Nach Ziegner-Entlassung

HFC neuer Trainer Ismail Atalan übernimmt Halleschen FC - Er kommt von den Sportfreunden Lotte

Halle (Saale) - Der Klub verpflichtet Ismail Atalan als neuen Trainer. Wie der Wechsel über die Bühne ging und woher der Ziegner-Nachfolger den HFC kannte.

Von Christoph Lesk und Christoph Karpe 25.02.2020, 21:34
Ismail Atalan (r.) hat beim HFC einen Vertrag bis Sommer 2021 erhalten. Im Hintergrund HFC-Präsident Jens Rauschenbach.
Ismail Atalan (r.) hat beim HFC einen Vertrag bis Sommer 2021 erhalten. Im Hintergrund HFC-Präsident Jens Rauschenbach. dpa-Zentralbild

Nur einen Tag nach der Entlassung von Torsten Ziegner hat der Hallesche FC bereits einen Nachfolger gefunden. Ein gewisses Risiko war der Hallesche FC am Dienstag eingegangen. Zur frühen Mittagszeit hatte der Verein informiert, „aus aktuellen Anlass“ um 15 Uhr zum Pressegespräch zu laden. Schnell war klar, dass da schon der Nachfolger von Torsten Ziegner, der wenige Stunden zuvor am Montagabend beim Fußball-Drittligisten beurlaubt worden war, vorgestellt wird.

Ismail Atalan wurde am 1. April 1980 in der Türkei geboren. Als Spielertrainer sammelte er bei Gievenbeck II und Davensberg erste Erfahrungen. Erstmals als Cheftrainer war er beim SC Roland (Oberliga) aktiv.

Seine erfolgreichste Station hatte er in Lotte, wo er in der Saison 2015/16 den Aufstieg in die 3. Liga schaffte. In der darauffolgenden Saison wurden er und sein Team erst im DFB-Pokal-Viertelfinale vom späteren Sieger Borussia Dortmund gestoppt.

Im Juli 2017 wurde er Trainer bei Zweitligist VfL Bochum, jedoch nach drei Monaten wegen Erfolglosigkeit freigestellt. Im April 2019 übernahm er erneut in Lotte, konnte den Abstieg aus der 3. Liga allerdings nicht verhindern.

Es war dann Ismail Atalan, der sich zum verabredeten Zeitpunkt auf dem Pressepodium des Erdgas Sportparks setzte. „Wir haben den Vertrag erst vor 20 Minuten unterschrieben“, erklärte HFC-Boss Jens Rauschenbach. Letzte Details im bis Sommer 2021 gültigen Vertrag mussten noch geklärt werden, ehe alle Parteien das Arbeitspapier, das im Abstiegsfall hinfällig wird, unterschreiben konnten.

HFC macht nach Freistellung von Ziegner Nägel mit Köpfen

Viel Zeit hatte sich der Klub bis zur Verpflichtung eines neuen Trainers auf den ersten Blick nicht eingeräumt. Eine Phase mit einem Interimstrainer wollten sie bei den Rot-Weißen nicht, das hatten sich auch die Spieler erbeten. Es wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Deshalb stand nach der Freistellung von Torsten Ziegner bei den HFC-Verantwortlichen eine schlafarmen Nacht an. „Solche Nächte“, so Rauschenbach, „brauche ich nicht so oft“.

Doch die Verpflichtung - so kurzfristig sie erscheint - hatte eine lange Vorlaufzeit. Schon vor zwei Jahren nämlich, als Ziegner den HFC-Job bekam, war Atalan auf der Liste: „Ich habe damals abgesagt, weil meine Frau hochschwanger war und wir dazu noch gerade ein Haus gebaut haben“, erzählt der Vater von drei Kindern. Der Kontakt blieb lose bestehen. Als sich Ziegner im Herbst 2019 zierte, sein Arbeitspapier zu verlängern, wurde in Halle erneut über die Option Atalan diskutiert. Was lange währte, ging dann ganz schnell.

Ismail Atalan stand auf fünfköpfiger Kandidatenliste

Noch am Montagabend gab es das finale Telefonat mit Atalan, der da noch Trainer von Regionalligist Sportfreunde Lotte war. „Gegen 20 oder 21 Uhr“, so Atalan, habe sein Handy geklingelt. Am anderen Ende war HFC-Sportdirektor Ralf Heskamp. Der hatte sich vorher in Zusammenarbeit mit anderen Vereins-Gremien von einer ursprünglich fünfköpfigen Kandidatenliste für den Trainerposten auf Atalan geeinigt. Nach der 1:6-Klatsche gegen München II in der vergangenen Woche sei Heskamp „gebeten worden, diese Liste zu erstellen“.

Die Verpflichtung Atalans, der durch eine Klausel im Vertrag bei Lotte ohne die Zahlung einer Ablöse nach Halle wechseln konnte, war also keineswegs ein Schnellschuss. „Er ist ein junger Trainer, der schon viel erlebt hat. Er hatte nicht nur Erfolge, aber Rückschläge machen einen ja bekanntlich stärker“, sagte Rauschenbach. Am Mittwoch, um 10 Uhr, wird der neue Coach erstmals das Training leiten und Kontakt zur Mannschaft haben.

Bis zum Spiel beim Tabellenvorletzten Großaspach am Samstag bleibt nicht viel Zeit, um das mental arg gebeutelte Team wieder aufzurichten. Atalan wird es versuchen. Er wolle „in die Köpfe kommen, die Jungs kennenlernen“, sagte Atalan. „Ich will herausfinden, was da los ist.“
Er bringt Joseph Laumann als Assistenten mit. Wie es mit dem bisherigen Co-Trainer Michael Hiemisch weitergeht, ist noch offen. Fest steht hingegen, dass Marian Unger Torwarttrainer bleibt. (mz) 

Ismail Atalan.
Ismail Atalan.
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