DFB-Pokal1. FC Magdeburg gegen Eintracht Frankfurt: Bitteres Pokal-Aus für den FCM im Elferschießen

Magdeburg - Bitteres Pokal-Aus für den 1. FC Magdeburg: Gegen Eintracht Frankfurt verlor der FCM erst im Elfmeterschießen mit 3:4. Nach 90. Minuten und der Verlängerung hatte es 1:1 gestanden.

Von Clemens Boisserée 21.08.2016, 14:45
Der Mann des Spiels auf Frankfurter Seite: Torwart Lukas Hradecky.
Der Mann des Spiels auf Frankfurter Seite: Torwart Lukas Hradecky. imago sportfotodienst

Bitteres DFB-Pokal-Aus für den 1. FC Magdeburg: Gegen Eintracht Frankfurt verlor der FCM erst im Elfmeterschießen mit 3:4. Nach 90. Minuten und der Verlängerung hatte es 1:1 gestanden.

Eine stimmungsvolle Pokalschlacht zwischen zwei Traditionsvereinen sollte es werden, dieses DFB-Pokal-Duell zwischen dem 1. FC Magdeburg und Eintracht Frankfurt. Doch Ausschreitungen insbesondere der Frankfurter Anhänger sorgten für negative Begleiterscheinungen eines ansonsten perfekten Fußballnachmittags.

Der hatte für die Magdeburger denkbar ungünstig begonnen, schon nach sieben Minuten brachte Branimir Hrgota die Eintracht in Führung. Ein Freistoß von Nico Hammann in der zweiten Halbzeit glich die Partie jedoch wieder aus. In der Verlängerung flog der Frankfurter Michael Hector (100.) vom Platz.

Am Ende musste das Elfmeterschießen entscheiden. Hier wurde Jan Löhmannsröben zum tragischen Helden und verschoss beim Stand von 3:3 den entscheidenden Elfmeter. Zuvor waren Puttkammer und Müller sowie Hasebe und Mascarell auf Frankfurter Seite ebenfalls vom Punkt gescheitert.

Ausgangslage

Dem FCM steckte die bittere Last-Minute-Niederlage in Osnabrück (2.3) noch ein wenig in de Köpfen. Gegen die Eintracht war der 1. FC Magdeburg trotzdem voll da. „Die Jungs haben sich diese Partie nach dem schwer erkämpften vierten Platz der Vorsaison einfach verdient", gab sich Trainer Jens Härtel vor Anpfiff optimistisch. Ein Faktor für den FCM sollten vor allem die Fans werden. 22.000 standen in der ausverkauften MDCC-Arena auf der Seite der Blau-Weißen. Rund 2000 Frankfurter begleiteten die Eintracht.

Auch deren Trainer Nico Kovac blickte vor der Partie mit Respekt auf die wartende Kulisse. „Wir wissen, was auf uns zukommt. Wir sind der Erstligist, wir wollen eine Runde weiterkommen.“ Mit Blick auf seine im Sommer nahezu ausgetauschte Mannschaft - die Eintracht verpflichtete achte Neue - sagte Kovac: „Die Leistungen in den letzten beiden Testspielen waren gut. Ich bin guter Dinge.“ 

Personal

Beim FCM fehlte weiter Michel Niemeyer, genauso wie Kapitän Marius Sowislo. Im Gegensatz zur 2:3-Niederlage in Osnabrück rotierte Härtel auf drei Positionen. Steffen Puttkammer stand für Andre Hainault in der Innenverteidigung, Nico Hammann rückte für Tarek Chahed in die Startelf, und Leopold Zingerle kam im Tor zu seiner ersten Bewährungsprobe von Anfang an.

Bei der Frankfurter Eintracht fehlten im ersten Pflichtspiel der neuen Saison gleich zwei wichtige Offensivkräfte. Stürmer Haris Seferovic (Zahn-Operation) und Ante Rebic (vereiterte Mandeln) mussten, genauso wie Joel Gerezgiher, passen. In die Startelf rückte überraschend der wiedergenesene Szabolcs Huszti, für ihn musste - zur Enttäuschung der zahlreichen japanischen Journalisten - Makoto Hasebe auf der Bank Platz nehmen.

