15. Trainer in elf Jahren beim HSV

15. Trainer in elf Jahren beim HSV: Bernd Hollerbach soll den Bundesliga-Dino retten

Natürlich, der Spott ließ nicht lange auf sich warten. Bernd Hollerbach sei als neuer Trainer des Hamburger SV die richtige Wahl, schließlich habe er ja auch „schon Würzburg erfolgreich in die 2. Liga geführt“, schrieben einige Fans in den sozialen Netzwerken. Was 2016 noch ein kleines Fußball-Wunder für seinen Heimatverein war, käme für Hollerbachs zweiten Herzensverein im kommenden Sommer allerdings einer Katastrophe ...

22.01.2018, 13:30
Bernd Hollerbach wurde  am Montag beim HSV offiziell als neuer Trainer vorgestellt.
Bernd Hollerbach wurde  am Montag beim HSV offiziell als neuer Trainer vorgestellt. dpa

Natürlich, der Spott ließ nicht lange auf sich warten. Bernd Hollerbach sei als neuer Trainer des Hamburger SV die richtige Wahl, schließlich habe er ja auch „schon Würzburg erfolgreich in die 2. Liga geführt“, schrieben einige Fans in den sozialen Netzwerken. Was 2016 noch ein kleines Fußball-Wunder für seinen Heimatverein war, käme für Hollerbachs zweiten Herzensverein im kommenden Sommer allerdings einer Katastrophe gleich.

Hollerbachs Auftrag ist trotz aller Häme gegenüber dem dauerkriselnden HSV klar: Der 48-Jährige soll den taumelnden Traditionsklub in der Liga halten. Egal wie. Sein einstiger Mentor Felix Magath traut dem Markus-Gisdol-Nachfolger, der am Montag einen Vertrag bis 2019 unterschrieb und anschließend sein erstes Training leitete, die Wende jedenfalls zu.

Magath lobt Hollerbach in höchsten Tönen

„Die Mannschaft darf damit rechnen, dass sie besser trainiert wird und besser geführt wird. Und zwar so, dass sie nicht nur gegen direkte Konkurrenten gewinnen kann, sondern auch gegen Mannschaften, die eigentlich stärker besetzt sind“, sagte Magath, dessen Assistent Hollerbach von 2007 bis 2012 beim VfL Wolfsburg und bei Schalke 04 war, der Bild-Zeitung: „Ich gehe sogar davon aus, dass der HSV mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben wird.“

Hollerbach, gelernter Metzger, steht für harte und ehrliche Arbeit auf dem grünen Rasen. Während seiner Zeit als Spieler beim HSV (1996 bis 2004) war der ehemalige Linksverteidiger der Mann fürs Rustikale und Publikumsliebling, er erarbeitete sich mit seiner Spielweise den Spitznamen „Holleraxt“. Ein Spruch von damals ist an der Elbe längst Kult: „An mir kommt entweder der Ball vorbei oder der Gegner. Aber niemals beide zusammen.“

„Typ“ Hollerbach soll den Bundesliga-Dino retten

Beim HSV waren sie schon im Winter 1996 stolz, genau dieses Krieger-Image verpflichtet zu haben. Der damalige Präsident Uwe Seeler sagte nach dem Transfer-Coup: „Ich meine, dass er zu seinem Berufssport eine positive und super Einstellung hat.“ Die Videosequenz geistert nun wieder durch das Internet. „Solche Typen“ wie Hollerbach, sagte Seeler, „können unsere Mannschaft nach vorne bringen“.

Nach sechs Spielen ohne Sieg und bei fünf Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz hoffen die HSV-Verantwortlichen wieder auf diesen Hollerbach-Effekt, „dass die Verunsicherung der Mannschaft gelöst wird“, wie Vorstandschef Heribert Bruchhagen sagte. Zudem könnte Investor Klaus-Michael Kühne noch einmal den Geldschrank öffnen, um kreative Verstärkung zu holen. Der HSV ist der einzige Bundesligaklub, der 2018 noch kein Tor geschossen hat.

Hollerbach setzt beim HSV auf klassische Tugenden

Disziplin, Wille, Einsatz - natürlich wird Hollerbach nun die Grundtugenden einfordern. Doch beim HSV haperte es zuletzt vor allem auch fußballerisch, für die Ideenlosigkeit seiner Spieler muss der Mann mit dem Fünf-Tage-Bart ganz schnell eine Lösung finden. Sein Startprogramm hat es ziemlich in sich: Die nächsten Gegner heißen Leipzig, Hannover, Dortmund, Leverkusen und Bremen.

Der HSV und seine Gegner können sich jedenfalls auf eine kompromisslose Gangart einstellen. „Im Fußball geht's ums Durchsetzen, das habe ich auch in der Metzger-Lehre gelernt“, sagte Hollerbach einmal.

15 Trainer in 11 Jahren: Die Liste der Fußballlehrer des Hamburger SV seit 2007

1. Huub Stevens (2. Februar 2007 bis 30. Juni 2008)
2. Martin Jol (1. Juli 2008 bis 26. Mai 2009)
3. Bruno Labbadia (1. Juli 2009 bis 26. April 2010)
4. Ricardo Moniz (26. April 2010 bis 23. Mai 2010)
5. Armin Veh (24. Mai 2010 bis 13. März 2011)
6. Michael Oenning (13. März 2011 bis 19. September 2011)
7. Rodolfo Cardoso (19. September 2011 bis 10. Oktober 2011 und 17. September 2012 bis 24. September 2012)
8. Frank Arnesen (10. Oktober 2011 bis 16. Oktober 2011)
9. Thorsten Fink (17. Oktober 2011 bis 17. September 2013)
10. Bert van Marwijk (25. September 2013 bis 15. Februar 2014)
11. Mirko Slomka (16. Februar 2014 bis 15. September 2014)
12. Joe Zinnbauer (16. September 2014 bis 22. März 2015)
13. Peter Knäbel (ab 23. März 2015 bis 14. April 2015)
14. Bruno Labbadia (15. April 2015 bis 25. September 2016)
15. Markus Gisdol (25. September 2016 bis 21. Januar 2018)
16. Bernd Hollerbach (ab 22. Januar 2018)

(sid)