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MBC-Trainer Poropat im Interview MBC-Trainer Silvano Poropat über seine Zukunft: "Alles ist möglich"

18.05.2019, 12:02
Silvano Poropat hat den MBC zum Klassenerhalt geführt. Hat er nun eine Zukunft in Weißenfels?
Silvano Poropat hat den MBC zum Klassenerhalt geführt. Hat er nun eine Zukunft in Weißenfels? www.imago-images.de

Weißenfels - Eigentlich hat es Silvano Poropat an seinem vorerst letzten Tag in Weißenfels eilig. Doch für den Interview-Termin mit der MZ nimmt sich der Trainer in der Geschäftsstelle des Mitteldeutschen Basketball Clubs (MBC) trotzdem eine Stunde Zeit. „Es gibt noch viel zu regeln“, sagt der 48 Jahre alte Kroate. Und den Fans des Bundesligisten kommt da vor allem eine Frage in den Sinn: Bleibt der Erfolgstrainer bei den Wölfen? Und wenn ja: In welcher Funktion? Das wollen sie alle wissen. 

Bereits von 2011 bis 2015 stand Poropat beim MBC an der Seitenlinie. Im Januar dieses Jahres kehrte er zurück – und führte den abstiegsbedrohten Klub zum Klassenerhalt. Nun ist sein Vertrag ausgelaufen. Daniel George hat sich mit ihm unterhalten.

Herr Poropat, Manager Martin Geissler hat kürzlich gesagt, Ihnen habe der Klassenerhalt mit dem MBC so viel bedeutet wie niemand anderem im Verein. Warum?
Poropat: Ich denke, ich kann dafür drei Gründe nennen. Nachdem ich mich im Dezember 2015 nach schon längerer Krankheit (Poropat erhielt nach dem Ende der Saison 2012/2013 die Diagnose Schilddrüsenkrebs, Anm. d. Red.) und Erfolgslosigkeit gezwungen sah aufzuhören, hatte ich das Gefühl, den Kreis noch nicht geschlossen zu haben. Ich wollte es zu einem guten Ende bringen und das ist uns nun gelungen. Außerdem hat der Klassenerhalt so eine große Bedeutung für mich, weil mir nicht nur der Verein, sondern auch die Menschen hier ganz besonders am Herzen liegen. Sie haben mir und den Wölfen über die ganze Zeit ihre bedingungslose Unterstützung und Liebe gegeben. So konnte ich beides erwidern. Auch für mich persönlich hat das Erreichen des Saisonziels einen hohen Stellenwert. Nach längerer Leidenszeit habe ich mir bewiesen, dass ich zurückkommen und diese große Hürde überwinden konnte. Hier wieder auf höchstem Level zu coachen und zu arbeiten zeigt mir, dass die Kraft schwere Zeiten zu überwinden in mir schlummert. Gleichzeitig ist dies auch ein Zeichen für Menschen, die sich in einer schweren Lebensphase befinden. Vielleicht kann ich so ein Beispiel für andere sein und die Hoffnung entfachen, dass es möglich ist, sich wieder zurück zu kämpfen.

Wie haben Sie sich durch Ihre Krankheit verändert?
Ich bin ruhiger geworden, auch wenn es in mir immer noch kocht, wenn ich an der Seitenlinie stehe. Ich sitze während der Spiele jetzt aber auch mehr, beobachte mehr und versuche, bewusster zu handeln. Auch meine Einstellung zu dem Job hat sich geändert.

Inwiefern geändert?
Basketball war früher mein Leben, 24 Stunden, jeden Tag. Alles war davon abhängig, ob wir gewinnen oder verlieren, ob wir einen guten oder schlechten Trainingstag hatten. Und Basketball ist auch immer noch mein Leben. Das wird sich nie ändern. Aber ich will mich nicht mehr nur darüber definieren, was auf dem Parkett passiert. Jeder Mensch hat verschiedene Rollen im Leben, zwischen denen du eine Balance finden musst. Wenn es in dem einen Bereich dann mal nicht so läuft, fängst du das mit einem anderen ab.

Ihr Privatleben spielt sich mittlerweile in den Niederlanden ab. Ist das mit einem weiteren Engagement in Weißenfels vereinbar?
Das ist die große Frage. Darüber muss ich vor allem mit meiner Freundin reden. Wir werden gemeinsam eine Entscheidung treffen. Und dafür brauchen wir jetzt etwas Zeit. Das ist gar nicht so einfach, die zu finden, weil gerade so viel passiert in meinem Leben. Wir sind gerade in eine neue Wohnung umgezogen. Im Sommer trainiere ich die weibliche U-18-Nationalmannschaft der Niederlande, da geht es jetzt an die Vorbereitung. 

Bis wann wollen Sie sich entscheiden?
Ich werde ein paar Wochen brauchen und bitte die Fans um Geduld. Auch wenn nach dem letzten Saisonspiel schon jemand auf mich zukam und gesagt hat, ich solle jetzt doch gleich für vier, fünf Jahre unterschreiben (lacht).  

Sie suchen doch auch eher ein langfristiges Engagement, oder?
Das ständige Umziehen, nicht zu wissen, wo du als nächstes arbeitest, das hat mich früher als Trainer immer müde gemacht. Deshalb habe ich mich in den Niederlanden auch mit einer Beratungs-Agentur für Trainer, Spieler und Vereine selbstständig gemacht, um nicht abhängig davon zu sein, ob ein Klub dich will, dass jemand anruft. Das befand sich gerade im Aufbau, als Martin mich im Januar angerufen und gefragt hat, ob ich zum MBC zurückkehre. Da hat er meine Pläne durchkreuzt (lacht). Ich könnte mir jetzt aber auch erstmal einen Ein-Jahres-Vertrag mit Option auf eine längere Zusammenarbeit vorstellen, als Probe, als Zwischenetappe sozusagen. Aber schon mit dem Ziel: Wir wollen zusammen etwas auf die Beine stellen. 