Erste Halbzeit:

„Die größten der Welt“ gegen „Die Diva vom Main“. Das Duell der beiden Traditionsvereine versprach schon vor dem Anpfiff eine stimmungsvolle Angelegenheit zu werden. Doch der Zeiger hatte sich noch keine sieben Mal gedreht, da wurde die hoffnungsvolle Stimmung auf Magdeburger Seite bereits gedämpft.

Frankfurts Neuzugang aus Mönchengladbach, Branimir Hrgota (7.), ließ Steffen Puttkammer und Christopher Handke ins Leere laufen und schob aus elf Metern trocken vorbei an Leopold Zingerle. Es war die erste Torchance des Spiels mit der der Favorit gleich in Führung ging.

Die bis dahin zwar kämpferischen, aber offensiv äußerst zaghaften Blau-Weißen wachten in der Folge auf. Niklas Brandt und und Handke prüften Lukas Hradecky, scheiterten aber jeweils knapp aus der Distanz. Und die Hausherren blieben jetzt das spielbestimmende Team. 25 Minuten waren gespielt, als Christian Beck eine scharfe Hereingabe von Handke verpasste. Unmittelbar im Anschluss hatte dann Manuel Farrona Pulido den Ausgleich auf dem Fuß, doch sein Schuss aus 17 Metern strich knapp am Tor vorbei – zum Ärger von Mitspieler Tobias Schwede, der auf Linksaußen anspielbar und frei durch gewesen wäre.

Vom Bundesligisten war währenddessen erstaunlich wenig zu sehen. Einzig ein Freistoß von Mijat Gaćinović knapp über das Gehäuse von Zingerle sorgte nach dem Führungstor nochmal für Gefahr. Doch im Mittelfeld offenbarte der Favorit in den ersten 45 Minuten immer wieder eklatante Lücken, die der Drittligist für eine spielerische Überlegenheit – nicht aber für das ersehnte Ausgleichstor nutzen konnte. Mit 0:1 ging es in die Kabine.

Zweite Halbzeit:

Bevor nach der Pause wieder Fußball gespielt werden konnte, mussten im Gästeblock einige Chaoten ihre geistige Unterlegenheit beweisen und Leuchtraketen in die Magdeburger Zuschauerränge feuern. Eine rund zehnminütige Unterbrechung durch Schiedsrichter Markus Schmidt war die Folge.

Kaum war die Partie wieder angepfiffen, übernahm erneut die Mannschaft von Jens Härtel das Kommando. Einen Gewaltschuss von Nils Butzen konnte der zunächst nicht immer sichere Lukáš Hrádecký im Frankfurter Tor nur mit Mühe über den Querbalken lenken, ein Kopfballversuch des Rechtsverteidigers ging knapp am Tor vorbei.

Die Eintracht beschränkte sich hingegen weiter auf ihre seltenen Konterversuche. Ein solcher führte in der – offiziell - 77. Minute  jedoch beinah zum 0:2. In letzter Sekunde konnte Alex Meier am Fünfmeterraum vom Ball getrennt werden.

Dann aber wieder der FCM. Nach der Unterbrechung waren noch etwa 15 Minuten zu spielen, als sich Nico Hammann den Ball rund 17 Meter vor dem Tor in halblinker Position zum Freistoß zur Recht legen konnte. Michael Hector hatte Pulido zuvor mit dem Ellenbogen ins Gesicht geschlagen. Hammann nahm sich also den Ball, jagte ihn über die Mauer wo er noch unhaltbar für Hrádecký abgefälscht wurde und zum Ausgleich im Frankfurter Kasten einschlug. Die MDCC-Arena stand Kopf.

