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"Offen kommunikativ und mit Humor" Basketball-Bundesliga: So tickt der neue MBC-Trainer Wojciech Kaminski

Von Daniel George 14.06.2019, 21:14
Der neue MBC-Trainer Wojciech Kaminski (m.), hier bei seiner Vorstelllung in Weißenfels neben Manager Martin Geissler.
Der neue MBC-Trainer Wojciech Kaminski (m.), hier bei seiner Vorstelllung in Weißenfels neben Manager Martin Geissler. Lisker

Weißenfels - Manchmal kommt alles zusammen im Leben. So wie gerade bei Wojciech Kaminski, für den die nächsten Wochen zu den spannendsten  seiner Schaffenszeit gehören dürften. Da ist das private Glück, seine Frau erwartet ein Baby, und dann noch die größte Chance seiner beruflichen Laufbahn: Der 45 Jahre alte Pole verlässt erstmals seine Heimat und wird Cheftrainer beim Mitteldeutschen Basketball Club (MBC)

Kaminski, der einen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr bei Klassenerhalt unterschrieben hat, verspricht: „Ich werde alles geben, was ich habe, um der Stadt und der Region das zu geben, was sie verdienen.“ Doch die Fans fragen sich: Wie tickt der neue starke Mann an der Seitenlinie des Bundesligisten aus Weißenfels eigentlich?

MBC-Trainer Wojciech Kaminski: Seit 17 Jahren auf Erstliga-Niveau

Jakub Wojczynski hat die Karriere von Coach Kaminski als Journalist bei der polnischen Sportzeitung „Przegląd Sportowy“ eng begleitet. Er hat gesehen, wie Kaminski zehn Jahre lang bei Polonia Warszawa an der Seitenlinie stand, anschließend von 2012 bis 2018 Rosasport Radom zu einer der besten Mannschaften des Landes entwickelte. Der gebürtige Warschauer gewann den Pokal und den Super-Cup, wurde zweimal zum Coach des Jahres gewählt. „Er ist einer der besten Trainer Polens“, sagt Wojczynski.

Bereits seit 17 Jahren trainiert Kaminski auf Erstliga-Niveau. Wojczynski erinnert sich noch genau an Kaminskis erstes Spiel als Chefcoach von Polonia Warszawa: „Sie haben auswärts in Russland gespielt und gewonnen. Auf der Pressekonferenz wurde der gegnerische Trainer dann gefragt, ob es nicht eine Schande ist, gegen einen kleinen Jungen aus Polen zu verlieren. Also hat Kaminski unterbrochen und in fließendem Russisch entgegnet, dass er kein kleiner Junge, sondern ein Basketballtrainer sei. Die Russen waren so was von erstaunt, weil sie nicht gedacht hatten, dass er sie versteht.“

Schlagfertig ist der Mann also – und sympathisch, sagt Wojczynski: „Er ist ein offener Mensch, sehr kommunikativ und hat Humor.“ Worauf sich die Profis einstellen können? „Kaminski ist kein typischer, sehr strenger Balkan-Coach“, erzählt der Sportjournalist. „Natürlich gibt es auch bei ihm klare Regeln. Er erwartet Disziplin. Aber er geht auf die Spieler ein. Ihre Anliegen und ein gutes Verhältnis zu ihnen sind ihm sehr wichtig.“ 

Aleksandar Scepanovic und Wojciech Kaminski: Gegensätze als ideale Lösung?

Hört sich nach dem Gegenteil von Aleksandar Scepanovic an. Der hatte nach seiner Beförderung zum Cheftrainer im vergangenen Sommer gesagt: „Die Spieler lieben mich nicht. Und sie müssen mich auch nicht lieben, sie müssen mich nicht mögen, sie müssen ihre Leistung abrufen.“

Nach weitgehend erfolglosen Monaten im Amt wurde Scepanovic in der vergangenen Saison durch Silvano Poropat ersetzt. Scepanovic wird nun auch Kaminski künftig als Co-Trainer unterstützen – und mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen könnten sich beide perfekt ergänzen.

Wie wird Kaminski sich in der Bundesliga zurechtfinden? „Das ist die große Frage“, sagt Jakob Wojczynski. „Es gab bislang nur wenige polnische Trainer, die im Ausland gearbeitet haben, keiner von ihnen auf diesem hohen Level wie Kaminski jetzt. Aber er hat die Fähigkeiten, um in der BBL erfolgreich zu sein. Ich hoffe für ihn nur, dass das Management geduldig mit ihm ist, falls es am Anfang nicht gleich so gut laufen sollte.“

MBC darf hoffen: „Kaminski ist kein schlechterer Trainer als Jovovic“

Ein Vergleich jedenfalls lässt hoffen: Igor Jovovic schaffte mit dem Syntainics MBC vor zwei Jahren den Aufstieg in die Bundesliga und in der darauffolgenden Spielzeit den Klassenerhalt. Dann wechselte der Coach nach Polen zu Zielona Gora. Wojczynski sagt: „Kaminski ist kein schlechterer Trainer als Jovovic. Und mit ihm war der MBC ja sehr zufrieden.“

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Für seinen neuen Job in Weißenfels gibt Kaminski sogar sein Amt als Co-Trainer der polnischen Nationalmannschaft  auf und verzichtet damit auf die Teilnahme an der bevorstehenden Weltmeisterschaft in China. Der Mann meint es ernst mit seinem Engagement beim Syntainics MBC.

Und das passt ins Bild, denn: „Es ist bemerkenswert, dass er bei seinen Stationen in Warschau und Radom mehrere Jahre gearbeitet hat“, sagt Wojczynski. „In Polen wurden Trainer in den letzten Jahren nämlich gerne und schnell gefeuert. Aber er hat trotz überschaubarer finanzieller Möglichkeiten wirklich immer etwas aufgebaut.“ Und es ist Wojciech Kaminski zuzutrauen, dass ihm das auch in Weißenfels gelingt. (mz)