Könnten Sie sich einen Verbleib beim MBC nur als Trainer oder auch als Sportdirektor vorstellen?
Alles ist denkbar. Natürlich bin ich zuallererst Basketballtrainer. Es wird mich immer reizen, an der Seitenlinie zu stehen und auf hohem Level zu coachen. Aber ich habe auch so viele Erfahrungen gesammelt im Laufe der Jahre, habe so viele Mannschaften zusammengestellt, dass das auch zu einer meiner Passionen geworden ist. Ich finde es unheimlich spannend, die richtige Konstellation zu finden – und übrigens haben wir auch nur den Klassenerhalt geschafft, weil uns das in den letzten Wochen gelungen ist. 

Was genau meinen Sie?
Wir haben nur Kleinigkeiten verändert. Zum Beispiel haben wir gemerkt, dass wir mit einem statt mit zwei Centern spielen sollten, dass Tremmell Darden besser auf der Position vier funktioniert als auf der drei. Das Wichtigste aber war: Wir haben die Mannschaft spielen lassen. Wir haben die Jungs nicht festgehalten, sondern laufen lassen. Unser Motto lautete: Gas geben.

Und so hatten Sie in den letzten zehn Saisonspielen die Bilanz eines Play-off-Teams.  
Nicht nur die Bilanz, auch die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war super. Wir haben unseren Stil gefunden. Den musste auch ich erstmal suchen. Am Anfang dachte ich, wir müssten noch mehr Fokus auf die Defensive legen. Da haben wir uns auch etwas verbessert. Aber diese Mannschaft war eine Mannschaft des Tempos. Wir mussten laufen, werfen, offensiv spielen. Das war ein Team, das so Basketball gespielt hat, wie es jeder Trainer mag. In meinen ersten Jahren beim MBC mussten wir das Tempo immer bremsen, weil wir nicht so ein Talent hatten wie in diesem Jahr. Jetzt war das anders.

Gab es einen Moment, an dem Sie am Klassenerhalt gezweifelt haben?
Nein. Ich wusste von Beginn an, dass es schwierig werden würde – aber es wurde im Laufe der Zeit nicht schwieriger. Der Hauptgrund dafür war, dass wir uns auf das Positive konzentriert haben – zum Beispiel auch nach dem verlorenen Spiel gegen Crailsheim, nach dem viele nicht mehr an uns geglaubt haben. Zusammen mit meinem Trainerkollegen Aleksandar Scepanovic und Martin Geissler haben wir eine starke Einheit abgegeben, die einander die nötige Kraft und den Rückhalt gegeben hat, um die Mission Klassenerhalt zu realisieren. Starke Menschen im Rücken machen einen starken Trainer. Nur gemeinsam konnten wir das große Ganze bewerkstelligen. Zusammen mit dem restlichen Trainerstab und der Organisation haben wir uns haben wir uns geschworen, den Verbleib in der BBL zu sichern und stets aneinander zu glauben. Unser Fokus lag dabei immer auf der Hoffnung. Darauf, dass Andrew Warren fit wird. Darauf, dass Trevor Releford von seiner Verletzung zurückkehrt. Und darauf, dass die Formkurve der Spieler nach oben zeigt. So war es dann bei vielen ja auch – bei Tremmell Darden, Jovan Novak, David Brembly oder Benedikt Turudic zum Beispiel. Die Basis für den Klassenerhalt war unser Glauben daran. Und noch etwas anderes, was mir besonders wichtig war. 

Was denn?
Wir mussten im Wolfsbau wieder eine Macht werden und das haben wir geschafft. Mit großem Kampf haben wir die Fans wieder auf unsere Seite gezogen. Sie haben uns fantastisch unterstützt. Wir haben wieder alle zusammengehalten. Und diesen Zusammenhalt brauchen wir hier beim MBC mehr als bei jedem anderen Bundesliga-Verein. 

Warum ist das so?
Weil der MBC ein kleiner Klub ist. Auch nach der Etat-Erhöhung, die eine tolle Sache ist, weil der Verein in den letzten Jahren finanziell ja etwas auf der Stelle getreten ist, gehört der MBC noch zu den Teams mit dem kleinsten, wenn nicht dem kleinsten Budget. Wir müssen dankbar sein, dass wir überhaupt auf diesem Bundesliga-Level sind. Wir müssen das genießen und hart arbeiten. Wir dürfen nicht immer nur meckern. Und wir dürfen uns nicht zu klein machen, uns aber auch nicht zu wichtig nehmen. Wir dürfen nicht denken, dass wir gegen bestimmte Teams gewinnen müssen. Solche Gedanken sind schädlich für einen kleinen Klub. Immer, wenn wir eine ordentliche Leistung bieten und alles geben, dann müssen wir zufrieden sein.

Was wünschen Sie sich also für die Zukunft des MBC?
Dass die Fans in die Halle kommen und die Mannschaft bedingungslos unterstützen, dass die Mannschaft kämpft. Mit dieser positiven Energie kann hier Großartiges passieren. Und egal, ob ich da sein werde oder nicht, sage ich deshalb zu den Fans: Lasst uns diese Stimmung mit in die nächste Saison tragen. Wir sind eine Einheit. Nur so geht es beim MBC.