Ex-Schiedsrichter-Boss

Hellmut Krug: Videobeweis wird Grundidee nicht mehr gerecht

Die Videobeweis im Fußball sorgt immer wieder für Diskussionen. Nun äußert auch der frühere Spitzen-Schiedsrichter Hellmut Krug Kritik an der Entwicklung.

Von dpa
Hellmut Krug äußert deutliche Kritik am Einsatz des Videoassistenten.
Hellmut Krug äußert deutliche Kritik am Einsatz des Videoassistenten. picture alliance / Marcel Kusch/dpa

Frankfurt/Main - Der frühere Spitzen-Referee und langjährige Projektleiter Hellmut Krug sieht eine Fehlentwicklung beim Videobeweis.

„Stand heute muss man sagen: Der ursprünglichen Grundidee des VAR-Projekts wird man fast überall auf der Welt nicht gerecht“, sagte der einstige Schiedsrichter-Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutsche Fußball Liga (DFL) im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Das oberste Ziel bestehe ja darin, spielentscheidende, klare und offensichtliche Fehler des Schiedsrichters zu korrigieren - so etwas wie Maradonas 'Hand Gottes' bei der WM 1986. „Stattdessen ist man immer mehr dazu übergegangen, Situationen akribisch an den Bildschirmen zu sezieren und beschäftigt sich mit Entscheidungen, die nicht klar falsch sind“, sagte Krug.

Angesichts der andauernden Kritik am Video Assistent Referee sei es „in der einen oder anderen Situation“ für die Unparteiischen in der fast abgelaufenen Saison „sicher gut“ gewesen, dass wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer im Stadion gewesen seien. Sonst hätte es von erbosten Fans noch mehr Druck gegeben.

„Der VAR soll ausschließlich intervenieren, wenn er absolut sicher ist, dass dem Schiedsrichter ein klarer Fehler unterlaufen ist“, erklärte Krug. „Wenn ein Schiedsrichter sich die Szene 90 Sekunden lang am Monitor ansehen muss - wie kann dann noch von einem klaren Fehler die Rede sein?“

Durch diese detektivische Herangehensweise würden plötzlich auch diskutable und kleinere Vergehen eine Rolle spielen. „Die Folge ist, dass entgegen der ursprünglichen Absicht das Spiel häufiger für Checks und gegebenenfalls Reviews unterbrochen wird. So ist man auf dem besten Weg, den Fußball zu verändern, da viel mehr Eingriffe von außen stattfinden“, sagte Krug, der am Mittwoch (19.5.) 65 Jahre alt wird und noch bis Ende des Monats als Projektleiter im Schweizer Fußball tätig ist.