Ehrgezeiger Zugang aus Finnland

„Wir wollen aufsteigen“: Joonas Niemelä greift mit den Saale Bull an

Der finnische Stürmer Joonas Niemelä ist der wichtigste Zugang bei Oberligist Saale Bulls. Was den Neuen ausmacht und welche Ziele er anpeilt.

Von Christopher Kitsche
Der finnische Zugang Joonas Niemelä beim gewissenhaften Aufwärmen vor dem Training.
Der finnische Zugang Joonas Niemelä beim gewissenhaften Aufwärmen vor dem Training. (Foto: Sylvio Hoffmann)

Halle (Saale)/MZ - Angetan vom Arbeitseifer des Neuen war Ryan Foster, Trainer der Saale Bulls, recht schnell, überrascht hingegen weniger. Im Juni verpflichtete sein Verein den finnischen Stürmer Joonas Niemelä vom italienischen Klub HC Gherdëina.

Der 24-Jährige ersetzt seinen Landsmann Valtteri Hotakainen als zweiten Importspieler bei den Bulls, soll neben dem ebenfalls finnischen Stürmer Tatu Vihavainen Torgarant des Eishockey-Oberligisten sein. Und Foster legt sich schon nach den ersten drei Trainingstagen seiner Mannschaft fest: „Es ist bei Joonas so wie bei Valtteri und bei allen Finnen: Sie haben eine sehr professionelle Einstellung.“

Dass die Lobeshymne auf den Zugang mehr ist als nur Trainer-Allgemeinplätze, wird zuvor beim Interviewtermin Niemeläs mit der MZ deutlich. Auf den einleitenden Hinweis, dass nach dem Gespräch noch ein Fotograf hinzukommt, um ihn abzulichten, antwortet der Finne: „Das ist kein Problem, ich möchte mich aber rechtzeitig warm machen.“

Joonas Niemelä bei den Saale Bulls: „Wir wollen in diesem Jahr aufsteigen“

Als sich einige Spieler der Saale Bulls dann später bei einer lockeren Runde Fußball-Tennis auf die Einheit auf dem Eis einstimmen, sucht man den Finnen aber vergeblich. Niemelä trainiert lieber direkt nebenan in einem provisorischen Fitnesszelt, macht vor dem Training fleißig Stabilisationsübungen und stemmt Gewichte. „Eine Runde bin ich immer mal wieder bei den Jungs dabei, aber ich mache lieber mein eigenes Ding.“ Er weiß eben genau, was sein Profikörper braucht.

Joonas Niemelä beim Training der Saale Bulls auf dem Eis.
Joonas Niemelä beim Training der Saale Bulls auf dem Eis.
(Foto: Sylvio Hoffmann)

Und wer so hart an sich und seinem Spiel arbeitet, der kommt natürlich auch mit hohen Zielen zu einem neuen Klub. „Wir wollen in diesem Jahr aufsteigen“, sagt Niemelä frei heraus. Dass der Verein ähnliche Ambitionen verfolgt, in die DEL2 will, war mit ein Grund, warum er sich für Halle entschieden hat.

„Ich will Spiele auf einem hohen Level erreichen“, so der ehemalige finnische Juniorennationalspieler, der vor seiner Vertragsunterzeichnung auch den Austausch mit Landsmann Vihavainen suchte. „Als die Verpflichtung näher rückte, habe ich mit Tatu über die Mannschaft und Halle gesprochen. Er hat viele Vorteile des Umfelds hier genannt.“

Joonas Niemelä tauschte sich mit Tatu Vihavainen über Halle aus

Den ein Jahr älteren Vihavainen kannte er schon aus Duellen in der zweiten finnischen Liga, zu einem persönliches Kennenlernen mit seinem künftigen Sturmpartner kam es jedoch erst in Zuge des Transfers. „Er ist ein talentierter Spieler. Es wird Spaß machen, mit ihm zusammenzuspielen“, sagt Niemelä. .„Er ist etwas größer als ich und ich habe dadurch, dass ich in der Mitte als Center spiele, etwas mehr defensive Aufgaben. Wir werden uns sicher gut ergänzen.“

Die Erwartungen an das finnische Duo sind hoch: „Sie sollen die besten Spieler auf dem Eis sein“, betont Coach Foster. So ist das immer in der Oberliga, wo nur zwei Ausländer erlaubt sind. Mit der Bürde weiß Niemelä aber umzugehen. „Ich fühle mich nicht so schnell unter Druck gesetzt, es ist mehr eine Herausforderung für mich. Ich weiß, dass ich die Erwartungen erfüllen kann“, sagt er selbstbewusst.

Und: Neben der Finnen-Power sei ja noch viel mehr Qualität im Kader, sagt Niemelä und zieht einen Vergleich zu seiner letzten Station in Italien. „Dort hatten wir vier bis fünf Importspieler, die erste und zweite Reihe war dadurch sehr gut, die dritte und vierte hingegen nicht so stark. Das Team hier ist von der Qualität her ausgeglichener.“

Joonas Niemelä spielt für die Saale Bulls, aber seine Familie bleibt in Finnland

Das kann er nach wenigen Tagen und trotz einiger Verständigungsprobleme bereits sagen. „Die Ansprachen des Trainers sind in Deutsch, deshalb muss ich manchmal nachfragen, was er meint“, sagt Niemelä. Das soll bald aber nicht mehr nötig sein: Der Finne lernt fleißig Deutsch. „Hoffentlich wird es im Laufe der Saison immer besser“, sagt er.

Wenn zwischen Spielen, Training und Deutschstunden freie Zeit bleibt, kocht Niemelä gern oder hält online Kontakt zu Freunden, alten Teamkollegen und natürlich zur Familie. „Sie ist mir sehr wichtig. Ich bin in Espoo, einer Großstadt in der Nähe von Helsinki aufgewachsen, meine Familie und auch meine Freundin, mit der ich seit sieben Jahren zusammen bin, leben alle dort.“

Über längere Zeit von ihnen getrennt zu sein, sei nicht immer einfach: „Es ist natürlich ein bisschen traurig, dass ich nicht bei ihnen sein kann, aber manchmal musst du eben tun, was du tun musst.“ Das weiß der so professionelle Finne.