Handball Handball : Aufstieg und Beinahe-Torrekord

Naumburg - Am Sonnabend, 15. August, zum „Tag des Handballs“, werden Ants Benecke und andere Spieler des HC Burgenland im Naumburger „Euroville“ verabschiedet. Mit dem bisherigen Kapitän sprach Torsten Kühl.
Welche waren Ihre schönsten Momente als HCB-Kapitän?
Ants Benecke: Neben der Vize-Meisterschaft unter Ines Seidler und natürlich der absoluten Krönung, dem MHV-Meistertitel in der letzten Saison, fällt mir spontan der 60:45-Heimsieg gegen die HSG Freiberg ein, bei dem wir die jungen wilden Dachse mit ihren eigenen Waffen schlugen. Steven Wrobel machte kurz vor Schluss den 60. Treffer. Hätte Freiberg an diesem Tag nicht so „wenige“ Tore gegen uns geworfen, hätten wir den Torrekord der MHV sichergehabt. Und dann wäre da noch das Doppelspielwochenende der Saison 2015/16 in Staßfurt und Plauen. Beide waren uns körperlich überlegene Teams mit harter robuster Spielweise. Es ging sowohl für Rot-Weiß Staßfurt als auch für Einheit Plauen damals um den Abstieg. Den Sieg am Sonnabend in Staßfurt feierten wir natürlich, wie man das eben so macht. Mein Kumpel Sebastian Retting, damals noch Spieler in Staßfurt, jetzt Trainer, kam, angefressen von der Niederlage, zu mir und sagte: „Schön, dass ihr unseren Abstieg so feiern könnt.“ Ich sagte ihm: „Erst mal abwarten. Morgen fahren wir nach Plauen und zeigen denen genau wie euch heute, wie attraktiver Handball erfolgreich gespielt wird.“ Am Sonntagabend schickte ich ihm ein Kabinen-Selfie nach der gewonnenen Schlacht aus Plauen: „Bitteschön!“
Was werden Sie am meisten vermissen, wenn die Mannschaft künftig ohne Sie zu den Spielen auflaufen wird?
Ich habe mir natürlich fest vorgenommen, das Geschehen in der dritten Liga weiter zu verfolgen. Natürlich wird es ein komisches Gefühl sein, nicht mehr selber mit den Jungs auf der Platte zu stehen. Auch generell das Gemeinschaftsgefühl wird mir schon sehr fehlen, denn man hat ja schon viel zusammen erlebt.
Hat es Sie nicht vielleicht doch noch mal gereizt, in der dritten Liga zu spielen?
Es wäre gelogen zu sagen, dass es mich nicht gereizt hat. Als ich mit unserem Präsidenten Uwe Gering telefonierte und er mir sagte, dass er sich freuen würde, wenn ich noch ein Jahr dritte Liga dranhänge, löste das natürlich auch noch mal das Grübeln in mir aus. Jedoch war meine Entscheidung keine kurzfristige, sondern bereits vor der Saison angekündigt und abgesprochen. Bereits das Jahr zuvor schon wollte ich trainingstechnisch etwas kürzertreten. Der Plan war, Hendrik Taube langsam heranzuführen, der ja leider Gottes vom Verletzungspech arg gebeutelt ist. Und nun war es an der Zeit, den Absprung zu schaffen, um mich selbst langfristig damit abfinden zu können, bevor Verletzungen mich zum Aufhören zwingen oder man immer öfter feststellen muss, dass andere doch etwas schneller und wendiger sind als man selbst. Blessuren tun nicht nur bis Sonntag weh, sondern allmählich auch mal bis Dienstag. Außerdem kenne ich mehrere Spieler, die mittlerweile schon drei-, viermal ihre Karriere beendet haben, und das wollte ich nicht unbedingt auch so machen. Außerdem beende ich meine ja auch noch nicht. Die letzten Wochen war ich im Urlaub, während die Vorbereitung schon im vollen Gange ist und auch das Trainingslager stattgefunden hat. Von daher bin ich mit mir und meiner Entscheidung sehr im Reinen.
Finden Sie, dass Kenny Dober Ihr idealer Nachfolger ist? Schließlich ist er ja der letzte Burgenländer im Team.
