K.o.-Schlag schockt den MBC Mitteldeutscher BC geschockt: James Farr nach K.o.-Schlag im Krankenhaus

Gießen/Weißenfels - Plötzlich war alles anders. Minutenlang herrschte Stille in der zuvor so stimmungsgeladenen Sporthalle Gießen-Ost. Das Auswärtsspiel des Mitteldeutschen Basketball Clubs (MBC) bei den Gießen 46ers bog gerade in die heiße Phase ein, fünf Minuten standen noch auf der Uhr – doch dann geriet der Basketball zur Nebensache.
Der Weißenfelser Center James Farr blieb nach einem Schlag gegen den Kopf beim Kampf um den Rebound bewusstlos am Boden liegen. Manager Martin Geissler versperrte der Kamera den Blick, wollte nicht, dass die Situation gefilmt wird. Mitspieler Sergio Kerusch betete auf dem Parkett. Und Farr wurde vom Notdienst auf eine Trage gehievt und unter dem Applaus der Zuschauer aus der Halle gebracht.
Zu diesem Zeitpunkt lag der MBC mit sechs Zählern zurück (71:77). Der Überraschungserfolg zum Auftakt in die neue Bundesligasaison war zum Greifen nah. Am Ende reichte es jedoch nicht: Der Erstligist aus Weißenfels musste sich trotz großem Kampf mit 84:91 geschlagen geben.
James Farr muss ins Krankenhaus: „Er war für kurze Zeit komplett weggetreten“
Die wichtigste Frage nach dem Schlusspfiff war jedoch nicht sportlicher Natur. Sie richtete sich vielmehr nach dem Wohlbefinden von Farr, dem 2,06-Meter-Mann aus den USA. „Zwischenzeitlich ist er wieder ansprechbar, kann sich aber nicht richtig bewegen“, sagte Martin Geissler wenige Minuten nach der Pleite am Mikrofon von Telekomsport. „Er war für kurze Zeit komplett weggetreten. Es könnte etwas mit der Halswirbelsäule sein. Er wird jetzt für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht.“
Am Abend gab der MBC eine erste Entwarnung: Farr hat demnach eine schwere Prellung der Halswirbelsäule erlitten. Glück im Unglück also für den Forward, der aber dennoch einige Tage ausfallen wird.
Auch wenn in Gießen angesichts des bangen Wartens auf eine Diagnose bei Farr kaum an das Spiel zu denken war, bilanzierte Geissler: „Wir waren bis zum Ende im Spiel und haben um den Sieg gekämpft. Das macht uns Hoffnung für die kommenden Aufgaben.“ Und dass der MBC lange in der Partie geblieben war, lag zu großen Teilen auch an Farr.
Center Aleksandar Marelja wird beim MBC schmerzlich vermisst
Ausgerechnet im Duell mit dem wohl besten Centerspieler der Bundesliga, dem 2,11 Meter großen und 127 Kilogramm schweren US-Amerikaner John Bryant, musste der MBC nämlich auf seinen etatmäßigen Center Aleksandar Marelja verzichten. Eine Muskelverletzung setzt den 2,07 Meter großen Serben bereits seit zwei Wochen außer Gefecht. Am Sonntag bekamen an seiner Stelle Youngster Benedikt Turudic und eben James Farr mehr Spielzeit. „Die beiden haben das auch sehr gut gemacht“, meinte Geissler.
Gießen setzte die Weißenfelser von Beginn an unter Druck. Der MBC musste mit der Ganzfeldverteidigung der Hausherren zurechtkommen – und ließ sich beeindrucken: Nach zweieinhalb Minuten lag das Team von Chefcoach Aleksandar Scepanovic mit zehn Zählern zurück (2:12). Am Ende des ersten Viertels führten die Gießener deutlich mit 31:19.
MBC: Verletzung von James Farr schockt auch die Gegenspieler
Im zweiten Viertel holte der MBC auf, erarbeitete sich eine 46:43-Halbzeitführung. Diesen Vorsprung gab Weißenfels im dritten Viertel zwar wieder ab, ging mit einem 63:67-Rückstand in den letzten Spielabschnitt. Fünf Minuten vor Schluss war die Chance auf den Sieg allerdings noch da.
Dann kam die Verletzung von Farr, dann kamen die bangen Momente. „So etwas bringt ein Team aus dem Rhythmus“, sagte auch Gießens Benjamin Lischka. „Da haben alle in der Halle den Atem angehalten. Wir können alle nur hoffen, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“ Dieser Wunsch erfüllte sich am Abend mit der ersten Diagnose. (mz)