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HFC-Torwarttrainer Hallescher FC: Torwarttrainer: Bernd Jayme - von China zum HFC

Von Christoph Karpe 09.09.2017, 09:00
Bernd Jayme (l.) schießt vor einem Spiel Oliver Schnitzler warm.
Bernd Jayme (l.) schießt vor einem Spiel Oliver Schnitzler warm. E. Schulz

Halle (Saale) - Die Zahl 14 ärgert Bernd Jayme. Natürlich. 14 Gegentreffer hat der Hallesche FC nach sechs Spieltagen der aktuellen Saison kassiert. Die Schießbude der Liga.

Doch die Schuldigen dafür zwischen den Pfosten zu suchen, dagegen wehrt sich Jayme vehement. „Ich lasse auf meine Jungs nichts kommen“, sagt der Torwart-Trainer des Halleschen FC.

HFC: Bernd Jayme bringt viel Erfahrung mit

Elf Treffer kassierte Oliver Schnitzler (21) in seinen fünf Einsätzen. Einmal, als Schnitzler mit Brummschädel pausieren musste, durfte Tom Müller (20) ran. Er hielt in Osnabrück fehlerfrei, musste dennoch drei Mal die Kugel aus dem Netz holen (3:3). „Olli macht seinen Job prima und ist noch entwicklungsfähig, Tom ist ganz, ganz dicht hinten dran“, sagt er über das Keeper-Duo.

Bernd Jayme kann die Klasse von Torhütern fraglos einschätzen. Der 41-Jährige hat schon in der Bundesliga in der Ära von Coach Markus Gisdol (2014) - jetzt Hamburger SV - bei 1899 Hoffenheim gearbeitet. Mehr noch: Bei seinem größten Abenteuer feierte Bernd Jayme sogar die Fußball-Meisterschaft. 2016 in China war das. Da arbeitete der Hesse im riesigen Trainer-Team von Brasiliens Weltmeister Coach Felipe Scolari bei Asiens Top-Klub Guangzhou Evergrande.

An den Job gekommen ist Bernd Jayme über einen guten Bekannten in Hoffenheim: Marco Pezzaiuoli, auch einmal Kurzzeit-Bundesliga-Trainer in Hoffenheim. Der war 2014 in die Jugendabteilung des chinesischen Branchenführers gewechselt. Und dort bestand Bedarf an Spezial-Trainern. Also fragte Pezzaiuoli bei Jayme an und der ging das China-Wagnis ein.

Fußball in China: Wenn Geld keine Rolle spielt

Was er dort erlebt hat, klingt so abenteuerlich wie märchenhaft. Bernd Jayme erzählt mit glänzenden Augen von einem Trainingsgelände, das eher einem Städtchen gleichkam. „Ich durfte mir eine Villa aussuchen, nahm eine bescheidene - die hatte 400 Quadratmeter Wohnfläche.“ Als er nebenbei beim Training bemerkte, dass ihm die Anzahl der Bälle - etwa 20 - etwas zu gering erschien, was als Scherz gemeint war, „rollte am nächsten Tag ein ganzer Lkw mit Bällen an“.

In Chinas Fußball spielt Geld nur eine Nebenrolle, es ist einfach da. Und wie ist es um die sportliche Güte der mit zahllosen ausländischen Stars gespickten Teams bestellt? „Evergrande könnte mit seinen brasilianischen Stars locker in der Bundesliga mitspielen - vielleicht nicht um die Meisterschaft. Stürmer Alan war beispielsweise in seiner Zeit bei RB Salzburg in Österreich Europas Top-Torjäger“, sagt Bernd Jayme.

Bernd Jayme: Eine Krankheit beendete das Kapitel China

Eine Krankheit setzte dem Abenteuer China schließlich einen abrupten Schlusspunkt. „Ich bekam akute Nierenprobleme, war komplett ausgetrocknet und stand kurz vor der Dialyse“, erzählt Bernd Jayme. Behandeln lassen wollte er sich lieber in Deutschland. Also ging es Anfang dieses Jahres zurück.

Außerdem war er froh, wieder bei seiner Frau Susanne im heimischen Rohrbach sein zu können. 26 Jahre ist das Paar jetzt zusammen. Beide litten unter der Distanz, nächtliche Video-Telefonate konnten natürlich keine Zweisamkeit ersetzen.

Für den HFC schlug Jayme andere Angebote aus

„Jetzt bin ich in Halle zwar immer noch 425 Kilometer von ihr entfernt, aber es ist alles erträglich“, sagt Jayme. Dass seine Frau nach Halle zu ihm zieht, war nie geplant. „Sie hat bei einem Pharmakonzern seit Jahren einen prima Job.“

Zum HFC ist er übrigens von seinem Berater vermittelt worden, der wusste, dass der HFC einen Torwart-Trainer suchte. Jayme schlug für seinen ersten Job im Fußball-Osten zwei andere Angebote aus: eines aus der ersten holländischen Liga und ein erneutes aus China.

Nein, zurück ins Reich der Mitte möchte Bernd Jayme nicht mehr, sondern mit dem HFC erfolgreich sein. Also wird er am Samstag genau auf Oliver Schnitzler schauen. Hält der seinen Kasten mit tollen Paraden sauber und gewinnt zugleich erstmals in der Karriere ein Drittliga-Spiel, wäre das auch Jaymes Verdienst.

(mz)