Ja, das stimmt und spielt natürlich auch immer eine Rolle bei der Wahl oder Bestimmung des Kapitäns. Die Zuschauer brauchen Gesichter, mit denen sie sich identifizieren können, die schon länger zum Team gehören und bewiesen haben, dass sie sich mit vollem Einsatz fürs Team aufopfern und natürlich auch nach dem Spiel mal das Gespräch mit Sponsoren und Fans suchen. Innerhalb der Mannschaft sollte man eben allen gegenüber aufgeschlossen sein und schon eine gewisse Respektsperson gerade für jüngere Spieler darstellen. Ich persönlich habe nie große Reden in der Kabine geschwungen, aber hatte immer einen sehr guten Draht zu allen Spielern und Trainern. Ich weiß, dass diese Eigenschaften auch Kenny besitzt, und auch er hat schon oft Verantwortung im Spiel übernommen. Neben Kenny wären für mich auch Florian Pfeiffer oder Hannes Zerrenner für diese Rolle denkbar gewesen, die nun ja auch in den Mannschaftsrat gewählt wurden. Wir sind in den letzten Jahren immer eine sehr homogene Truppe gewesen, wo Verantwortung vorn und hinten auf mehreren Schultern verteilt werden konnte. So konnten wir immer als Team überzeugen oder eben auch als Team verlieren.
Wie viele Jahre haben Sie insgesamt Handball gespielt?
Angefangen habe ich damals in der ersten Klasse mit sechs Jahren unter meinem Vater in Zerbst. In der B-Jugend bin ich nach Köthen zur HG 85 gewechselt, und seit 2009 bin ich nun hier. Jetzt bin ich 34. Vielleicht schaffe ich es ja noch, die 30 Jahre als Aktiver irgendwie vollzumachen...
Mit wem haben Sie am liebsten zusammengespielt? Von wem haben Sie am meisten gelernt?
Oh, schwierige Frage. Als Erstes denkt man natürlich an die, mit denen man lange zusammen auf der Platte stand, denn die gemeinsamen Erlebnisse sind es, die verbinden. In Köthen genoss ich eine ganz andere leistungsbezogene Ausbildung unter Ines Seidler und Ralf Ullmann als noch in Zerbst. Später lernte ich dann viel durch Spielpraxis in Partien der A-Jugend, der 2. und 1. Männer, teilweise alles an einem Wochenende. Ich wohnte damals noch in Zerbst und fuhr fast jeden Tag nach Köthen, um möglichst immer beim Training der Mannschaften und beim Spiel zu sein. Damals war das, finde ich, noch eine andere Mentalität als heute mit der Jugend. Später dann in der Regionalliga spielte ich zum Beispiel mit Sebastian Loske, Steffen Baumgart, Marcel Kilz, Sebastian Fende, Robert Wagner und Christian Lingk zusammen. Von Lingki profitierte ich hauptsächlich als Außen und kam durch ihn zu vielen Toren und Erfahrungen als Außen, da ich bis dato immer im Rückraum gespielt hatte. Beim HCB denke ich an Leute wie Tobias Ufer, Jan Schindler, Christian Haufe, Kenny Dober, Tobias Seyfarth, Max Weber... Im Prinzip könnte ich hier fast alle Namen auflisten, denn sie alle sind Teil der HSV/HCB-Geschichte und somit auch meiner. Viele von ihnen werden wir im HCB-Allstarteam wiedersehen.
Worauf legen Sie künftig den Fokus?
Familie, Haus und großer Garten brauchen nun mal viel Zeit. Und für alles hat man nicht genügend Zeit, wenn man dreimal die Woche trainiert und am Wochenende noch nach Oebisfelde oder nach Dresden fährt. Wir haben einen großen Freundeskreis, und viele Termine wie Hochzeiten, Geburtstage oder andere Events blieben bisher oft aufgrund von Handballspielen oder Turnieren entweder komplett auf der Strecke, oder man kam dann abgehetzt 23 Uhr dazu, wenn der Hauptteil der Veranstaltung bereits gelaufen war. Die Prioritäten wollen wir jetzt einfach mal umdrehen und anfangen, diese Zeit zu genießen.
Ist die zweite Mannschaft weiterhin eine Option für Sie? Würden Sie im Notfall auch in der dritten Liga einspringen?
Nachdem ich mich gegen das Angebot, in der ersten Männermannschaft zu spielen, entschieden hatte, signalisierte ich dem Team der Zweiten, das ja ebenfalls aufgestiegen ist, meine Bereitschaft, dort mitzuspielen. Hier sind mit Marcus Deibicht, Kevin Lang, Christian Haufe und Stephan Meyer ja ebenfalls Leute aktiv, mit denen ich schon mal gespielt habe. Ich hoffe, dass ich den jungen Kader etwas unterstützen kann. Außerdem habe ich nach wie vor Lust darauf, Handball zu spielen und fühle mich auch fit. Das Thema Notfall-Aushilfe in der dritten Liga wurde natürlich schon mehrfach besprochen. Ich habe es zumindest nicht ausgeschlossen. Wir wissen ja aus den letzten Jahren, wie schnell man in einer langen Saison von Verletzungen geplagt werden kann.
