamo Dresden gegen RB Leipzig: Präsident Ritter greift vor dem DFB-Pokal-Spiel an

Dresden/Leipzig - Am Samstag ist blickt der Fußball-Osten auf Dresden: Dynamo gegen Leipzig - mehr Ostderby geht eigentlich nicht. Doch gerade der gelb-schwarze Zweitligist vermeidet vor dem Pokalduell mit Bundesliga-Aufsteiger RasenBallsport Leipzig den Begriff "Derby".

Von Martin Henkel 18.08.2016, 02:45
Andreas Ritter ist stolz die lange Tradition von Dynamo Dresden.
Andreas Ritter ist stolz die lange Tradition von Dynamo Dresden. imago sportfotodienst

Am Samstag ist blickt der Fußball-Osten auf Dresden: Dynamo gegen Leipzig - mehr Ostderby geht eigentlich nicht. Doch gerade der gelb-schwarze Zweitligist vermeidet vor dem Pokalduell mit Bundesliga-Aufsteiger RasenBallsport Leipzig den Begriff "Derby". Der fehlenden Tradition des Gegners wegen.

Über die Rivalität zwischen Dynamo und RBL sowie die Chancen auf eine sportliche Überraschung sprach MZ-Reporter Martin Henkel mit Dresdens Präsident Andreas Ritter.

Herr Ritter, wie geht es Ihren Nerven vor dem Spiel Ihres Vereins Dynamo Dresden gegen RB Leipzig?
Andreas Ritter: Gut.

Wie ist die Stimmung im Verein?
Ritter: Nach den letzten beiden Punktspielen (zwei Unentschieden) hervorragend.

Gehen sie als Außenseiter in dieses Spiel?
Ritter: Na klar.

Aber sie können den Erstligisten bezwingen?
Ritter: Wir haben im Pokal unter anderem auch schon gegen Mannschaften wie Schalke 04 gezeigt, dass wir höherklassige Mannschaften schlagen können. Und wir sind immerhin schon im Saisonrhythmus, Leipzig nicht. Unsere Chancen stehen also nicht schlecht.

Andreas Ritter: "Tradition kann ich bei RasenBallsport Leipzig nicht erkennen"

Wenn Sie verlieren, was bedeutet das für die Konstellation im sächsischen Fußball? Bis dato ist Dynamo Dresden der Krösus gewesen.
Ritter: Was soll das schon bedeuten?

Sie wären der Derby-Verlierer?
Ritter: Ich sehe hier kein Derby, weil dazu Tradition gehört. Und die kann ich bei Rasenballsport nicht erkennen. Dazu müssten sie schon ein alteingesessener sächsischer Verein sein. Und das sind sie nicht.

RB Leipzig empfindet das anders und verweist gern auf die gestiegenen Popularitätswerte in Sachsen, die dem Vernehmen nach höher sein sollen als bei Dynamo Dresden.
Ritter: Rasenballsport ist in Leipzig präsent, wir hier in Dresden, und ich kann Ihnen versichern, dass wir in Dresden von einem Popularitätsschwund definitiv nichts spüren. Wir haben jetzt 18.000 Mitglieder, es liegen schon wieder zig Anträge vor. Ich glaube, das ist bei Rasenballsport so nicht der Fall.

Verfolgen Sie die Entwicklung ihres Konkurrenten?
Ritter: Eigentlich nicht, aber ich gratuliere ihnen zum Aufstieg.

Dynamo Dresden zeigt RB Leipzigs Logo nicht. Wieso nicht?
Ritter: Das macht ja nicht nur Dynamo Dresden, sondern das haben in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Reihe anderer Vereine auch nicht getan.

Andreas Ritter: "Wir sind ein demokratischer Traditionsverein"

Fans und Verein lehnen ebenso Testspiele gegen RB Leipzig ab. Dazu haben sie sich in einer gemeinsamen Fancharta unter dem Paragrafen 2.1.13 verpflichtet. Woher kommt diese Abneigung?
Ritter: So ist das eben. Es ist mühselig, darüber zu sprechen. Die Charta ist schon ein paar Jahre alt.

In der Charta geht es hauptsächlich um Selbstverpflichtungen der Fans in Sachen Stadionverhalten, Bekleidung etc. Warum der Passus gegen Leipzig?
Ritter: Die Fans haben sich das so gewünscht.

Und der Verein hat diese Haltung übernommen?
Ritter: Wir haben dem Wunsch entsprochen. Wir sind ein demokratischer Traditionsverein, dem die Meinung seiner Mitglieder und Fans wichtig ist. Darauf sind wir stolz.

Das Spiel wird u.a. als eine Auseinandersetzung zwischen Tradition und Kommerz bewertet. Teilen Sie diese Lesart?
Ritter: In meinen Augen handelt es sich um ein Pokalspiel Dresden gegen Leipzig. Wir spielen Fußball. Punkt.

Andreas Ritter: "Wir werden die Rivalität auf dem Platz austragen"

Dynamo Dresden erweckt momentan einen anderen Eindruck. Siehe Logo. Siehe Charta.
Ritter: Das wird zu hoch gehangen. Wir werden die Rivalität auf dem Platz austragen und nicht auf den Rängen.

RB hat bei Dynamo Dresden um eine gemeinsame Pressekonferenz geworben. Auch um das Spiel zu normalisieren. Sie haben abgelehnt. Warum?
Ritter: Genau aus den vorgenannten Punkten.Wir haben dafür keine Notwendigkeit gesehen und eine gemeinsame Pressekonferenz ist eigentlich nicht üblich. Das haben wir in der Vergangenheit noch nie so gehalten.