Nun entwickelte sich eine echte Pokalschlacht. Der Bundesligist schien plötzlich aufgewacht und drängte den Drittligisten in die eigene Hälfte. Nach einer Ecke hätte Alex Meier die Eintracht wieder in Führung bringen können, doch sein Schuss wurde in letzter Sekunde zur Ecke abgefälscht. Angetrieben von 22.000 Fans blieben aber auch die Gastgeber gefährlich. Christian Beck hätte den FCM in der achten Minute der Nachspielzeit in Führungen bringen müssen. Ganz alleine lief der Stoßstürmer aufs Frankfurter Tor zu – und  schoss Frankfurts Schlussmann den Ball an den Körper. Nach elf zusätzlichen Minuten pfiff Schmidt ab. Verlängerung!

Verlängerung:

In dieser präsentierten sich die Hessen zunächst als das frischere Team, die Blau-Weißen mussten dem 80-müntigen Hinterherrennen Tribut zollen. Die Eintracht drängte auf das 2:1, Meier hatte aus sieben Metern die Führung auf dem Fuß – und zielte zwei Etagen zu hoch über das Tor.

Nach rund zehn Minuten sollte sich das Blatt jedoch erneut wenden. Ein weiter Schlag in die Frankfurter Hälfte erreicht Schwede, der vom bereits verwarnten Hector zu Fall gebracht wurde und von Schmidt die zweite Gelbe Karte erhielt. Platzverweis. Magdeburg in Überzahl und plötzlich wieder präsenter. Kurz vor dem Seitenwechsel hatte erneut der sich tapfer aufreibende Beck die Chance zum FCM-Führungstreffer. Doch sein Schuss ging nur ans Außennetz.

Es war die letzte wirkliche Torchance eines Spiels, in dem der FCM nicht nur kämpferisch sondern auch spielerisch das überzeugendere Team war und den Bundesligisten schließlich ins Elfmeterschießen zwang.

Elfmeterschießen:

Die Entscheidung sollte vor dem Block U, der Fankurve des FCM, fallen. Hammann und Meier verwandelten ihre Schüsse. Dann jedoch traf Steffen Puttkammer nur den Pfosten, während Huszti sicher traf. Auch Gerrit Müller konnte seinen Elfmeter nicht verwandeln, doch Zingerle hielt den Schuss von Hasebe und den FCM somit im Rennen. Handke konnte den Ball endlich wieder im Netz unterbringen, für Frankfurt verschoss Omar Mascarell. Das Elfmeterschießen wieder offen, Zingerle sei Dank. Als letzter regulärer Schütze trat Beck an und schoss den FCM in Führung, doch auch der Frankfurter Blum behielt die Nerven.

Verlängerung im Elfmeterschießen. Zur tragischen Figur wurde hier Jan Löhmannsröben, der mit seinem Versuch an Hrádecký scheiterte. Varela netzte den entscheidenden Strafstoß sicher ein. Schluss! Der FCM hatte die große Überraschung denkbar knapp verpasst.

FCM - Eintr. Frankfurt 4:5 n.E. (1:1, 1:1, 0:1)

1.FC Magdeburg: Zingerle - Butzen, Handke, Puttkammer, Sprenger - Löhmannsröben, Brandt (77. Müller) - Hammann, Schwede (103. Exslager), Farrona Pulido (90. Chahed) - Beck
Eintracht Frankfurt: Hradecky, Varela, Abraham, Hector, Oczipka, Huszti, Mascarell, Gacinovic (102., Chandler), Castaignos (65. Hasebe), Meier, Hrgota (90+4. Blum)
Tore: 0:1 Hrgota (7., Mascarell), 1:1 Hammann (87., direkter Freistoß).
Elfmeterschießen: 1:0 Hammann, 1:1 Meier, 1:1 Puttkammer verschießt, 1:2 Huszti, 1:2 Müller verschießt, 1:2 Hasebe verschießt, 2:2 Handke, 2:2 Mascarell verschießt, 3:2 Beck, 3:3 Blum, 3:3 Löhmannsröben verschießt, 3:4 Varela.
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart) Gelbe Karten: Brand (22.), Löhmannsröben (113.) / Mascarell (43.), Hassebe (69.), Hector (85.) Gelb-Rote Karte: Hector (wiederholtes Foulspiel, 100.)
Zuschauer: 24.605 (ausverkauft) in der MDCC-Arena