Wo sehen Sie die HCB-Erste in fünf Jahren? Und wie realistisch ist der Klassenerhalt in der bevorstehenden Saison?
Mein Problem ist, dass ich die Mannschaften der dritten Liga nicht wirklich einschätzen kann. Es wird definitiv eine lange, schwere und harte Saison werden, wobei man wenig Fehler machen, eine stabile Abwehr stellen und sich möglichst keine rabenschwarzen Tage leisten sollte. Natürlich ist der Klassenerhalt die oberste Priorität, und alles andere muss man dann sehen. Wenn unsere Mannschaft die nötige Konstanz und Effizienz über mehrere Spieltage abliefern kann und vor allem von schweren Verletzungen verschont bleibt, ist sicher auch im Mittelfeld etwas möglich. In Zukunft wird der Verein zusehen müssen, junge Spieler langfristig zu binden und zu integrieren. Natürlich wäre gerade für unsere Fans auch das eine oder andere Talent aus dem eigenen Nachwuchs wünschenswert, aber das ist leider nicht von heute auf morgen machbar. Umso wichtiger ist es, dass auch die zweite Männermannschaft den Sprung in die Sachsen-Anhalt-Liga geschafft hat. So können junge Spieler schon Erfahrungen in einer höheren Klasse sammeln. Und vielleicht lockt es auch das eine oder andere Talent zum HCB, wenn die Aussicht besteht, Drittliga-Luft zu schnuppern.
Wer wird zu Ihrem Abschiedsspiel auflaufen? Wir können uns nicht daran erinnern, dass es schon mal ein solches für einen HCB- oder HSV- oder HSG-Akteur gegeben hat.
Nein, das hat es so in der Art noch nicht gegeben. Ich hatte die Idee eines „Abschiedsspiels“ schon vor längerer Zeit, allerdings mehr so aus Spaß an der Freude. Leider hat Corona nicht nur für mich, sondern für viele weitere HCB-Akteure wie Jan Schindler, Max Weber, Jan Höhne, Tobias Kaßler und natürlich auch Georg Eulitz, Sascha Meiner, Tobias Högl und Maik Anlauf, die den Verein verlassen, die Saison vorzeitig beendet. So hatte sich das natürlich niemand vorgestellt, plötzlich einfach weg zu sein. Auch konnten wir die Meisterschaft und den Aufstieg überhaupt nicht feiern und unsere Emotionen mit diesem Ereignis genießen. So etwas ist einfach unvorstellbar. Und so wurde am Termin 15. August vorläufig festgehalten, und wir mussten hoffen, dass wir den Termin nach Corona-Hygienevorschriften halten können. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an den HC Burgenland um Uwe Gering und ans Euroville, die dieses Ereignis ermöglichen. Noch einmal wird also die MHV-Meistermannschaft zusammen auf der Platte stehen. Für ein Allstar-Team nahm ich Kontakt mit fast allen ehemaligen Spielern des HCB auf. Das Schöne ist, dass alle sofort begeistert waren und Bock auf dieses Event hatten, und niemand sagte von vornherein ab. Auch das spricht für den HCB und unser Team. Es war natürlich klar, dass der Termin nicht allen passen wird, denn es ist Urlaubszeit, und viele haben eben auch andere wichtigere Verpflichtungen. Aber nun steht das Allstar-Team. Wir freuen uns, dass wir uns alle wiedersehen, um nun endlich noch die Meisterschaft gebührend zu feiern, und alle haben die Möglichkeit, sich zu verabschieden. Im Allstar-Team werden zum Beispiel Thomas Drese, Benedikt Schmidt, Hendrik Hein und Michael Seime auflaufen. Natürlich dürfen Ines Seidler und Gerd Lange auf der Bank nicht fehlen. Aber auch Ehemalige des HSV Naumburg-Stößen wie Martin Laue und Sascha Kluge ziehen sich extra noch mal das Trikot über. Ich denke, es wird ein super Ereignis. Vielleicht kann man so ein Event ja zukünftig öfter planen, wenn auch unter anderen Rahmenbedingungen.


