MBC-Coach Scepanovic im Interview MBC-Coach Aleksandar Scepanovic im Interview: "Die Spieler lieben mich nicht"

Weißenfels - Für Aleksandar Scepanovic wird die Spielzeit 2018/2019 eine besondere – nämlich seine erste als Cheftrainer in der Basketball-Bundesliga (BBL). Seine Debütsaison beginnt für den Trainer des Mitteldeutschen Basketball Clubs (MBC) aus Weißenfels am Sonntag mit dem Auswärtsspiel in Gießen (Beginn: 15 Uhr).
Daniel George sprach mit dem 35 Jahre alten Kroaten zuvor über den Umgang mit Erfolgsdruck, die Bedeutung des Klassenerhalts und die größten Herausforderungen für den MBC.
Herr Scepanovic, wie gehen Sie mit Druck um?
Scepanovic: Ich habe absolut kein Problem mit Druck. Der kommt ja meist von außen. Wenn dein Team auf dem Parkett und du als Trainer an der Seitenlinie stehst, geht es nur darum, dass du als Kollektiv funktionierst und den Sieg einfährst. Der Druck von außen hat mich nie gestört. Aber ich bin auch noch ein Trainerneuling in der BBL, vielleicht spreche ich in ein paar Monaten anders darüber (lacht).
Aleksandar Scepanovic wurde am 11. Dezember 1982 geboren. Als Spieler war der Kroate zehn Jahre lang Profi in seinem Heimatland, Slowenien und Ungarn. Später arbeitete der 1,98 Meter große Scepanovic als Nachwuchs- und Assistenztrainer beim kroatischen Erstligisten KK Kvarner Rijeka. 2016 stieg er mit Karlsruhe von der Regionalliga in die Pro B auf, schaffte in der folgenden Saison umgehend den Durchmarsch in die Pro A. Im Sommer 2017 schloss er sich dem MBC an als Co-Trainer des damaligen Chefcoaches Igor Jovovic. Nun folgte seine Beförderung, weil Erfolgstrainer Jovovic den Klub in Richtung Polen verließ.
In der vergangenen Saison waren Sie noch Assistenztrainer, jetzt sind Sie der Chef beim MBC. Was hat sich verändert?
Als Assistenztrainer musst du zahlreiche Aufgaben erledigen, die die Öffentlichkeit nicht sieht. Du musst Videos schauen, Kleinigkeiten vor den Spielen und Trainingseinheiten vorbereiten und dem Chefcoach deine Meinung und Ratschläge geben. Am Ende trifft er aber die Entscheidungen. Das ist jetzt meine Aufgabe. Manche finden diese ständige Entscheidungsfindung stressig, ich genieße sie.
Haben Sie diese Rolle, diese Verantwortung in der vergangenen Spielzeit vermisst?
Nein, weil es mein Job war, Chefcoach Igor Jovovic bestmöglich zu unterstützen. Und ich hoffe, dass ich das getan habe. Wir haben noch immer ein sehr gutes Verhältnis. Als Manager Martin Geissler mir nach Igors Abschied die Chance eröffnet hat, den Job zu übernehmen, war mir sofort klar, dass ich sie nutzen werde. Ich bin sehr dankbar dafür. Für mich wird jetzt alles aufregender als im letzten Jahr.
Martin Geissler erklärte kürzlich, der Klassenerhalt sei in dieser Saison so wichtig wie nie zuvor für den MBC. Hintergrund ist der neue Mindestetat der BBL, welcher ab 2019/2020 gilt. Stimmen Sie Ihrem Manager zu?
Das passt doch hervorragend, für mich ist es nämlich auch die wichtigste Saison, weil es meine erste als Cheftrainer in der BBL ist und ich unbedingt mit dem MBC in der Liga bleiben will. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis mit dem Management. Sie vertrauen mir und ich spüre ihre Rückendeckung. Das ist unheimlich wichtig in diesem Geschäft. Die Liga will, dass die Klubs künftig drei Millionen Euro als Mindestetat vorweisen. Sie will die beste Liga Europas werden und das ist ein Schritt auf dem Weg dahin. Für den MBC als kleineren Verein ist es natürlich verdammt schwer, dieses Geld aufzutreiben – aber es wird wesentlich einfacher, wenn wir sportlich den Klassenerhalt schaffen.
Was eine große Herausforderung wird.
Klar, aber ich habe in meiner Karriere bislang jeden Trainerjob als Herausforderung gesehen. Das motiviert mich. Deshalb verlange ich meinen Spielern so viel ab, weil ich will, dass wir zu dem bestmöglichen Team werden, dass wir sein können. Dass jeder Einzelne das Maximum aus sich herausholt – in jedem Training, in jedem Spiel.
