Verbindung ab Leipzig/Halle geplant

Pakistan International Airline: Flugzeug auf dem Weg von Chitral nach Islamabad abgestürzt

Islamabad - Ein dunkler Schatten liegt nun auf den Zukunftsaussichten der Pakistan International Airlines (PIA), die ab dem Frühjahr mit wöchentlich zwei Flügen den Airport Leipzig-Halle mit New York verbinden ...

Von Ralf Böhme 07.12.2016, 15:43
Eine ATR 42 der PIA.
Eine ATR 42 der PIA. EPA FILE

Ein dunkler Schatten liegt nun auf den Zukunftsaussichten der Pakistan International Airlines (PIA), die ab dem Frühjahr mit wöchentlich zwei Flügen den Airport Leipzig-Halle mit New York verbinden will.

Die Fluglinie Pakistan International Airlines hat den Absturz einer Passagiermaschine mit 48 Menschen an Bord bestätigt. „Wir bedauern zutiefst mitzuteilen, dass ein PIA-Flugzeug des Typs ATR-42 um 16.42 Uhr Ortszeit in der Nähe von Hawalian abgestürzt ist“, teilte Danyal Gilani, ein Sprecher der Flugline, mit. Der Vorfall ereignete sich im Norden Pakistans.

Kontakt zu PIA PK661 abgebrochen

Die Fluggesellschaft bestätigte, dass der Kontakt zu Flug PK661 abgebrochen sei. PIA ist die nationale Airline von Pakistan. Über die Ursache des Flugzeugabsturzes ist noch nichts bekannt. Von offizieller Seite gibt es weder Angaben zu den Flugbedingungen noch zu technischen Problemen. Auch ein terroristischer Hintergrund ist denkbar.

PIA als Staatslinie gilt unter Experten als mögliches Ziel für Anschläge in der asiatischen Krisenregion. Das Flugzeug war in Chitral nahe der afghanischen Grenze gestartet und auf dem Weg in die Hauptstadt Islamabad. Die Armee habe Soldaten und Helikopter mobilisiert, teilte ein Sprecher mit. Sie seien auf dem Weg zum Unglücksort.

An Bord seien 42 Passagiere, fünf Crewmitglieder und ein Bodentechniker gewesen. Unter den Opfern seien neun Frauen und zwei Kleinkinder. Auch drei Ausländer waren demnach unter den Passagieren. Deren Nationalität sei nicht bekannt. Laut Auswärtigen Amt in Berlin kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch Deutsche an Bord der Unglücksmaschine gewesen sind.

In einer Mitteilung der Fluglinie hieß es, man habe Minuten vor der geplanten Landung in Islamabad den Kontakt zu der Maschine verloren. „Wir haben alle Ressourcen mobilisiert, um das Flugzeug zu finden“, schrieb die PIA auf Twitter. 

Flughafen Leipzig/Halle: Betroffenheit über Absturz der Pakistan International Airlines Maschine in Schkeuditz

Uwe Schuhart, der Sprecher des Flughafen Leipzig-Halle, äußerte sich gegenüber der MZ bestürzt über das Unglück mit einer Passagiermaschine in Pakistan.

Das Flugzeug gehörte zur Pakistan International Airline, die im Frühjahr 2017 den Linienflugverkehr zwischen Leipzig-Halle und New York „John F. Kennedy“ aufnehmen will. Dem staatlichen Unternehmen fehlen dafür nach eigenen Angaben nur noch wenige Genehmigungen.

Zu Einzelheiten und zu den möglichen Folgen für die geplanten Interkontinentalflüge mit PIA ab Leipzig-Halle könne und wolle er nichts sagen, solange keine näheren Informationen vorlägen. Gleichzeitig betonte Schuhart: „Wer eine Anfluggenehmigung für Europa besitze, dürfe hier auch landen und starten.“ Das sei alles geregelt und letztlich Sache der Behörden. „Fliegen ist und bleibt trotz des Absturzes die sicherste Art zu Reisen.“

Bei dem Flugzeug handelt es sich laut einem Airline-Sprecher um eine zweimotorige Propellermaschine des Typs ATR-42.

Pakistan International Airlines: Diese Maschine stürzte über Pakistan ab

Die ATR 42 ist ein Turboprop-Regionalverkehrsflugzeug des französisch-italienischen Herstellerkonsortiums Avions de Transport Régional, wird seit 1985 gebaut und gilt als sehr zuverlässig. Das letzte Unglück mit diesem Flugzeug liegt einige Zeit zurück. Am 16. August 2015 verschwand eine ATR 42 der Trigana Air Service auf dem Flug 257 von Jayapura nach Oksibil in der indonesischen Provinz Papua vom Radar.

Weltweit sind 450 ATR-Maschinen im Einsatz. Ihr größter Vorteil: Das Flugzeug verbraucht bei voller Auslastung etwa 1,8 Liter Kerosin pro Passagier und 100 km. Dies entspricht der Hälfte des Verbrauchs eines modernen Jets.

Nach dem Absturz einer solchen Maschine auf einem Inlandsflug in Pakistan richtet sich das Augenmerk auf die Flotte der Staatslinie PIA. Nach eigenen Angaben liegt das Durchschnittsalter der Flugzeuge bei ungefähr zehn Jahren, ist damit jünger als der Bestand von „Lufthansa“. PIA bringt gegenwärtig 38 Flugzeuge zum Einsatz, neben Boeing und Airbus auch die jetzt verunglückte ATR 42.

Modernisierungsprogramm bei der Pakistan International Airlines

Gegenwärtig läuft in der Flotte ein staatlich gefördertes, millionenschweres  Modernisierungsprogramm an. Vorhandene Maschinen werden umgebaut und neu ausgestattet. Bis 2020 sollen vor allem für das internationale Geschäft auch zahlreiche neue Flugzeuge angeschafft werden.

Sämtliche Piloten erhalten ihre Ausbildung an einer unternehmenseigenen Schule. Auch das übrige Kabinenpersonal wird derzeitig entweder neu eingestellt oder firmenintern auf Weltniveau getrimmt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Pakistan International Airlines für negative Schlagzeilen sorgt. Hinter der 1954 gegründeten traditionsreichen Gesellschaft liegen auch einige turbulente Jahre. Wegen Sicherheitsbedenken und Unpünktlichkeit erhielt der anfänglich sehr gute Ruf von PIA später etliche Schrammen, stand das Unternehmen in Europa sogar auf einer Risiko-Liste.

Die Bedenken sind allerdings seit geraumer Zeit ausgeräumt. Seit Jahresbeginn steht Bernd Hildenbrand, ein ehemaliger Lufthansa-Manager, an der Spitze des Konzerns. Seit Vertrag ist zunächst auf zwei Jahre befristet. (mz)