Sören Sturm unterschreibt in Halle

Aufrüsten für den Aufstieg: Saale Bulls gelingt Transfer-Coup in der Oberliga

Die Saale Bulls verpflichten mit Sören Sturm einen Top-Verteidiger aus der DEL2. Wie dem Oberliga-Tabellenführer der Transfer-Coup gelungen ist.

Von Fabian Wölfling 12.01.2022, 20:39
Sören Sturm legte für Kaufbeuren in dieser Saison 24 Scorerpunkte in 31 Spielen auf.
Sören Sturm legte für Kaufbeuren in dieser Saison 24 Scorerpunkte in 31 Spielen auf. (Foto: imago images/Kessler-Sportfotografie)

Halle (Saale)/MZ - In diesem Transfer, der zweifellos das Label „Coup“ verdient, steckt ausdauernde Überzeugungsarbeit. „Zwei Jahre“, sagt Kai Schmitz, Sportchef der Saale Bulls. So lang habe er immer wieder Anläufe unternommen, bis endlich die Zusage kam.

Wenn man so will, nahm der Wechsel von Sören Sturm zum halleschen Eishockey-Oberligisten seinen Anfang aber sogar noch viel früher. „Ich kenne ihn schon mein ganzes Leben, habe in Köln als Junior mit seinem Bruder zusammengespielt“, erzählt Schmitz.

Jetzt finden die Wege der Exil-Rheinländer rund 30 Jahre später in Halle wieder zusammen. Am Mittwoch haben die Saale Bulls die Verpflichtung des Verteidigers bekanntgegeben. Sturm hat einen Vertrag bis 2024 samt Option auf ein weiteres Jahr unterschrieben.

Saale Bulls rüsten für den Aufstieg in die DEL2 auf

Er ist ein Transfer, der in der Eishockey-Oberliga-Landschaft für Furore sorgt. Schmitz bezeichnet ihn als „spektakulärsten der Vereinsgeschichte“. Die Bulls spielen ja bereits eine starke Saison, sind mit Vorsprung Tabellenführer der Oberliga Nord. Mit Sturm verstärken sie ihren Erfolgskader jetzt zusätzlich mit einem Kracher. Es ist ein eindeutiges Signal: „Wir unterstreichen, dass wir es mit dem Ziel Aufstieg ernst meinen und die Chance wittern, es schon in dieser Saison zu schaffen“, betont Schmitz.

Sturm war Juniorennationalspieler, hat 312 Erstligaspiele für München und Straubing mit 54 Scorerpunkten und 466 Zweitligapartien unter anderem für Kassel, Ravensburg und zuletzt Kaufbeuren absolviert. Insgesamt kommt der offensivstarke Abwehrmann auf 311 Punkte im Unterhaus. Seine 249 Zähler seit der Umbenennung der zweiten Liga in DEL2 in 2015 sind sogar Bestwert unter Verteidigern. Zweimal war er DEL2-Meister.

Sören Sturm soll bei den Saale Bulls als Leader vorangehen.
Sören Sturm soll bei den Saale Bulls als Leader vorangehen.
(Foto: imago images/Nordphoto)

Schmitz, der seine aktive Karriere, Anfang der Saison wegen chronischer Knochenhautentzündung beenden musste, sieht in Sturm seinen Nachfolger. „Sportlich kann ich mich mit ihm nicht vergleichen“, sagt er. „Aber Sören ist auch ein Leader, ein Vollprofi.“

Sören Sturm unterschreibt langfristigen Vertrag bei den Saale Bulls

Mit 32 Jahren ist Sturm auch noch im besten Eishockey-Alter. Was zieht solch einen Hochkaräter in der Oberliga? „Als Kai vor zwei Jahren das erste Mal angefragt habe, konnte ich mir einen Wechsel in die Oberliga noch nicht vorstellen“, gibt Sturm in einem ersten Gespräch mit der MZ zu. „Aber er hat sich sehr viel Mühe gegeben, ist dran geblieben und hat mir auch die Ambitionen des Klubs aufgezeigt.“ Die eben Aufstieg in die DEL2 heißen.

Weil ihm dann auch Kaufbeuren kein Angebot vorlegte, unterschrieb Sturm nun den langfristigen Vertrag in Halle. Eigentlich erst ab nächster Saison, in den vergangenen Tagen überschlugen sich jedoch die Ereignisse. Kaufbeuren stellte Sturm überraschend frei. Wohl als Sündenbock nach einer Niederlagenserie.

„Es ist definitiv nichts vorgefallen. Sie haben mir nur gesagt, dass ich sportlich keine Hilfe mehr bin, vielleicht haben sie gedacht, dass ich mit dem Kopf schon in Halle bin“, sagt Sturm, immer noch perplex. Die Begründung verwundert nämlich. Mit 24 Scorerpunkten in 31 Spielen war er offensivstärkster Verteidiger des Teams. Sieht nicht nach Fokusproblemen aus.

Saalesparkasse macht Transfer von Sören Sturm zu den Saale Bulls möglich

Plötzlich war Sturm so aber direkt verfügbar und weil die Saalesparkasse, der Hauptsponsor, zusätzliches Geld zur Verfügung stellte, für die Bulls auch direkt finanzierbar. Am Sonntag (18.15 Uhr) beim Heimspiel gegen Herne wird er erstmals auflaufen.

Der neue Mann kommt mit klaren Zielen. „Ich will immer gewinnen, auch bei Brettspielen“, sagt er. „Natürlich will ich deshalb auch Meister werden und aufsteigen.“ Gleichzeitig will sich Sturm, der verheiratet und ein Hundeliebhaber ist, innerhalb des Teams aber auch nicht in den Vordergrund spielen. „Die Mannschaft war ja bisher sehr erfolgreich, ich will deshalb auf keinen Fall Unruhe reinbringen, sondern einfach den Jungs helfen, so gut ich kann“, sagt er.