Wie würden Sie sich als Trainer selbst beschreiben?
Sich selbst den Spiegel vorzuhalten, ist immer schwer. Das können andere besser beurteilen. Manche sagen, ich sei extrem leidenschaftlich, verrückt an der Seitenlinie. Auf jeden Fall bin ich kein „Players Coach“, wie es im Basketball heißt. Also ein Trainer, den die Spieler lieben. Die Spieler lieben mich nicht. Und das müssen Sie auch nicht.
Weil es am Ende nur darauf ankommt, Basketballspiele zu gewinnen.
Ganz genau. Sie müssen mich nicht lieben, sie müssen mich nicht mögen, aber sie müssen ihre Leistung abrufen. Sie müssen bei mir immer ans Limit gehen. Und sie müssen das tun, was für das Team am besten ist. Im Basketball denken viele Spieler oft zuerst an sich selbst, aber das ist der falsche Weg. Wir müssen alle keine guten Freunde sein, aber wir müssen das tun, was für den MBC am besten ist – Spiele gewinnen, und zwar so viele wie möglich.
Welche Art von Basketball wollen Sie spielen lassen?
Ich will spielen wie die Golden State Warriors, Fenerbahce Istanbul oder Real Madrid (lacht). Aber wir müssen realistisch bleiben. Ich richte meine Spielphilosophie immer an den Möglichkeiten aus. Wenn du wie wir neun neue Spieler verpflichtest, musst du sehen, welche Rolle für jeden Einzelnen am besten ist. Wir haben ein jüngeres, hoffentlich hungrigeres Team als in der letzten Saison zusammengestellt, dass der Welt zeigen will, dass es in eine der besten Ligen Europas gehört.
Mit Alex Ruoff musste die Schlüsselverpflichtung den Klub verletzungsbedingt bereits wieder verlassen. Wie schwer wiegt sein Verlust?
Sehr schwer. Er sollte unser Anführer sein. Er war der Erfahrenste, er weiß, was wichtig ist, um in der Bundesliga zu gewinnen. Jetzt müssen andere diese Rolle einnehmen.
Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer der Vorbereitung?
Wir haben zwar eine exzellente Vorbereitung gespielt, neun von elf Spielen gewonnen, aber das interessiert niemanden. Natürlich ist es für die Teamchemie besser, zu gewinnen als zu verlieren. Aber in der Vorbereitung kann mich nichts beeindrucken, nichts überraschen, also gibt es auch keine Gewinner oder Verlierer. Das einzige, was mir Sorgen bereitet, ist die Verletzung unseres Centers Aleksandar Marelja. Er hat wegen einer Muskelverletzung jetzt schon seit mehr als zwei Wochen nicht mehr trainiert. Wir hoffen, dass er gegen Gießen zumindest wieder dabei sein kann – denn gegen deren Center John Bryant werden wir alle Waffen brauchen, die uns zur Verfügung stehen.
Was wird die größte Herausforderung für den MBC in der neuen Saison?
Ich habe den Jungs schon nach dem ersten Testspiel gesagt, dass sie bescheiden und hungrig bleiben müssen. Außerdem wird es eine große Herausforderung sein, sich an die physische Spielweise in der BBL zu gewöhnen. Die BBL ist sehr schnell, sehr aggressiv, sehr athletisch. Viele unserer Spieler haben noch nicht in Deutschland gespielt, für sie ist das alles neu. Ich hoffe, dass wir da schnellstmöglich einen Weg finden, uns darauf einzustellen.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Mein größter Wunsch ist es, eine volle Stadthalle zu erleben. Dass die Leute es genießen, unsere Spiele zu schauen. Ich weiß, dass wir uns ihr Vertrauen verdienen müssen. Wir werden alles dafür tun, um die Leute in die Halle zu locken. Ich hoffe, dass die Fans verstehen, dass wir nicht jedes Spiel gewinnen können und uns auch in den schwierigen Phasen unterstützen.
Als ehemaliger Spieler wissen Sie, wie wichtig das sein kann.
Ja, ich weiß, wie es ist, wenn du in einer Halle spielst, in der tausende Zuschauer gegen dich sind und du dein eigenes Wort nicht verstehst. Ich weiß auch, wie es ist, wenn eine ganze Halle als sechster Mann hinter Dir steht. Wir brauchen diese Extra-Energie. Und eines kann ich versprechen: Mein Team wird immer kämpfen und niemals aufgeben. (mz)