Fußball Fußball : Zintsch beim ZFC noch im Wartemodus

Meuselwitz/Naumburg - Corona-Maßnahmen schlagen manchmal seltsame Blüten. Weil beim gegnerischen BFC Dynamo ein positiv auf das Virus getesteter Spieler mitgewirkt hatte, musste Fußball-Regionalligist ZFC Meuselwitz nach dem 1:1 gegen den zehnfachen und damit Rekord-DDR-Meister aus Berlin in häusliche Quarantäne - allerdings nicht das komplette Team, sondern nur die 13 Akteure, die in dieser Partie für die Ostthüringer zum Einsatz gekommen waren. Die anderen Wechselspieler, die aber trotzdem beim Aufwärmen, am Spielfeldrand oder in den Katakomben der heimischen Bluechip-Arena Kontakt mit den aktiven Kickern gehabt haben könnten, dagegen nicht - warum auch immer.
Gute Leistung gegen Lok
Zu den ZFC-Akteuren, die gegen die Dynamos ohne Spielminute blieben, gehörte auch der Naumburger Laurens Zintsch, der im Sommer vom Oberligisten FC Carl Zeiss Jena II eine Etage höher ins Schnaudertal - unweit der Grenze zum Burgenlandkreis - gewechselt war (Tageblatt/MZ berichtete). Dabei hatte Zintsch in der Partie zuvor im altehrwürdigen Bruno-Plache-Stadion gegen den gastgebenden 1. FC Lok Leipzig die zweite Halbzeit auf der Zehnerposition spielen dürfen und den möglichen Ausgleich vorbereitet, doch seinen Musterpass konnte Serhat Semih Güler nicht verwerten. Auch wenn er die 0:1-Niederlage der inzwischen seit elf Partien sieglosen Meuselwitzer nicht verhindern konnte, zeigte Laurens Zintsch in der Messestadt eine gute Leistung.
Wegen einer Schienbeinverletzung hatte der 21-Jährige zuvor lange pausieren müssen und dadurch fast die komplette Saisonvorbereitung beim ZFC verpasst. „Ich bin inzwischen aber fit und auf einem guten Weg, und ich hatte natürlich gehofft, auch gegen den BFC spielen zu dürfen“, so der Naumburger gegenüber Tageblatt/MZ. Doch Holm Pinder, der am 20. Oktober den erst im Sommer verpflichteten, aber glücklosen Koray Gökkurt auf dem Trainerstuhl der Meuselwitzer beerbt hatte, ließ Zintsch 90 Minuten draußen.
„Laurens hat in Leipzig im offensiven Mittelfeld tatsächlich eine gute Leistung gezeigt. Er und die anderen jungen Spieler werden ihre Einsatzchancen auch weiterhin erhalten“, erklärt Pinder im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, du um den Klassenerhalt kämpfst, dann vertraust du zunächst erst einmal den routinierteren Spielern im Team.“ Das sei ein ganz normaler Reflex. Zintsch habe, so Holm Pinder, sein gesamtes Potenzial bei seinem neuen Verein logischerweise bisher noch nicht auf den Platz bringen können, weil ihm verletzungsbedingt ganz einfach die Spielpraxis fehle. Man habe ihn aber vor der Saison nicht ohne Grund in die Regionalliga geholt, weil man seine Qualitäten kenne und schätze. Zintsch sei ein talentierter Kicker und ein guter Junge. Man treffe sich ja auch während der Arbeit immer mal. Zur Erklärung: Der Trainer und sein Schützling sind im Nebenjob beim Hauptsponsor des Clubs, der bluechip Computer AG, angestellt.
Pinder, der als ZFC-Vizepräsident bei der Trainerneubesetzung quasi eine interne Lösung ist und schon von 2011 bis 2014 Coach in Meuselwitz war, sieht Laurens Zintsch allerdings eher nicht auf der Sechserposition, wo der Naumburger in seiner bisherigen Karriere in Jena oder im Nachwuchs des Hamburger SV meist gespielt hatte, sondern weiter vorn. „Im defensiven Mittelfeld haben wir mit Fabian Stenzel, Henrik Ernst und Tobias Becker gestandene Leute im Kader. Da wird es Laurens schwer haben, sich durchzusetzen. Doch als einer von zwei Achtern oder als Zehner könnten seine Chancen größer sein“, so der 49-jährige ZFC-Trainer, der als Aktiver für den VfB Leipzig und Zwickau in der 2. Bundesliga spielte.
Joggen und Krafttraining
Aktuell haben die Meuselwitzer selbst drei Corona-Fälle in ihren Reihen. Derzeit steht für die Regionalliga-Kicker des Vereins noch individuelles Training auf dem Programm. Laurens Zintsch, der gesund ist, hält sich mit Joggen sowie Einheiten im Fitnessraum der Physiotherapie-Praxis seiner Mutter in der Naumburger Salzstraße fit.
Eventuell am 16. November dürfen die Meuselwitzer wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) geht zurzeit von einer möglichen Fortsetzung des Spielbetriebs in der Regionalliga ab 25. November aus. „Wer weiß, wie bis dahin unsere Personalsituation aussieht. Vielleicht bekommen Laurens und die anderen jungen Akteure unseres Teams ja viel schneller und viel mehr Spielpraxis, als sie jetzt glauben“, sagt Holm Pinder.