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Comeback missglückt Comeback missglückt: Was Rico Freimuth nach seinem Aus in Götzis sagt

Von Christoph Karpe 29.05.2019, 08:00
Rico Freimuth bei den 100 Metern in Götzis
Rico Freimuth bei den 100 Metern in Götzis dpa

Halle (Saale) - Zwar geht es ihm gerade „ganz gut“, aber seine Prognosen die nächsten Wochen betreffend, schwappen nun nicht über vor Optimismus. „Ich hoffe, dass ich schnell wieder fit werde. Die Chancen bei der zweiten deutschen WM-Qualifikation in Ratingen starten zu können, liegen aber nur bei 50 Prozent“, sagt Rico Freimuth am Dienstag.

Ein ganz enger Wettlauf, um die Saison zu retten. Dem deutschen Zehnkampf-Star bleiben nur vier Wochen Zeit, seinen lädierten Rücken in einen wettkampftauglichen Zustand zu bringen.

Der Hallenser hat aber zunächst einmal die selbst auferlegte Verbal-Abstinenz den Medien gegenüber aufgegeben. Er will Unklarheiten und ins Kraut schießende Spekulationen beenden. Noch am Samstag war der Vizeweltmeister von 2017 - auch noch WM-Dritter 2015 - wortlos und mit hängendem Kopf aus dem Leichtathletik-Stadion in Götzis verschwunden.

Nach drei leistungsmäßig recht ernüchternden Wettbewerben - 100 Meter: 10,74 Sekunden, Weitsprung: 6,99 Meter, Kugelstoßen: 13,19 Meter - hatte Freimuth die erste WM-Qualifikation abgebrochen. „Ich war so enttäuscht, da wollte ich nicht im Affekt irgendwelchen Quatsch erzählen, den ich später bereue“, sagt Freimuth nun. Vor dem Saisonstart mochte er keine Erwartungen formulieren.

Rico Freimuth: „Ich habe seit Jahren einen Gleitwirbel, der drückt auf die Bandscheibe“

Diese Zurückhaltung hatte ihren Grund. Der Vizeweltmeister wusste schon vor Götzis: Es wird ein Vabanquespiel, womöglich würde sein Rücken einen Strich durch alle Pläne machen. Und so kam es dann auch. „Ich habe seit Jahren einen Gleitwirbel, der drückt auf die Bandscheibe. Das kann aus dem Nichts passieren - etwa, wenn ich vor einem Wettkampf voll unter Adrenalin stehe“, erzählt Rico Freimuth.

„In Götzis hat der Rücken in der Stresssituation einfach Nein gesagt.“ Mit Ankündigung. Gut zwei Wochen zuvor hatte ihn die Bandscheibe ruckartig außer Gefecht gesetzt, als er eine Startmaschine aufheben wollte. „Danach ging ich zwei Tage an Krücken.“

Rico Freimuth seit 2011 in der Weltspitze

Dreimal wöchentlich sucht Freimuth wegen dieses mittlerweile chronischen Problems (seit 2013) derzeit einen Chiropraktiker auf. Mit einem Fitnesscoach bewältigt er ein ganz spezielles Muskelaufbau-Programm, um den Bereich um die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Was inzwischen nicht mehr so recht gelingt. „Stück für Stück zollt mein Körper den vielen Jahren Leistungssport Tribut“, sagt der 31-Jährige, der seit 2011 auf Weltspitzen-Niveau Wettkämpfe absolviert. Im Vorjahr hatte er sich wegen Motivationsproblemen eine Auszeit-Saison genommen. Um in diesem Jahr wieder anzugreifen. „Die Form im Trainingslager hat gepasst, mein Ehrgeiz ist wieder wach“, sagt Freimuth.

Aber was, wenn der Körper nun in einen Generalstreik tritt? „Es ist eine schwierige und traurige Situation. Noch besteht etwas Hoffnung, aber es wird knapp für Ratingen“, sagt Freimuth. Drei deutsche Zehnkämpfer hatten in Götzis die WM-Norm von 8.200 Punkten übererfüllt. Einen müsste er mindestens überflügeln. Aber selbst diese für Freimuth früher im Schlaf mögliche Punktausbeute (Bestleistung 8 663) verlangt vollkommene Fitness. Die hat er gerade nicht. Und in ihm reift die Erkenntnis: „Irgendwann macht der Körper einfach nicht mehr mit.“ Er hoffe aber auf „ein gutes Ende“.

In Tokio soll das persönliche Finale sein. Selbst wenn er es in diesem Jahr nicht zur WM nach Doha schaffen sollte - bei den Olympischen Spielen möchte er im kommenden Jahr seine Karriere beenden. „Darauf ist alles ausgerichtet“, sagt er und hofft, dass „die Bundeswehr und meine Sponsoren mich weiter unterstützen, selbst wenn ich in diesem Jahr wieder keinen Zehnkampf beende“. Fröhlich optimistisch klingt das alles nicht.

(mz)