DDR-Handball-Idol wird 65

DDR-Handball-Idol wird 65: In Moskau wurde Wieland Schmidt zum Olympia-Helden

Magdeburg - Vom Ruhestand will Wieland Schmidt derzeit nichts wissen. „Als Sportler denkt man nicht ans Rentenalter“, sagt der einstige Weltklassetorhüter und Handball-Olympiasieger von 1980 in einem Gespräch der Deutschen ...

23.12.2018, 06:34
Torwart Wieland Schmidt steht 1982 im Kasten der DDR.
Torwart Wieland Schmidt steht 1982 im Kasten der DDR. imago sportfotodienst

Vom Ruhestand will Wieland Schmidt derzeit nichts wissen. „Als Sportler denkt man nicht ans Rentenalter“, sagt der einstige Weltklassetorhüter und Handball-Olympiasieger von 1980 in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur.

Daher macht Schmidt auch kein großes Aufhebens um seinen 65. Geburtstag an diesem Sonntag. „65 - das ist doch nichts Besonderes“, betont Schmidt. Gefeiert wird deshalb nur in kleinem Kreis mit der Familie und einigen Freunden.

Wieland Schmidt: Mit dem SC Magdeburg eine wahre Heimmacht

Dabei wird Schmidt vielleicht die eine oder andere Anekdote aus seiner Karriere zum Besten geben. Zu erzählen hätte er viel. Neben dem Olympia-Gold mit der DDR gewann der Vater von zwei erwachsenen Söhnen 1974 WM-Silber sowie 1978 und 1986 jeweils WM-Bronze.

Mit dem SC Magdeburg verlor er 15 Jahre lang kein einziges Heimspiel, wurde sechsmal DDR-Meister und holte zweimal den Europacup. „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Und es freut mich natürlich, dass ich zu den weltbesten Torhütern gezählt werde“, sagt Schmidt.

Handball-Idol Wieland Schmidt: Mit der DDR in Moskau Olympiasieger

Das Karriere-Highlight war der Olympia-Triumph 1980 in Moskau, als Gastgeber und Topfavorit UdSSR im Finale mit 23:22 nach Verlängerung bezwungen wurde. In letzter Sekunde wehrte Schmidt damals einen Wurf von Alexander Karschakewitsch ab und machte so die Sensation perfekt. „Das hat sich im Gedächtnis eingebrannt, zumal ich oft darauf angesprochen werde“, erzählt Schmidt.

Im Video: Das olympische Handball-Finale 1980 (Wieland Schmidts entscheidende Parade ab 1:24:00 Stunden):

Mit vielen einstigen Teamkollegen verbindet ihn bis heute eine Freundschaft. Bis vor einigen Jahren tourten sie noch als Traditionsmannschaft durch die Hallen in Deutschland, „aber das sah zum Schluss nicht mehr gut aus“, räumt Schmidt schmunzelnd ein. „Heute treffen wir uns ab und zu mal auf ein Bierchen, erzählen immer dieselben, alten Geschichten und freuen uns, dass es uns noch gibt.“

Seine erfolgreiche Laufbahn ließ Schmidt nach dem Mauerfall in der Bundesliga bei der SG Hameln ausklingen. 1998 dann der Schock: Nach einer Herzmuskelentzündung ist er klinisch tot, wird aber in einer Leipziger Klinik reanimiert.

1998 war Wieland Schmidt bereits klinisch tot

Seither regelt ein Herzschrittmacher den Lebensrhythmus des einstigen Stehaufmännchens zwischen den Pfosten. „Die Gesundheit könnte natürlich besser sein. Das Herz schlägt immer noch A-rhythmisch“, berichtet Schmidt.

Klagen ist aber nicht sein Ding. Zumal Schmidt dem Handball immer noch eng verbunden ist - als Torwarttrainer für den weiblichen DHB-Nachwuchs und beim HC Leipzig.

Wieland Schmidt arbeitet heute als Nachwuchs-Trainer beim HC Leipzig

„Beim Ausdauerlauf bin ich nicht mehr vorne. Aber die Stoppuhr halten und Anweisungen geben kann ich schon noch“, sagt er. Ab Sommer 2019 wird er allerdings etwas kürzer treten. „Dann werde ich nur noch für die U18 zuständig sein.“

Der Heim-WM der Männer im Januar fiebert Schmidt mit großen Erwartungen entgegen. „Ich traue der deutschen Mannschaft viel zu. Das Halbfinale wäre ein großer Erfolg“, sagt Schmidt. Zudem hofft er darauf, dass sich die Sportart einem breiten Publikum „toll präsentiert“.

Vor Ort verfolgen wird er die Spiele der DHB-Auswahl allerdings nicht. „Ich bin zu der Zeit auf einem Lehrgang in der Schweiz unterwegs“, berichtet Schmidt. Der Ruhestand ist für ihn wirklich noch weit weg. (dpa/mz)