Auch HFC gratuliert dem Rivalen

So geht's für den 1. FC Magdeburg nach dem Aufstieg weiter

Vor vier Jahren ist der Klub schon einmal in die zweite Liga aufgestiegen. Was diesmal besser gemacht werden soll und was geplant wird.

Von Christoph Karpe Aktualisiert: 26.04.2022, 17:19 • 26.04.2022, 16:57
Sportdirektor Otmar Schork und Trainer Christian Titz (r.) bauen nun ein Zweitliga-Team auf.
Sportdirektor Otmar Schork und Trainer Christian Titz (r.) bauen nun ein Zweitliga-Team auf. (Foto: Imago/Schroedter)

Magdeburg/Halle (Saale)/MZ/dpa - Der nächste Anlauf: Zum zweiten Mal nach 2018 ist der 1. FC Magdeburg in die zweite Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Nach nur einer Saison folgte damals allerdings schon wieder der Abstieg. Das bittere Schicksal soll diesmal unter allen Umständen vermieden werden. Die MZ beantwortet alle derzeit wichtigen Fragen zum FCM.

1. Wie lange wurde noch gefeiert? Was ist passiert?

Während die Mannschaft noch lange und fröhlich fetete, eskalierte die Party der Fans in der Magdeburger Innenstadt. Die Polizei musste den Hasselbachplatz in der Nacht sogar mit Wasserwerfern räumen. Seite 2

2. Bleibt Christian Titz nach dem Aufstieg Trainer?

Es war zwar ein offenes Geheimnis, aber nun besteht Klarheit: „Ja, natürlich sitzt Christian Titz kommende Spielzeit bei uns auf der Bank. Wir haben hier etwas begonnen, und das ist noch nicht zu Ende“, meinte Sportchef Otmar Schork.

Titz sagte: „Es hat nie irgendetwas dagegen gesprochen.“ Der 51-Jährige hat den FCM im Februar 2021 von Thomas Hoßmang übernommen und aus den Elbestädtern innerhalb von 14 Monaten einen Aufsteiger geformt. Aus den 49 Liga-Spielen unter der Leitung des früheren HSV-Trainers holte der FCM sagenhafte 102 Punkte, was einen Schnitt von 2,08 bedeutet. Dabei verlief sein Einstand noch unglücklich: Er begann mit drei Niederlagen, dann hatte er das Team auf Kurs gebracht. Insgesamt verlor er mit dem FCM nur neun Mal, holte aber 31 Siege.

3. Welche Spieler sollen bleiben, wer muss eventuell gehen, wer soll kommen?

Der Abstieg 2019 war vor allem der missratenen Kaderplanung geschuldet, was vor allem Geschäftsführer Mario Kallnik zur Last gelegt worden war. Der hält sich inzwischen aus Personalien um die Mannschaft weitgehend heraus. Schork und Titz sind die Planer.

Fest steht, dass Drittliga-Rekordscorer Baris Atik (18 Tore, 20 Vorlagen) gehalten werden soll. Sein Vertrag hat sich per Option automatisch verlängert. Was keine Garantie ist, dass er nicht doch gegen eine gewisse Ablöse zu einem Klub wechselt, der ihm mehr als die bislang kolportierten 27.000 Euro monatlich bezahlen möchte und kann.

20 Spielerverträge laufen aus. Einige der Profis bleiben. Punktuell muss und soll die Mannschaft natürlich verstärkt werden, um bestehen zu können. Besonders die Abwehr, die drittbeste der Liga mit 36 Gegentoren (Kaiserslautern 22), braucht frisches Blut. Das Aufbauspiel von hinten heraus war oft zu fehlerhaft. Deshalb ist es auch unklar, ob selbst Spieler wie Kapitän Tobias Müller eine Liga höher noch gebraucht werden. „Wir sind guten Mutes, einen Kader zusammenzustellen, der absolut zweitligatauglich sein wird“, sagte Schork. Am Erfolgskonzept wird festgehalten: dominanter und spielerisch sehenswerter Fußball mit offensivem Pressing.

4. Mit welchem Etat und welchen Zielen geht der FCM die zweite Liga an?

In Liga drei operierte der FCM mit etwa zwölf Millionen Euro Etat, wovon rund 5,2 Millionen in die Profimannschaft geflossen sind (Vergleich: HFC 7,5/3,2). Dazu kommen künftig etwa 7,3 Millionen Euro an TV-Geldern aus dem TV-Vertrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Ein Verein wie etwa Erzgebirge Aue operiert mit eben jenen knapp 20 Millionen Euro Umsatz am untersten Limit der zweiten Liga (nur Sandhausen hat weniger). Diese Marke sollte der FCM übertreffen können. Aber mehr als einen Kampf um den Klassenerhalt lassen die Finanzen wohl nicht zu. Übrigens: Ein Klub wie der Hamburger SV hat in einer Saison etwa 95 Millionen Euro Umsatz, von denen 70 Millionen ins Personal fließen.

5. Muss der Klub an der Infrastruktur nachrüsten?

Sportchef Schork (64), einst beim SV Sandhausen, hatte jüngst beklagt: „Wenn man Profifußball spielen will, muss man auch professionelle Bedingungen haben.“ Konkret meint er: „Wir brauchen Trainings- und Spielstätten, es sind zu wenig Plätze vorhanden. Auch die Gänge, die Räumlichkeiten und der Mannschaftstrakt, der aus allen Nähten platzt, müssen erweitert werden“, sagte Schork. Wann das passiert - und mit welchem Geld es finanziert werden soll, ist offen. Ansonsten ist vieles rings um das Stadion mit seinen 27.000 Plätzen zweitligatauglich. Die DFL hat dem FCM bereits die Lizenz erteilt.

6. Wie ist die Reaktion beim HFC zum Aufstieg?

Aus Halle kamen Glückwünsche und Anerkennung: „Trotz aller Rivalität: Herzlichen Glückwunsch zum verdienten Aufstieg. Aus zwei schwierigen Jahren in der dritten Liga haben die Magdeburger gelernt und waren in dieser Saison klar die beste Mannschaft“, sagte HFC-Präsident Jens Rauschenbach.